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03.01.2012

10:39 Uhr

Walter direkt

Rolle rückwärts

VonHerbert Walter

Um die hohen Staatsschulden zu reduzieren, wird die Politik bei den Finanzmärkten die Schraubzwinge ansetzen. Anleger sollten sich schon jetzt darauf einstellen.

Herbert Walter

Herbert Walter – Der Finanzlotse. Herbert Walter führte von 2003 bis 2009 die Dresdner Bank.

Beim Management der Schuldenkrise ging es der Politik bisher vorrangig um Zeitgewinn. Dieses Jahr wird sie eine Antwort finden müssen, auf welche Weise die überschuldeten Staaten – und das sind bei Leibe nicht nur die Eurostaaten - eigentlich ihre Schuldenlast senken wollen.

Theoretisch gibt es dafür fünf Alternativen. Zwei davon sollten wir – zumindest für die Eurozone – ausschließen. Aus historischer Perspektive betrachtet ist der Staatsbankrott zwar das meist genutzte Mittel, sich der lästigen Schulden zu entledigen. Doch das wäre gleichbedeutend mit dem Zusammenbruch der Eurozone. Keine ernsthafte Alternative ist auch die „sado-maso“ Variante des Staatsbankrotts, der Versuch, sich ausschließlich durch eisernes Sparen am eigenen Schopf aus dem Schuldensumpf zu ziehen. Dieses „Austeritätspolitik“ genannte Mittel war höchst selten erfolgreich und endete nach einer qualvollen Leidenszeit für die Menschen in aller Regel dann doch im Staatsbankrott.

Bleiben also noch drei Alternativen: Der für alle beste Weg wäre, wenn Schuldenstaaten aus ihrem Problem quasi herauswüchsen. Das würde bedeuten, dass es der Politik gelingt, die Konjunktur in den Euroländern nachhaltig zu beleben und zudem Haushaltsdisziplin zu bewahren. Dann wachsen die Schulden weniger als die Wirtschaft und über die Jahre werden die jetzt als erdrückend empfundenen Staatsschulden sich als beherrschbar erweisen.

Jedoch, dieser Weg ist vermutlich zu schön, um wahr zu sein und gelungen ist er bisher kaum. Für die Eurozone sind die Konjunkturaussichten auf absehbare Zeit eher wenig erfreulich. Insbesondere die überschuldeten Eurostaaten kämpfen mit einer schrumpfenden Wirtschaft, sodass die Eurozone für dieses Jahr bestenfalls mit einem kleinen Plus beim Wirtschaftswachstum rechnen kann. Ob das 2013 und in den Jahren danach spürbar besser wird, steht in den Sternen.

Der zweite Weg, den uns beispielsweise Amerikaner und Briten empfehlen, lautet, vor allem wir Deutsche sollten unsere panische Angst vor der Inflation abbauen und eine moderate Inflationspolitik der Europäischen Zentralbank akzeptieren. Was, so lautet die Argumentation der Befürworter, sei schon schlimm daran, wenn sich die Inflationsrate in der Eurozone über eine Reihe von Jahren zwischen drei und fünf Prozent jährlich bewege. Habe sich dann das Staatsschuldenproblem erledigt, könne man doch problemlos zur alten Stabilitätspolitik zurückkehren.

Kommentare (3)

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azaziel

03.01.2012, 11:37 Uhr

Eine kristallklare Uebersicht! Ich freue mich jetzt schon auf den Teil 2, der im letzten Satz angedeutet wird, naemlich, wie man jetzt schon die richtigen Schluesse daraus zieht. ;-)

Mary

03.01.2012, 18:43 Uhr

Koordination
"Notwendig sind jetzt Maßnahmen, die an den Wurzel der Probleme ansetzen"- sagte Herr Dr. Meyer. Die wurzel war und ist die REIHENFOLGE. Deutschland hat im Finanzministerium ca 1000 Beschäftigte im Wirtschaftsministerium ca 1200 Beschäftigte. Wo ist das neue Übernahmegesetz? Dass die ECB bis zur Sterilisierung fluten wird ist so sicher wie die italienische Bevölkerung ihre Nationalhymne kennen sollte.
" Die von anderen Finanzquellen abgeschnittenen banken holen sich von der ECB Zentralbankgeld un führen damit durch Nettoimporte von Gütern und Dienstleistungen und Kapitalexporte der Nichtbanken entstehende Zahlungen andas Ausland aus." Ein schöner Satz Hr. Walther-Mayer von der österreichischen Weide für einen hochkomplexen Vorgang der Zahlungsbilanzströme, oder nicht. Die Flexibilität auf den Märkten für Güter Dienstleistungen und Arbeit insbesondere in Italien, kann weniger einseitig gesteuert werden durch Dezentralisierung

Harald

04.01.2012, 10:58 Uhr

Danke für den sehr informativen Artikel Herr Walter. Welche Schlüsse sollte man als Bürger ziehen? Für eine Antwort wäre ich dankbar
H.Bäcker

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