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29.05.2012

09:16 Uhr

Walter direkt

Pandemie statt Paneuropa

VonHerbert Walter

Zwei Jahre nach Ausbruch der Schuldenkrise ist die Ansteckungsgefahr in der Euro-Zone höher als jemals zuvor. Steigt Griechenland aus dem Euro aus, droht Europa ein tiefer Fall.

Herbert Walter

Herbert Walter – Der Finanzlotse. Herbert Walter führte von 2003 bis 2009 die Dresdner Bank.

„Die Folgen eines Austritts der Griechen aus dem Euro liegen irgendwo zwischen einer Katastrophe und dem Weltuntergang,“ sagte kürzlich der Chef des Internationalen Bankenverbands (IIF), Charles Dallara.

Selten hat ein so hochrangiger Vertreter der Finanzbranche so freimütig und sarkastisch eingestanden, dass er keine Ahnung hat, was in einem solchen Fall passieren könnte. Beruhigend ist das nicht, vor allem, wenn man bedenkt, dass Politiker und Fachleute in den etablierten Industrieländern nun schon länger als zwei Jahre daran arbeiten, die Schuldenkrise in den Griff zu bekommen.

Natürlich hat Dallaras Äußerung sogleich Widerspruch in Form von Beschwichtigungsformeln gefunden, etwa vom Präsidenten des deutschen Bankenverbandes, Andreas Schmitz . Der meint, ein Austritt Griechenlands aus dem Euro sei an den Märkten weitgehend eingepreist, und von den deutschen Finanzhäusern verkraftbar.

Ich meine, es wäre für uns alle das Beste, wenn wir den Test, wer von den beiden nun richtig liegt, vermeiden könnten, denn der würde eher zu einer europäischen Pandemie als zu einem Paneuropa führen. Damit will ich sagen, dass wir uns alle Mühe – einschließlich der Griechen – geben sollten, Griechenland in der Euro-Zone zu halten.

Dafür gibt es überzeugende Gründe:

Erstens: Steigt Griechenland aus dem Euro aus, fällt das Land in eine abgrundtiefe Rezession, gegen die der derzeitige Schrumpfkurs  der griechischen Wirtschaft nur ein laues Lüftchen ist.

Zweitens: Der wichtigste Grund dafür sind Pleiten griechischer Banken, weil ihre Kunden ähnlich wie 2007 bei der britischen Bank Northern Rock die Schalter stürmen, um ihr Geld in Sicherheit zu bringen.

Drittens: Der Zusammenbruch des Finanzsystems schafft einen ohnmächtigen Staat, dem im wahrsten Sinne des Wortes Mittel und Wege fehlen, Staat und Wirtschaft funktionsfähig zu halten.

Kommentare (27)

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PRAWDA

29.05.2012, 09:22 Uhr

Kommentar eines Bankers. Mehr ist dazu nicht zu sagen...

dritteliga

29.05.2012, 09:53 Uhr

Kann Handelsblatt keine Kommentatoren akquirieren, die eine Reputation haben?! Nur diese total verbrannten Clowns wie Henkel, Clement etc...

Account gelöscht!

29.05.2012, 10:00 Uhr

Der schwache Kommentar klingt für mich sehr nach FUD (Fear, Uncertainty and Doubt).

Abgesehen vom grossen Bankensterben, welches eh stattfinden wird, ist doch Fakt, das der Euro die Ökonimien in den Südstaaten plattwalzt. Da helfen keine noch so grossen Hilfspakete oder Transferunionen. Der Euro gehört abgewickelt und die nationalen Währungen können wieder die Leistungsfähigkeit der Staaten wiederspiegeln.

Im übrigen ist die Vorsilbe Pan bei politischen Projekten ein Bringer von Zwist, Unheil und Krieg. Siehe: Pan-Yugoslawien, Pan-Serbien, Pan-Germanien.

Der Idee von Pan-Europa wird es nicht anders ergehen.

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