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03.09.2013

10:11 Uhr

Walter direkt

Im Namen des Guten und Wahren

VonHerbert Walter

Immer stärker dirigiert der Staat unser privates Leben – angeblich zu unserem Glück und Nutzen. Die Resultate lassen leider zu wünschen übrig, wie das Beispiel Bankberatung zeigt.

Herbert Walter

Herbert Walter – Der Finanzlotse. Herbert Walter führte von 2003 bis 2009 die Dresdner Bank.

Man muss ja nicht so weit gehen, wie der österreichische Nationalökonom Ludwig von Mises, der mit radikaler Liberalität dafür stritt, dass sich der Staat aus der Wirtschaft heraushalten solle.  Versteht man das Postulat von von Mises als ein politisches Ziel, so sind wir heute – fast 100 Jahre später – davon weiter entfernt als jemals zuvor. Vater Staat dirigiert unser Leben und wir alle tanzen brav nach dem vorgegebenen Takt.

Die Botschaften der Parteien für die nahende Bundestagswahl zeigen das wieder einmal in eindrucksvoller Intensität. Ob das nun die geforderte Bürgerversicherung, das bedingungslose Grundeinkommen, die diversen Steuererhöhungspläne oder der von den Grünen gepriesene Veggie-Tag ist, immer geht es dabei im Kern darum, den Bürgern vorzuschreiben, wie wir unser (Zusammen-) Leben zu gestalten haben.

Der Staat gibt und nimmt – immer im Namen des Guten und Wahren. Er bestimmt, wer mehr Steuern zu zahlen hat, wer welchen Anspruch auf staatliche Leistungen hat, und das bis in die allerkleinsten Einzelheiten. Ein skurriles Beispiel dafür ist die Münchner Fahrradabstellplatzsatzung. Dort ist nicht nur festgelegt, wie viele Abstellplätze auf Flohmärkten, Friedhöfen oder Kleingartenanlagen bereitstehen müssen. Nein, diese Satzung gilt sogar für Bordelle, für fünf Zimmer ist ein Fahrradabstellplatz einzurichten.

Man könnte das ganze Treiben mit Humor nehmen, wenn hinter dieser Art von gut gemeintem politischen Aktionismus nicht ein trauriges Menschenbild stünde: Der Bürger ist zu dumm, zu träge und überfordert, selbst das Richtige zu tun.

Deshalb nimmt der Staat es in die Hand, dafür zu sorgen, was gut für jeden einzelnen Menschen ist. Einen verniedlichenden Begriff hat man für dieser Art der staatlichen Politik schon lange gefunden: Paternalismus.

Was es mit diesem so stark nach väterlicher  Fürsorge klingenden Begriff auf sich hat, ist jedoch das genaue Gegenteil dessen. Im Paternalismus geht es nicht darum, die Menschen in die Lage zu setzen, selbst besser zu entscheiden. Es geht darum, den Menschen diese Entscheidung abzunehmen.

Kommentare (13)

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Horst

03.09.2013, 10:58 Uhr

Warum ? Es geht darum, wie die Politiker und die Beamten den Normalbürger aussagen, bez. um sein Geld betrügen. Exemplarusch die GEZ, oder die Renten-/Pensionenantworten der 2 Kandidaten: fachlich inkompetent (Renten müssen nicht versteuert werden, woher soll ich wissen, wie hoch das Rentenniveau ist), und dann noch einfach dem Bürger sein Geld veruntreuen (Eurorettung der Blockparteien). Dieses politische System ist für die Mehrzahl der Bürger relativ wertlos

Account gelöscht!

03.09.2013, 12:24 Uhr

Schön, wenn man in der Position eines Herrn Walter ist, der alles mit Abstand kommentieren kann, ohne betroffen zu sein.

Mir tun die Bankmitarbeiter leid, die Mitte 30, gerade eine Familie gegründet, mit diesem Wahnsinn konfrontiert sind und im Extremfall ihre Rettung nur noch in Pillen und Alkohol finden.

Aber darüber spricht ja niemand, ist ja gegen den Mainstream, schließlich sind ja alle Bankberater Verbrecher. Behaupten ja sogar führende Politiker (Ist das eigentlich nicht schon öffentliche, starfbare Beleidigung?).

Marschieren wir mal schön weiter auf dem Weg der Zertifizierungen, Automatisierungen, Beweislastumkehr, lückenlose Beratungsdokumentation, maßlose verbraucherfreundliche (oder besser gesagt anbietervernichtende) Rechtsprechung (ein fehlender Rahmen in der Widerrufsbelehrung in der Baufinanzierung schafft jederzeitige Vertragsaufhebung - Helau - 365 Tage Karneval).

Sie sind zu beneiden, Herr Walter!

Mazi

03.09.2013, 12:38 Uhr

"Man könnte das ganze Treiben mit Humor nehmen, wenn hinter dieser Art von gut gemeintem politischen Aktionismus nicht ein trauriges Menschenbild stünde: Der Bürger ist zu dumm, zu träge und überfordert, selbst das Richtige zu tun.

Deshalb nimmt der Staat es in die Hand, dafür zu sorgen, was gut für jeden einzelnen Menschen ist."

Herr Walter, der Beitrag passt nicht. Als Banker, als ehemaliger Vorstandsvorsitzender der Dresdner Bank, die bereits unterging, können Sie so etwas nicht schreiben.

Sie schreiben von Kleinigkeiten ohne die großen Stützungsaktionen des Staates gegenüber den Banken auch nur zu erwähnen, dann stellen Sie sich damit in eine Ecke, aus der nicht einmal Ihr bester Freund Sie noch herausholen kann.

In vielen Punkten, was die Regulierung angeht, haben Sie zwar Recht, aber das ist noch weniger als Peanuts, weniger als 50 Millionen DM.

Wenn Sie damit lediglich auf die Inkompetenz der Aufsicht aufmerksam machen wollen, dann können Sie dies sogar mit den vielen nationalen und internationalen Schieflagen der Banken untermauern. Das darf fast jeder so feststellen, aber sind es nicht erst einmal die Vorstände der Banken, die festlegen müssen, was die Bank "tut" oder "nicht tut" bevor es Vorständen erlaubt ist, den Finger gegenüber den Regulierern zu erheben.

Halten wir fest, dass viele Regulierungen nicht notwendig wären, würden die Vorstände von ihrem Recht Gebrauch machen, Missstände im eigenen Institut selbst zu beheben.

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