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16.04.2013

16:05 Uhr

Walter direkt

Schuldenländer brauchen mehr Selbsthilfe

VonHerbert Walter

Der Weg aus der Schuldenkrise ist in erster Linie eine nationale Aufgabe. Sie kann nicht durch Hilfen der EU ersetzt werden. Die aktuelle EZB-Studie über die Privatvermögen in der Euro-Zone ist der beste Beweis dafür.

Herbert Walter

Herbert Walter – Der Finanzlotse. Herbert Walter führte von 2003 bis 2009 die Dresdner Bank.

Wie hätte es anders sein können! Kaum hatte die Europäische Zentralbank (EZB) in der vergangenen Woche ihre Studie über die Privatvermögen und deren Verteilung in der Euro-Zone veröffentlicht, da rieben sich die Deutschen verwundert die Augen und in den anderen Ländern – vor allem in den Krisenstaaten – brach ein Proteststurm los. Der Grund ist eine Kernaussage des EZB-Berichts: In keinem anderen Land der Euro-Zone hat die untere Hälfte der Haushalte so wenig Privatvermögen wie in Deutschland.

Seitdem läuft ein merkwürdiger Wettbewerb. Mehr oder manchmal auch weniger kluge Köpfe rechnen Länder wie Griechenland, Zypern, Spanien und Italien mit allen möglichen Argumenten ärmer und Deutschland reicher.

Doch es hilft wohl alles nichts. Korrekturen hin oder her, die ärmere Hälfte der Deutschen steht mit ihrem Privatvermögen auf dem letzten Platz in der Euro-Zone.

Der Wert dieses Medians liegt in Deutschland bei 51.400 Euro, in Luxemburg ist er fast um das Achtfache höher, in Zypern gut das Vierfache und in Spanien und Italien rund das 3,5-fache. Die ärmere Hälfte der Griechen ist immerhin etwa doppelt so reich wie die der Deutschen und in Portugal liegt der Median fast um 50 Prozent über dem deutschen Wert.

Für mich gleichermaßen überraschend ist, dass in Krisenstaaten wie Spanien, Griechenland und Zypern die Steuereinnahmen im Verhältnis zur gesamten Wirtschaftsleistung deutlich niedriger sind als in Deutschland. Man kann daraus keinen anderen Schluss ziehen, als den, dass es in diesen Ländern noch ein beachtliches Potenzial zur Selbsthilfe geben muss.

Warum sollten europäische Steuerzahler für Hilfen an die überschuldeten Krisenstaaten haften, wenn die Vermögen in diesen Ländern weitgehend unangetastet bleiben? Das macht wirklich wenig Sinn und es überdehnt die Hilfsbereitschaft der Geberländer bei der Lösung der Schuldenkrise.

Für mich gibt es aber noch einen weiteren Grund, diese Länder aufzufordern, das Selbsthilfepotenzial besser auszunutzen. Alle Hilfen des europäischen Rettungsschirms laufen praktisch darauf hinaus, dass fällige Altschulden durch neue Kredite ersetzt werden. Im besten Fall stagniert dadurch die Gesamtverschuldung, tatsächlich wird sie weiter steigen. Das kann nie und nimmer ein erfolgversprechender Weg aus einer Schuldenkrise sein.

Kommentare (10)

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aktionaer

16.04.2013, 16:22 Uhr

tja die "schlauen" dDlce Vita Staaten sind eben kulturell wohl etwas erfahrener, als die Deutschen. Trotzdem bin ich sehr zuversichtlich, dass wir Deutschen dazu lernen.

Wir geloben Besserung und werden in Zukunft:

++ in Deutschland unsere Schulden machen
++ in Asien investieren


Dank dem Internet ist es inzwischen einfach, dass man sich zu Workshops anmeldet, wo man von Fachleuten zu Inbvest-Möglichkeiten in Asien informiert wird.

Oekonom

16.04.2013, 16:58 Uhr

ich glaube die Aussage, dass England seine Schulden allein durch Sparsamkeit und höhere Steuern / Abgaben meisterte ist etwas zu kurz gesprungen. Ein viel größerer Faktor dürfe die Inflation und negative reale Zinsen gewesen sein.

Mobius

16.04.2013, 17:25 Uhr

Was mich immer wieder überrascht ist, dass die niedrigere Steuerquote in den 'Krisenländern' erst jetzt diskutiert wird. Ist ja nicht so, dass die Information sooo neu ist.

Das Vorgehen des abgezockten Club Meds war es, den durch die Euroeinführung gewonnen zusätzlichen Verschuldungsspielraum in die eigene Tasche zu stecken und sich dann noch an deutschem Eigentum zu vergehen. Und es hat funktioniert und es funktioniert weiter:
o Nach wie vor ist Deutschland Nettobeitragszahler der EU. Warum? Warum Abzocke unterstützen?
o Die ca. 600 Mrd. EUR Kredite, die Deutschland über den Außenhandelsüberschuss erwirtschaftet hat und im Rahmen von Target 2 direkt wieder zurücküberweisen durfte, rentieren dank EZB mit 1% Zins - dh. wir legen jedes Jahr 0,7-1% drauf, da unterhalb der Inflation (5-7 Mrd. EUR, jedes Jahr). Von Risikoadjustierung ganz zu schweigen. Bei realistischen 4-5% reden wir hier von jährlicher Alimentierung in Höhe von 18-30 Mrd. EUR.
o Niedrige Zinsen für ESFS/ESM-Ausleihungen. Sorry, alles unter 5% ist einfach ein Witz...pure Umverteilung aus deutschen Taschen...kein klar denkender Investor würde es unter 5% für langjährige Investition in die Krisenländer tun.
o Deutscher Anteil an Anleihekäufen. Zu geringer Zinssatz im Vergleich zum Risiko. Nach meinen Infos (bitte um Korrektur falsch es nicht stimmt) habe unsere tollen Politiker, die nur mit deutschen Steuerschecks durch Europa touren, zugesichert mögliche Gewinne aus dem Programm an die Krisenländern zu verschenken.

In Summe reden wir hier von Transfers in Höhe von 50-80 Mrd. EUR jedes Jahr. Den Schuldenschnitt Griechenlands noch nichteinmal mitgerechet. Berücksichtigt man jetzt nach das Auslandsvermögen Deutschlands, samt zu niedriger Verzinsung, komme ich auf eine jährliche Alimentierung von deutlich über 100 Mrd. EUR. Und dann wundert man sich, warum man hier in Deutschland durch Arbeit auf keinen grünen Zweig kommt...mein Gott, LASSEN WIR UNS VERARSCHEN!

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