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13.03.2012

10:02 Uhr

Walter direkt

Kleinanleger in der Klemme

VonHerbert Walter

Zyprische Sparer werden zur Kasse gebeten, um das Land vor der Insolvenz zu retten. Die Globalisierung des Bankings bringt weitere Gefahren für die Anleger.

Herbert Walter

Herbert Walter – Der Finanzlotse. Herbert Walter führte von 2003 bis 2009 die Dresdner Bank.

Jetzt trifft es die Kleinanleger direkt: Um den Staat zu stützen, müssen Kunden zyprischer Banken eine einmalige „Sondersteuer“ zahlen. Die genauen Eckdaten sind noch nicht bekannt, große Vermögen könnten mit rund 15 Prozent belastet werden. Bislang waren per Gesetz Einlagen bis eben 100.000 Euro in Euro-Land gesichert.

Seit Zypern darf man getrost Zweifel an der versprochenen Sicherheit haben. Das Vertrauen vieler Anleger ist erschüttert. Sollte es in den Krisenländern zu einem Run auf die Banken kommen, würden sich deren Probleme verschärfen.

Das anhaltend niedrige Zinsniveau zeigt aber auch in Deutschland Wirkung. Die Sparer verlieren bei der Anlage ihrer Liquiditätsreserven nach Inflation Geld. Und auch die Probleme vieler Geldinstitute wachsen. Vor allem die Filialbanken ächzen unter den hohen Kosten ihrer Infrastruktur, und das bei sinkenden Erträgen. Bestes Zeichen für die angespannte Situation: Der Ton zwischen den Banken wird rauer.

So bezeichnete kürzlich ein hoher Sparkassenfunktionär eine hierzulande tätige ausländische Direktbank als „Schmarotzerbank“. Mit hohen Zinsen würde sie Kunden von den Banken vor Ort weglocken und die eingesammelten Spargelder der Deutschen dann irgendwo auf der Welt zu attraktiven Zinsen anlegen. Der Hintergrund für den Aufschrei: Die Geschäftstätigkeit der Auslandsbanken in Frankfurt ist laut Bundesbank in 2012 von 409 auf 486 Mrd. Euro gestiegen, ganz wesentlich getrieben durch Einlagen von Kunden.

Offenbar lassen sich die Anleger angesichts des niedrigen Zinsniveaus nur allzu gerne weglocken. Die moderne Technik macht es zu einem Kinderspiel. Im Internet finden sich allenthalten Hinweise, wie man unkompliziert sein Geld in andere Länder transferieren kann, um von den dort teils sehr viel höheren Zinsen zu profitieren. Wer in einschlägige Finanzportale schaut, bekommt mit wenigen Klicks die Anbieter mit den besten Konditionen für Tages- oder Termingelder gezeigt. Unter den Top 20 sind auffallend viele Auslandsbanken.

Kommentare (6)

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Sparschwein

19.03.2013, 16:41 Uhr

Bei Zinsen von ca. 0 % noch von "Sparen" zu reden, soll wohl ein Witz sein. Völlig verständlich, wenn die Sparer den einheimischen Geldvernichtern den Rücken kehren. Sollte die Auslandsanlage platzen, bleibt immer noch Hartz 4. Warum sollen nur Griechen und Zyprioten die Hand aufhalten? Das können wir auch!

sobretta

19.03.2013, 17:03 Uhr

"So gaben in einer Umfrage von Besserverdienern knapp 85 Prozent der Befragten an, dass das entscheidende Kriterium für einen Wechsel zu einem Direktangebot hohe Zinsen seien. Knapp 50 Prozent der Befragten sind sogar bereit, auf jeglichen Einlagenschutz zu verzichten, wenn die neue Bank eine um bis zu 1,5 Prozentpunkte höhere Verzinsung bieten würde."

Was ist die Quelle für diese Aussage?

Palmer

19.03.2013, 18:49 Uhr

Ob ich das Geld überall in der Welt anlege oder es macht die Sparkasse an der Ecke, ist doch egal. Die Rendite wäre dann aber bei mir. DaS Risiko sowieso.

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