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13.08.2013

13:24 Uhr

Walter direkt

„Iss dein Haus“

VonHerbert Walter

Magere staatliche Renten und die finanzielle Repression werden immer mehr Immobilienbesitzer zwingen, die eigenen vier Wände zur Aufbesserung der Rente zu nutzen. Die Alternativen vom Verkauf bis zur Umkehrhypothek wollen gut überlegt sein.

Herbert Walter

Herbert Walter – Der Finanzlotse. Herbert Walter führte von 2003 bis 2009 die Dresdner Bank.

So hätten wir es alle gern: Gleichgültig wie alt wir werden, soll das in den Berufsjahren aufgebaute Vermögen erhalten bleiben und wir wollen davon gut leben können.

Sich diesen Wunsch erfüllen zu können, ist aber aus verschiedenen Gründen seit der Jahrtausendwende deutlich schwieriger geworden. Umfragen zeigen es immer wieder: Wir Bundesbürger sind überzeugt, selbst genügend für das Alter vorzusorgen. Aktuell will fast  jeder zweite Berufstätige nicht mehr dafür ausgeben, weil er sich ausreichend abgesichert fühlt. Wir sagen zugleich aber auch, dass wir dabei die Wirkungen der Inflation nicht auf dem Radar haben und wir handeln auch anders.

Tatsächlich sind die privaten Vorsorgeaufwendungen pro Kopf in Deutschland laut einer aktuellen Studie der Postbank seit 2005 von monatlich 204 Euro auf 185 Euro in 2012 gefallen. Das ist der niedrigste Stand seit Beginn der Messung. Da zeigt sich schon ein deutlicher Widerspruch zwischen Wunsch und Wirklichkeit über den erhofften Lebensstandard im Alter.

Dieser Widerspruch wird noch größer, wenn man diejenigen Trends einbezieht, denen ein Einzelner faktisch hilflos ausgeliefert ist. Da ist einmal die demografische Entwicklung in Deutschland. Die Menschen leben länger und die Geburtenzahl sinkt. Eine Folge: Das staatliche, umlagefinanzierte Rentensystem stößt immer mehr an seine Grenzen. Es muss seine Leistungen kappen und ist bestenfalls noch für eine Art Grundsicherung geeignet.

Zum anderen setzt die  Zinspolitik der Europäischen Notenbank aktuell vor jede längerfristige Vermögensrechnung ein riesengroßes Fragezeichen. Selbst mit halbwegs sicheren Anlagen ist kaum noch eine nennenswerte Realrendite zu erwirtschaften. Die braucht man aber, wenn im Alter das angesparte Vermögen nicht weniger wert sein soll als jetzt. Niemand weiß heute, wie lange diese Zinssituation noch anhalten wird. Bekommen wir japanische Verhältnisse, dann müssen wir mit 20 Jahren und mehr rechnen, in denen Sparer mit sicheren Anlagen keine Realrendite erwirtschaften können.

Vor diesem Hintergrund wird deutlich, warum Immobilien hier zu Lande seit geraumer Zeit die bevorzugte Anlageform sind. Der Wunsch nach einer eigenen Immobilie steht bei den Bundesbürgern ganz oben und ein wesentliches Motiv dafür ist die Absicht, damit die Altersvorsorge auszubauen.

Das ist allerdings manchmal leichter gesagt als getan. In den meisten Fällen ist die eigene Immobilie das mit Abstand wichtigste Vermögen im privaten Portfolio. Aber das heißt noch lange nicht, dass man davon auch gut leben kann, also ein Alterseinkommen besitzt, wie man es sich vorgestellt hat.

Kommentare (4)

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13.08.2013, 13:59 Uhr

Also, bevor ich dabei eine Bank einschalte, werden zunächst erst einmal Verwandte oder Freunde befragt. Da gibt es durchaus günstigere, vorstellbare Varianten mit Grundbuchabsicherung...

Account gelöscht!

13.08.2013, 14:25 Uhr

Augrund der miserablen Einkommensverhälnisse in Deutschland ist die Eigenheimquote im Lande eine der niedrigsten in der EU. Aber offensichtlich ist die immer noch zu niedrig. Die Banken suchen nach Möglichkeiten, für ihre reich Klientel weitere Anlagemöglichkeiten zu finden!

Mazi

13.08.2013, 14:26 Uhr

Das große Problem, dass Sie mit Recht ansprechen, ist aber unstrittig über die Politik eskaliert. Neben den Argumenten, die Sie mit Recht auch anführen, haben die Probleme aber auch eine Beschleunigung durch die "Rettungspolitik" der Bundesregierung für marode Staaten und Banken, aber auch die EZB-Politik schlechthin beigetragen.

Diese politischen Fehlsteuerungen stellen alles bisher dagewesene in den Schatten und werden, wenn ihr kein Einhalt geboten wird, jeden in Deutschland treffen.

Lebensversicherungen, die der deutschen liebstes Kind waren, erhalten aus der Anlage der Versichertengelder kaum noch Zinsen und müssen zusätzlich ihren eigenen aufwendigen "Lebensstil" finanzieren. (Wir denken beispielswiese an die Eskapaden der Ergo.) Unabhängig davon enteignet das VVG nach § 153, Abs. 3 den Versicherten in der Praxis um die Hälfte der bei Fälligkeit ermittelten Bewertungsreserven.

Zusätzlich zu diesem Problem belastet die Bundesregierung die Leistungsfähigkeit der Republik mit Zusatzausgaben, z.B. begründet in Rettungspaketen wie dem ESM.

Vor diesem Hintergrund ist es illusorisch für einen deutschen Staatsbürger eine effiziente Altersvorsorge aufzubauen.

Wenn die Bundesregierung über das Retten anderer Volkswirtschaften und banken redet bzw. nachdenkt, dann ist eine derartige Rettung jeweils mit finanziellem Aufwand verbunden.

Wer soll diesen Aufwand Ihrer Meinung nach bezahlen, wenn nicht der Bürger?

Es können aber nur die Bürger diesen Aufwand bezahlen, die etwas "beiseite" gelegt haben. Nachdem viele Bürger in Deutschland nicht mehr in der Lage sind, etwas beiseite zu legen, müssen also die "anderen" um so mehr zahlen. Sind die Geldvermögen einmal "abgeräumt" - und hierüber ist die Bundesregierung durch geeignete Maßnahmen bereits bestens informiert -, geht es auch den Hausbesitzern "an den Kragen".

Das was sie beschreiben, ist nicht anderes als den Weg in den realen Sozialismus.

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