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22.05.2012

10:19 Uhr

Walter direkt

Geldsysteme sind kein Naturgesetz

VonHerbert Walter

Die Proteste von Occupy Wall Street zielen immer stärker auf das Geldsystem insgesamt. Die monetäre Welt wächst viel stärker als die reale Wirtschaft und erschwert damit eine Lösung der Schuldenkrise.

Herbert Walter

Herbert Walter – Der Finanzlotse. Herbert Walter führte von 2003 bis 2009 die Dresdner Bank.

Wenn das vergangene Wochenende im verbarrikadierten und mit gewaltigem Polizeieinsatz geschützten Frankfurt etwas gezeigt hat, dann das: Die Proteste gegen Banken, Banker und das Finanzsystem haben eine Dimension erreicht, die insbesondere die Protagonisten dieses Systems nicht mehr ignorieren dürfen. Das sind die Banker selbst, aber auch die Währungshüter und die Politiker. 

In den Krisen der ersten zwölf Jahre dieses Jahrhunderts waren die Banken immer irgendwie dabei, beim Hype um die New Economy und dem Platzen der Blase, bei der US-Immobilienkrise und der darauf folgenden globalen Bankenkrise sowieso und natürlich spielen sie auch in der aktuellen Staatschuldenkrise eine gewichtige Rolle. 

Wer nun meint, das sei ja nun auch ein ganz besonders schlimmer Zeitabschnitt, der sollte einmal in ein hochinteressantes Working Paper des Internationalen Währungsfonds aus dem Jahr 2008 schauen. Für den überschaubaren Zeitraum von 1970 bis 2007 beschreibt die Untersuchung „Systemic Banking Crises. A New Database“ 124 Bankenkrisen, 208 Währungskrisen und 63 Staatsschuldenkrisen auf nationaler Ebene – alles in nur 38 Jahren. 

Sieht so ein stabiles Finanzsystem aus? Natürlich wurden all diese Krisen bisher irgendwie und irgendwann auch beendet, aber vor allem durch den Einsatz von immer mehr Geld. Rettungsschirme, Rettungsfonds und andere Fazilitäten rechnen mittlerweile nicht mehr in Milliarden, sondern in Billionen – fast egal, ob das nun Dollar oder Euro sind. Aber wohin führt das? 

Ich meine, diese Entwicklung ist unterschwellig ein maßgeblicher Grund für die  erkennbare Sympathie vieler Menschen für die aktuellen Proteste. Der derzeitige Medienrummel um David Graebers Buch „Schulden“ unterstreicht das. Dieses Buch wird sogar zu einem beachtlichen Teil von Journalisten oftmals geradezu überschwänglich rezensiert, die mit der Wirtschaft eher selten und mit der Finanzindustrie sowie dem Finanzsystem eigentlich gar nichts zu tun haben möchten. Aber Graeber spricht offenbar gerade jetzt vielen Menschen aus der Seele, wenn er an Hand eindrucksvoller Beispiele aus den vergangenen 5000 Jahren Ursachen und Folgen einer ungezügelten Schuldenwirtschaft beschreibt.

Kommentare (23)

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Account gelöscht!

22.05.2012, 11:30 Uhr

Eine Stimme der Vernunft. Sogar von einem Banker, ich staune.
Eben, diese Schulden konten politisch aufgehäuft werden, und müssen auch politisch reguliert werden. Intelligenz heißt auch auf Prozesse angemessen zu reagieren, Prozesse die man selbst angestoßen und so mit verursacht hat.

ROE

22.05.2012, 11:52 Uhr

Und wer ist für das starke Geldwachstum verantwortlich?

Die Notenbanken - letztlich die Politik, die den Zins nahe Null halten und nicht nur im Immobereich für "bubbles" sorgen wird. Wer glaubt denn noch, dass Notenbanken politisch unabhänig sind?

Und überhaupt kann es Stabilität nicht geben. Auch die, durch die politischen "Eliten" angestrebte Ueberregulierung der Banken, wird lediglich als Resultat ein Stocken der Kreditvergabe bringen und die Wirtschaft abschmieren lassen. Aufgrund einer höheren Risikoaversion bei der Kreditvergabe und der Verkürzung der Bankbilanzen zur Erhöhung der EK-Quote.

Ein Wunsch nach Sicherheit ist auch nicht erstrebenswert. Das Kapital muss ab und an neu verteilt werden.

NeinDanke

22.05.2012, 11:58 Uhr

Was ein Quatsch, niemand zwingt Leute zum Schulden machen. Hätte man eben nicht ständig auf SPD und Grüne hören dürfen, oder Helmut Kohl früher absägen müssen... Aber nein jetzt wollen die, die Schulden gemacht haben auch noch Geschenke? Das löst unser Problem nicht...

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