Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

30.10.2012

12:04 Uhr

Walter direkt

Schlusslicht Deutschland

VonHerbert Walter

Seit Jahren leidet Deutschland unter einer massiven Investitionsschwäche von Staat und Wirtschaft. Das gefährdet unsere industrielle Basis und damit unseren Wohlstand.

Herbert Walter

Herbert Walter – Der Finanzlotse. Herbert Walter führte von 2003 bis 2009 die Dresdner Bank.

Es ist lange her, dass die SPD mal stolz auf Gerhard Schröders Reformen war. In seiner Regierungszeit wurden Steuern gesenkt, der Arbeitsmarkt in Maßen dereguliert und das Rentensystem darauf ausgerichtet, die demografische Entwicklung in Deutschland wenigstens halbwegs bewältigen zu können.

Seit seinem politischen Abgang im November 2005 bemühen sich die Genossen, das Rad  wieder zurückzudrehen. Die Rente mit 67 gehört abgeschafft,  der Arbeitsmarkt soll wieder stärker reguliert, Mitbestimmung und soziale Sicherheit sollen ausgeweitet werden. Die Umverteilung von oben nach unten soll durch höhere Einkommen-, Vermögen- und Erbschaftsteuern – vorzugsweise von begüterten Bundesbürgern – kräftig vorangetrieben werden.

Auch Unions-Politiker geben sich derzeit alle Mühe, mit Betreuungsgeld, Zuschussrente und sonstigen Geschenken für gute Stimmung beim Wahlvolk zu sorgen. Für den Staatshaushalt ist damit vorgezeichnet, welche Entwicklung er nehmen wird. Die Sozialausgaben werden weiter kräftig steigen und den Handlungsspielraum der Regierung noch mehr einengen.

Kaum einen Gedanken scheinen unsere Politiker darauf zu verwenden, dass es zu einem guten Teil Schröders Reformen zu verdanken ist, dass Deutschland bisher sehr viel besser durch die Krise gekommen ist als andere Länder. Im Gegenteil: Die Widerstandskraft Deutschlands in der Krise muss flugs als Beweis dafür herhalten, dass wir uns es jetzt erlauben können, einmal als notwendig und vernünftig erachtete Reformen wieder zurückzudrehen.

Genau das aber können wir uns nicht erlauben. Auch wenn es uns heute vergleichsweise gut geht, stehen wir doch vor gewaltigen langfristigen Herausforderungen. Aus meiner Sicht gibt es vier Schwachstellen, die die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands massiv bedrohen:

Erstens: Die deutsche Bevölkerung altert und schrumpft. Damit sinkt auch das Arbeitskräftepotenzial, mit zwangsläufig negativen Folgen für Nachfrage und Wachstum. Fällt uns dagegen keine Lösung ein, wächst sich das zu einer ernsten Bedrohung unseres Wohlstands aus.

Kommentare (7)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

30.10.2012, 12:33 Uhr

Lustig ^^ Mehr aber auch nicht.

Wir brauchen dringend eine Reform unseres Geldsystems - zu viele Mitesser verdienen daran ohne jegliche Arbeitsleistung. Geld mit Geld verdienen allein geht nicht.
Zudem brauchen wir grundlegende Reformen in unserem Steuersystem - so lange nur die Bürger das ganze System tragen, kann es nicht funktionieren. Vor allem wenn es auf Grund von Automatisierung immer weniger Arbeitsplätze gibt. Maschinelle Arbeitsplätze werden ja nicht besteuert.

Wir alle tragen Verantwortung wenn es um ein stabiles Deutschland mit Zukunft geht, nicht nur die Bürger und Unternehmer, sondern auch die Finanzwirtschaft und Industrie. Unser aktueller technische Stand ist eine Gemeinschaftsleistung der Generationen, jedoch profitieren heute nur wenige davon - das muss sich ändern wenn wir eine stabile Zukunft anstreben.

hpmalter

30.10.2012, 12:52 Uhr

Was macht der Staat mit all dem vielen Geld aus Steuern, Abgaben + den Einnahmen aus Liegenschaften, dieses Jahr ca 700 Milliarden €?? – Investieren? Nein: Gehälter u Pensionen des Öffentlichen Dienstes bezahlen u Zinsen bedienen. Und der Dumme Bürger denkt: wenn das Geld beim Staat ist sei es bei ihm- Von wegen!

Account gelöscht!

30.10.2012, 13:05 Uhr

Herr Walter,

"Das alles führt zu der betrüblichen Erkenntnis, dass Deutschland im Vergleich aller 34 OECD-Staaten mit einer gesamtwirtschaftlichen Netto-Investitionsquote von deutlich weniger als drei Prozent ganz am unteren Rand liegt."

Nun raten sie doch mal seit wann die Investitionsquote in Deutschland extrem schlecht ist?

Trommelwirbel ... seit der Einführung des Euros. Der Euro untergräbt unsere finanzielle, wirtschaftliche und politische Basis auf allen Ebenen.

Exporte in den Euroraum werden seit Jahren nur noch mit wertlosen Target2 Forderungen bezahlt. Der Mehrwert der Exporte für das Land ist nicht gegeben. Wir erwirtschaften kein Vermögen, welches im Land investiert werden könnte.

Ein Exportüberschuss bedeutet auch immer ein Komsumverzicht der Bürger. Den Deutschen werden durch gigantische Abgaben und Steuern die Früchte ihrer Arbeit vorenthalten.

Die Dividende einer stabilen im Aussenwert steigenden Währung wird ihnen auch vorenthalten.

Aber damit nicht genug, demnächst dürfen wir noch die Verschuldung der restlichen Euroländer finanzieren.

Es gibt kein anderes Land in der Welt, welches seine Bürger so dermaßen mies behandelt.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×