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18.12.2012

12:16 Uhr

Walter direkt

Finanzdienstleister müssen für Durchblick sorgen

VonHerbert Walter

Das Angebot auf dem Anlagemarkt ist so unübersichtlich wie groß. Trotz engmaschiger Regulierung ist die Finanzindustrie in Sachen Transparenz immer noch ausgesprochen zögerlich – und verspielt damit weiter Vertrauen.

Herbert Walter

Herbert Walter – Der Finanzlotse. Herbert Walter führte von 2003 bis 2009 die Dresdner Bank.

Wenn private und professionelle Anleger etwas gemeinsam haben, dann das: Niemand kann heute das gesamte Angebot auf den Anlagemärkten auch nur annähernd überblicken.

Allein in Deutschland sind mehr als zehntausend Aktien an der Börse notiert, dazu kommen ungezählte Fonds, Zertifikate, Derivate und alternative Investments. Daneben werben Heerscharen von Anlageberatern um Käufer für ihre Produkte – vom einfachen Sparbuch oder einer Lebensversicherung  bis hin zu komplexen strukturierten Produkten.

Eine logische Konsequenz dieser gigantischen Unübersichtlichkeit ist der Versuch der Politik, die Transparenz im Anlagemarkt durch eine immer engmaschigere Regulierung zu erhöhen. Das markanteste Beispiel dafür sind die Produktinformationsblätter, die seit Mitte 2011 Anleger in leicht verständlicher Form über Risiken, Chancen und Kosten eines Finanzprodukts informieren sollen. Viel wichtiger als diese Produktinformation ist für die Beratungspraxis aber die Verpflichtung der Anlageberater, dass sie nur solche Produkte empfehlen dürfen, für die sie auch die entsprechenden Informationsblätter haben.

Weil die aber für die Finanzdienstleister ein nicht unbeträchtlicher Kostenblock sind, ist vorgezeichnet, dass natürlich nur solche erstellt werden, die sich rechnen. Das ist der wesentliche Grund dafür, dass Banken zunehmend daran gehen,  das Produktangebot im Beratungsgeschäft zu straffen, insbesondere im Massengeschäft mit privaten Anlegern.

Das leuchtet unmittelbar ein, weil kein Unternehmen es sich auf Dauer leisten kann, ein Angebot aufrecht zu erhalten, das nicht einmal die Kosten hereinspielt.  Mangelndes Kundeninteresse wird so zu einem entscheidenden Ausschlusskriterium für das Produktportfolio. Wo Interesse fehlt, werden auch keine Informationen erstellt.

Bei Finanzdienstleistern kommt aber ein Zweites hinzu, und das ist für den Erfolg im Beratungsgeschäft von entscheidender Bedeutung. Wie auch immer ein Produktportfolio zusammenstellt ist, es wird nur dann genutzt, wenn die Kunden Vertrauen in den Anbieter haben. Genau daran hapert es aber zurzeit.

Immer wieder höre ich, dass Kunden sich zwar intensiv beraten lassen, sie den Empfehlungen des Beraters jedoch nicht folgen. Das hat im Wesentlichen zwei Ursachen. Einerseits hat die außerordentliche Volatilität der Anlagemärkte in den zahlreichen Krisenjahren in diesem Jahrhundert die Anleger nachhaltig verunsichert. Auch wichtige Anlageentscheidungen werden immer und immer wieder hinausgezögert.

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