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04.12.2012

11:37 Uhr

Walter direkt

Finanzindustrie ist Meister der Intransparenz

VonHerbert Walter

Immer mehr Dienstleistungsbereiche veröffentlichen ihre Leistungsbilanzen. Die Finanzindustrie lässt sich allerdings nicht in die Karten schauen. Wer Anlegerschutz ernst nimmt, muss das ändern.

Herbert Walter

Herbert Walter – Der Finanzlotse. Herbert Walter führte von 2003 bis 2009 die Dresdner Bank.

Ob Kindersitze, Fahrräder oder Autos, Produkttests sind seit Jahrzehnten eine wertvolle und viel genutzte Orientierungshilfe für Verbraucher.  Ganz anders war es bisher bei Dienstleistungen. Die Qualität dieser Arbeit wurde nur in den seltensten Fällen gemessen.

Das beginnt sich in wichtigen Bereichen grundlegend zu ändern. Ärzte und Krankenhäuser gewöhnen sich hier zu Lande gerade daran, dass ihre Leistungsbilanzen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Vor allem Krankenkassen sehen in dieser Transparenz einen wichtigen Hebel für mehr Wettbewerb und bessere Qualität der Arbeit. „Überall, wo die Qualität im Gesundheitswesen gemessen wird,  verbessern sich die Ergebnisse“, zitierte jüngst der „Spiegel“ den US-Ökonomen Michael Porter. Er sieht in einer umfassenden Qualitätsmessung den wichtigsten Hebel, um die praktisch in allen Industriestaaten mehr oder weniger maroden und kostspieligen Gesundheitssysteme zu reformieren.

Merkwürdig, ja sogar unverständlich ist es, dass sich in einem anderen, gigantisch großen Dienstleistungsmarkt in dieser Hinsicht nur wenig zu tun scheint: im Markt für Finanzdienstleistungen. Dort gibt es zwar massenweise Bewertungen und Tests von Produkten. Die helfen aber nur bei der Entscheidung für oder gegen einen Produktkauf.  Die Qualität der Beratung  bezogen auf die Performance des Portfolios wird jedoch nicht gemessen.

Zwar erfährt ein Kunde von seinem Anlageberater in mehr oder weniger großen Abständen, wie es um sein Depot steht. Aber in der Regel wird ihm nicht einmal die erwirtschaftete Brutto-Rendite mitgeteilt. Wenn er dann die Netto-Rendite wissen möchte, scheitert das schon daran, dass er die exakten Kosten seines Depots nicht aus den ihm überlassenen Informationen ermitteln kann.

Genauso im Unklaren wird der Anleger hinsichtlich des Risikoprofils seines Depots gelassen. Zwar wird er anfänglich nach seiner Risikoneigung befragt, und die Bank verkauft ihm dann die dazu passenden Produkte.  Das allerdings hilft ihm auch nicht viel weiter, wenn zum Beispiel ein Aktienfonds gleich die Risikoklassen drei bis fünf abdeckt.

Er kann mit solchen Produktinformationen nicht einmal erahnen, ob er mit seiner Geldanlage in den vergangenen Monaten insgesamt einen riskanten oder konservativen Kurs gefahren ist. Das wiederum führt zwangsläufig dazu, dass er auch die Leistung seines Beraters nicht beurteilen kann. Wer nicht weiß, wie groß sein Anlagerisiko ist, kann eben auch nicht beurteilen, ob die erwirtschaftete Rendite zu diesem Risiko in einem guten oder schlechten Verhältnis steht.

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

04.12.2012, 12:38 Uhr

Herbert Walter

Die halbe Welt ist mittlerweile zu einem Irrenhaus geworden.Überall nur noch Interessengruppen,wo man auch hinschaut.
Alles verdreht und verlogen,abgeschirmt oder man weiß es
einfach nicht.Wo man auch hinsieht breitet sich Sumpf aus.
Völlig meschugge,wo soll das nur hinführen?

Das muß zwangsläufig zu Kriegen führen,
geht ja gar nicht anders.Frage ist nur noch wo und wann,
ob nicht mehr.

Haderlump

05.12.2012, 16:12 Uhr

Transparenz und belastbare Bewertungen sind im Dienstleistungsgewerbe wohl kaum möglich. Die gibt es auch bei Ärzten, Steuerberatern, Anwälten und Unternehmensberatern nicht. 10.000 Berater der Deutschen Bank bringen unterschiedliche Leistungen, genau wie 100.000 Sparkassen-Berater. Wie soll man das transparent vergleichen?
Das ist zwar unbefriedigend, aber nicht nur ein Problem der Finanzindustrie.

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