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14.05.2013

12:16 Uhr

Walter direkt

Gefährliche Konstellation

VonHerbert Walter

Die hohe Jugendarbeitslosigkeit in der Euro-Zone ist ein Armutszeugnis für die Politik. Und sie lässt junge Menschen an unseren politischen und wirtschaftlichen Systemen zweifeln.

Herbert Walter

Herbert Walter – Der Finanzlotse. Herbert Walter führte von 2003 bis 2009 die Dresdner Bank.

Fast 60 Jahre ist es her, da ging ein aufwühlender Film über Zukunftsangst und Richtungslosigkeit einer verlorenen Generation um die Welt: „... denn sie wissen nicht, was sie tun“, so der deutsche Filmtitel.

Heute, 60 Jahre später, gelten die Teenager in den meisten Ländern der Euro-Zone wieder als eine verlorene Generation, als eine Generation, die scheinbar nicht gebraucht wird. Wie sonst sollte man es denn interpretieren, wenn in den südeuropäischen Krisenländern zwischen 40 und 60 Prozent und in der Euro-Zone insgesamt ein Viertel aller jungen Menschen arbeitslos sind?

Auch der größte Sturkopf wird einsehen müssen, dass junge Menschen nichts, aber auch gar nichts von einem System halten können, wenn dieses zur Folge hat, dass die Gesellschaft mit ihnen praktisch nichts anzufangen weiß. Das ist eine gefährliche Konstellation und das Schlimmste daran ist, dass es kaum Hoffnung auf eine rasche Besserung gibt.

Viel zu sehr sind die Politiker in der Euro-Zone damit beschäftigt, Zeit zu gewinnen und irgendwie über die Runden zu kommen. Der gerade von der EU-Kommission für Frankreich gewährte Aufschub bei der Haushaltssanierung ist dafür ein typisches Beispiel.  Jetzt können die französischen Politiker mehr Schulden machen, als ursprünglich vorgesehen, und die Staatsausgaben weiter erhöhen.  Ob das auch zu mehr Arbeitsplätzen für junge Menschen führen wird, ist höchst fraglich.

Was heute schon feststeht: Der Zwang zu wirklichen Reformen, die Frankreichs Wachstumsschwäche bekämpfen, wird dadurch spürbar reduziert. Nur Ignoranten der praktischen Politik werden noch daran glauben, dass das Beispiel Frankreich nicht auch in anderen Krisenländern Schule machen wird.

Ein jetzt bekannt gewordenes Dossier aus dem Kanzleramt beschreibt das ganz deutlich. Ob Griechenland, Italien, Spanien oder auch Frankreich, überall sehen die Fachleute „weiteren Spielraum für Reformen“. Weniger vornehm ausgedrückt heißt das,  auf dem Gebiet ist noch nicht genug getan worden. Um das Wachstum anzukurbeln, macht der Staat immer das, was er kam leichtesten kann: mehr Geld ausgeben.

Auf diese Weise bekämpft die Politik die Krise aber immer nur mit Schmerzmitteln, vulgo: neuen Schulden/Steuern und höheren Staatsausgaben, und nicht mit einer wirksamen Therapie, vulgo: Reformen.

Ein typisches Beispiel dafür ist der für Ende dieses Monats geplante deutsch-französische Krisengipfel zur Jugendarbeitslosigkeit. Der soll „einen Wendepunkt in Europa“ markieren, aber selbst da lautet das Mittel zum Zweck: Neue Milliarden vom Staat und der EU für neue  Jobs und Ausbildungsplätze. Die Frage, welche Reformen auf dem Arbeitsmarkt in den von hoher Jugendarbeitslosigkeit betroffenen Ländern notwendig sind, scheint zumindest bisher öffentlich noch keine allzu große Rolle gespielt zu haben.

Kommentare (19)

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Susanne

14.05.2013, 12:26 Uhr

Die jungen Leute müssen sich politisch engagieren, sonst bekommen sie vom Kuchen nichts ab.
Die Alten verteidigen ihre Besitzstände mit den Zähnen, denn sie wissen dass der Kuchen kleiner wird - zumindest in Europa.

btw

14.05.2013, 12:44 Uhr

Globalisierungs- und Privatisierungsopfer Jugendliche.
Denn gut ausgebildete, idealerweise an Eliteanstalten ausgebildete Jugendliche haben keine Probleme mit dem Aufbruch in die schöne neue Welt.

Wer Klassenkampf von oben führt, den kann eigentlich nicht verwundern was da geschieht: hier geht es nichtzuletzt auch um Selektionsprozesse, wie sie Erwachsene en Masse ebenfalls erleben.

Die soziale Frage war nie weg: sie tritt gegenwärtig lediglich verschärfter zutage - fast wie bestellt, möchte man anfügen.

norbert

14.05.2013, 12:46 Uhr

"Und sie lässt junge Menschen an unseren politischen und wirtschaftlichen Systemen zweifeln."

HOFFENTLICH !!!

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