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17.04.2012

09:06 Uhr

Walter direkt

Nicht nur auf Europa konzentrieren

VonHerbert Walter

Bei aller Solidarität mit den Euro-Ländern dürfen wir die Entwicklungen auf den Weltmärkten nicht vernachlässigen. Der Industrienation Deutschland droht sonst ein herber Rückschlag.

Herbert Walter

Herbert Walter – Der Finanzlotse. Herbert Walter führte von 2003 bis 2009 die Dresdner Bank.

An Ideen, die Euro-Krise zu lösen, mangelt es wahrlich nicht. Jetzt hat das amerikanische Magazin „Time“ eine Variante aufgegriffen, die Wasser auf die Mühlen der Euro-Skeptiker  ist. Nicht die überschuldeten Euro-Staaten wie Griechenland oder Portugal sollten aus der Euro-Zone ausscheiden, sondern Deutschland, eventuell zusammen mit anderen Gläubigerstaaten.

Für die Schuldnerstaaten wäre das eine relativ elegante Lösung. Der sich mit tödlicher Sicherheit abwertende „weiche“ Euro würde die (reale) Schuldenlast drastisch dezimieren und die Wettbewerbsfähigkeit dieser Länder verbessern. Die Menschen in der verbliebenen Euro-Zone werden dadurch zwar ärmer, aber sie merken es nicht so schnell. Ein schwacher Außenwert des Euro ist im Portemonnaie nicht so unmittelbar zu spüren wie eine Lohnkürzung – das entsprechende Mittel zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit in einer Währungsunion.

Für Deutschland sieht das natürlich anders aus. Die Forderungen gegenüber Griechenland und Co. verlieren an Wert – einschließlich der rund 500 Milliarden Euro schweren sogenannten Target-Forderungen der Bundesbank gegen die Europäische Zentralbank. Glasklar ist, dass die neue Währung aufwerten wird, und damit die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands geschwächt wird. Aber das – so „Time“ lapidar – sei eben der saure Apfel, in den man beißen müsse und immer noch besser als ein Staatsbankrott der Schuldnerstaaten. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Wie auch immer man zum  Time-Vorschlag und zu allen anderen Ausstiegsmodellen stehen mag, ich ziehe daraus einen eigenen Schluss: Gleichgültig wie es in der Euro-Zone kommen wird, Griechenland und Co. werden für lange Zeit nicht dynamisch wachsen. Somit können sie auch für unsere Wirtschaft nicht zu den Wachstumsregionen zählen. Bei aller Solidarität mit den Euro-Ländern dürfen wir die Entwicklungen auf den Weltmärkten daher nicht vernachlässigen, wenn die Industrienation Deutschland nicht zurückfallen soll.

Diese Gefahr ist aber nicht von der Hand zu weisen, wenn wir nun für eine möglicherweise längere Zeit alle Kraft und Mittel darauf verwenden, den europäischen Schuldnerstaaten mit immer neuen Millardenhilfen und -garantien aus der Patsche zu helfen.

Kommentare (6)

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Account gelöscht!

17.04.2012, 09:18 Uhr

"So willkommen die chinesischen Unternehmen als starke Partner auch sind, die Weltmarktführer bei Betonpumpen heißen künftig weder Schwing, noch Putzmeister, sondern Sany und XCMG. Ich meine, so ganz egal sollte uns das nicht sein – und insbesondere nicht der deutschen Politik."

Aber die Eigner haben doch bestimmt einen guten Preis erzielt. Und nur das ist wichtig! geld regiert doch die Welt.

Und die Arbeit machen dann eben die Chinesen. ist doch überall so, und wird immer gutgeheissen.

Oder etwa nicht?

peking95

17.04.2012, 09:47 Uhr

Herr Dr. Walter,

die Firma Putzmeister sitzt in Aichtal, 20 km von Stuttgart entfernt und das ist m.W. nicht das Breisgau!

Sie kritisieren die deutschen Banken, warum haben Sie die Dresddner Bank in den Bankrott geführt?

Ein früherer Mitarbeiter der Dresdner Bank

Otto

17.04.2012, 15:38 Uhr

"Nicht nur auf Europa konzentrieren" hat genau den Punkt getroffen: wir neigen viel zu sehr unser Denken räumlich und zeitlich zu verengen. Gerade weil wir als Europäer auf unsere Geschichte der Aufklärung, der technischen und wirtschaftlichen Entwicklung, der Entwicklung von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, und des modernen Sozialstaates stolz sein können, sollten wir uns verpflichtet fühlen, diese Stand auch dennachfolgenden Generationen zu erhalten. Dies ist nicht leicht, junge Menchen nehmen solche Errungenschaften oft als selbstverständlich hin. Ein Blick in die Geschichte kann ebenso wie ein Blick nach Indien, China oder Afrika zeigen, dass es sich lohnt, unseren Weg selbstbewußt weiterzugehen.

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