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29.11.2011

09:31 Uhr

Herbert Walter

Herbert Walter – Der Finanzlotse. Herbert Walter führte von 2003 bis 2009 die Dresdner Bank.

Machen wir uns nichts vor. Was als Griechenland-Problem begann, hat sich innerhalb von wenigen Monaten zu einer die Existenz der gesamten Euro-Zone bedrohenden Krise ausgeweitet. Erst mieden Investoren griechische Staatsanleihen, jetzt kehren sie den Euro-Ländern in toto den Rücken. Parallel dazu liegen bei den Politikern die Nerven blank. Jeder zeigt auf den anderen, alle giften sich an und sind felsenfest davon überzeugt, mehr als jeder andere im Kampf gegen die Krise zu tun. Währenddessen versinkt der Euro-Karren immer tiefer im Morast.

Wie viel Zeit bleibt der Euro-Zone, die Krise in den Griff zu bekommen?, fragten deshalb Kommentatoren in den vergangenen Tagen und manche rechneten dabei in Tagen und nicht in Wochen oder Monaten. Aus meiner Sicht gibt es aber viel wichtigere Fragen: Wie schaffen es die Politiker, die erforderlichen Konsolidierungsschritte bei den öffentlichen Haushalten umzusetzen, ohne ihre nationalen Wirtschaften damit in eine tiefe Rezession zu stürzen? Wie schaffen wir es, die europäische Krise zu meistern, ohne die Weltwirtschaft mit in den Abgrund zu ziehen?

Denn auch darüber dürfen wir uns nichts vormachen: Sparen allein hilft keinem Land aus der Krise und eine ausgeprägte Rezession in Europa würde unweigerlich die Weltwirtschaft mit hinunterziehen. Man mag sich gar nicht ausmalen, was das für Arbeitsplätze und Unternehmen weltweit bedeuten würde.  Weder die USA, noch Japan können derzeit wirklich gegensteuern, weil sie selbst genug Probleme am Hals haben. China, Indien und Brasilien sind zwar mächtig aufstrebende Staaten, ob sie allerdings in der Lage sind, die Welt jetzt aus einer Rezession zu manövrieren, darf zumindest bezweifelt werden.

Erst recht gilt das für Deutschland. Unser Land ist zu klein und wäre überfordert, Europa aus eigener Kraft aus der Patsche zu helfen.  Wir können nicht die Konjunkturlokomotive eines kranken Europas sein und haben auch nicht die Mittel, das Euro-Problem zu lösen.

Wie fragil Deutschlands Situation ist, hat gerade die jüngste Auktion deutscher Staatsanleihen gezeigt, die alles andere als ein Erfolg war. Wir sind halt mit im Boot und damit auch Teil des Problems – ob wir es wollen oder nicht.

Nein, eine angemessene Reaktion auf die immer bedrohlicher werdende Krise ist eine machtvolle Kooperation der wichtigsten Staaten in Amerika, Asien und Europa. Im Kern geht es also darum, die Lösung von einer primär europäischen auf eine globale Ebene zu bringen. Die Europäer sollten mit deutlich stärkerer Hilfe des Internationalen Währungsfonds (IWF) und mit der Unterstützung der anderen Notenbanken an die Lösung der Euro-Krise gehen.

Alle zusammen müssen das notwendige Vertrauen schaffen, in dem sie klare Ziele für die Problemländer wie für die anderen Staaten vorgeben – verbunden mit einem angemessenen Zeitrahmen für die Umsetzung der erforderlichen Schritte. Das betrifft die Haushaltsdisziplin ebenso wie die Ankurbelung der Wirtschaft.

Gleichzeitig würde das auch dafür sorgen, dass die Spekulanten zumindest Gefahr laufen, sich ordentlich die Finger zu verbrennen, wenn sie gegen ein Land wetten.  Marktpsychologisch wäre das eine wirksame Bremse – natürlich nur, wenn die Länder ihre Hausaufgaben wie vorgesehen machen.

Ohne Zweifel wäre solch eine Kooperation im Weltmaßstab zur Abwehr der Krise eines Währungsblocks ein Novum.  Machen wir uns also nichts vor: Ignoranz, Eifersüchteleien, Machtspielchen und eigensinniges Pochen auf nationale Befindlichkeiten können wir uns alle nicht mehr leisten.

Herbert Walter, geboren 1953 in Prien am Chiemsee, führte von 2003 bis 2009 die Dresdner Bank. Seine Karriere startete er nach einem Studium der Betriebswirtschaftslehre in München bei der der Deutschen Bank.

Von

Kommentare (1)

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Fortunio

29.11.2011, 12:29 Uhr

Man leistet sich so manches, was man sich eigentlich nicht leisten kann, Herr Walter. Das hat doch die Entwicklung der letzen Jahre, die zu dieser Krise geführt haben überdeutlich gezeigt. Sie kennen den alte Adam schlecht und seine Tendenz kurzfristig das zu tun, was ihm mittelfristig und langfristig das berühmte Bein stellt.

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