Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

19.06.2012

10:35 Uhr

Walter direkt

Geldspritzen wofür?

VonHerbert Walter

Griechenland hat bisher zig Milliarden Euro frisches Geld vom Ausland bekommen. In der Wirtschaft ist dort davon nichts angekommen. Darüber muss verhandelt werden.

Herbert Walter

Herbert Walter – Der Finanzlotse. Herbert Walter führte von 2003 bis 2009 die Dresdner Bank.

Am Tag nach der Wahl in Griechenland war die gute Stimmung an den Börsen nur von kurzer Dauer. Mehr war aber auch nicht zu erwarten, denn die Sorgen sind geblieben. Drückende Schuldenlasten, wachsende Haushaltsdefizite, eine tiefe Rezession und steigende Arbeitslosigkeit prägen das Bild eines am Boden liegenden Staates. Dazu kommen dann noch niederschmetternde Untersuchungen über Amtsmissbrauch und Korruption in staatlichen Stellen, die Griechenland in Europa einen traurigen Spitzenwert bescheinigen.

Klar ist jetzt nur, dass die Griechen – wenig überraschend - in der Euro-Zone bleiben wollen und sie dafür eine dementsprechende Regierungskoalition gewählt haben.

Diese Parteien haben auch sogleich angekündigt, dass sie prinzipiell am Sparkurs festhalten wollen, aber es doch auch neue Verhandlungen geben müsse. Man brauche mehr Zeit für die Reformen und dürfe mit einem allzu resoluten Sparkurs der griechischen Wirtschaft nicht gänzlich den Hahn abdrehen.

Mit dieser Forderung kann der vermutliche neue Regierungschef Antonis Samaras auf prominenten Beistand zählen. Ob François Hollande (Frankreich), David Cameron (Großbritannien), Barack Obama (USA) oder Mariano Rajoy (Spanien), alle diese Amtskollegen und noch viele weitere mit ihnen wollen, dass die Euro-Länder mehr für das Wirtschaftswachstum tun, vulgo: endlich den Sparkurs lockern.

Gemeint sind damit in erster Linie Deutschland und seine Kanzlerin Angela Merkel, die nach Meinung dieser Politiker immer nur auf die Bremse tritt und bei den überschuldeten Euro-Ländern Struktur-Reformen anmahnt, die der Konjunktur viel zu spät auf die Sprünge helfen würden.

An diesem Argument ist sicher etwas dran, auch wenn die Rufe nach mehr Wachstum fast schon wie ein Allheilmittel klingen. Genau das ist es nicht, weil sich in Griechenland wie in allen überschuldeten Peripherieländern der Euro-Zone Grundsätzliches ändern muss. Die Konjunktur wird dort nicht auf die Beine kommen, wenn nicht  die Standortqualität durch Reformen im Steuersystem, bei den Pensionsregelungen und am Arbeitsmarkt verbessert wird, um nur die wichtigsten Punkte zu nennen.

Kommentare (5)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

19.06.2012, 11:41 Uhr

Warum wurden nicht schon im Vorfeld,d.h.bevor die ersten Zahlungen an Grieschenland geleistet wurden, Kontrollmechanismen eingebaut um sicherzustellen das z.b.austehende Rechnungen an den eigenen Mittelstand bezahlt werden um eben die Wirtschaft im eigenen Land anzukurbeln? Das wäre doch schon mal ein kleines Zeichen gewesen um zu zeigen,ja wir wollen etwas bewegen.Ein guter Anfang wäre es allemal,wenn auch nur ein kleiner.In Deutschland weiß eigentlich schon jeder, der sich ein wenig mit Wirtschaft beschäftigt,wie wichtig der Mittelstand als Motor der Wirtschaft ist.Also,die Frage bleibt offen warum sind im Vorfeld keine wirksamen Kontrollmechanismen eingebaut.Das betrifft alle geleisteten Zahlungen an Griechenland.Ich kann nur hoffen,das wir im Fußball-EM Spiel mit einem deutlichen Sieg gegen Griechenland überzeugen können.M.F.

Susa

19.06.2012, 11:42 Uhr

Darüber muss nicht verhandelt werden, sondern die Überweisungen müssen gestoppt werden.
Wenn die Griechen die bestehenden Kredite nicht zurück zahlen können, müssen sie enteignet werden.

Rolando

19.06.2012, 11:55 Uhr

@ AlfonzoWi1
>"Warum wurden nicht schon im Vorfeld,d.h.bevor die ersten Zahlungen an Grieschenland geleistet wurden, Kontrollmechanismen eingebaut '<

warum wohl ?? Weil der deutsche Steuerzahler die Investoren und Bankster mit den Rettungspaketen bezahlen soll. Gewinn privatisieren, Verlust sozialisieren - nicht neues seit 1929 ....

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×