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02.07.2013

15:38 Uhr

Walter direkt

Schwundregion Europa

VonHerbert Walter

Mieses Wachstum, immer mehr Arbeitslose und eine zerbrechliche Bankbranche, Europa macht aus globaler Perspektive alles andere als eine gute Figur. Das müssen wir ändern, wenn wir die Krise überwinden wollen.

Herbert Walter

Herbert Walter – Der Finanzlotse. Herbert Walter führte von 2003 bis 2009 die Dresdner Bank.

Es scheint so, als habe sich die Euro-Zone aus der akuten Gefahrenzone vorerst heraus „gewurstelt“. Bei all dem hektischen politischen Trara um Rettungspakete, Konjunktursorgen oder Kaputtsparen haben wir aber vor lauter Aktualität die langfristigen Perspektiven Europas aus dem Blick verloren.

Die sehen alles andere als rosig aus. Ob wir es wahrhaben wollen oder nicht, Europa und insbesondere die Euro-Zone sind keine Wachstums-, sondern vielmehr Schwundregionen. Der Anteil Europas an der globalen Wirtschaftsleistung ist in den vergangenen zehn Jahren um mehr als ein Fünftel auf unter 19 Prozent gesunken. Es fehlen Millionen Arbeitsplätze, um vor allem jungen Menschen in den Krisenländern eine wirtschaftliche Perspektive bieten zu können. Nicht im Ansatz ist erkennbar, wie die europäischen Politiker auf diesen Abwärtstrend zu reagieren gedenken.

Der weltgrößte Fonds-Anbieter, Pimco, hat diese europäische Misere in einer aktuellen Studie sehr treffend zusammengefasst: Europas Bilanz sei von Abwärtsrisiken dominiert. Wachstum werde künstlich gefördert und von der Notenbank werde Finanzstabilität erkauft. Mit anderen Worten: Nichts ist eigentlich so, wie es sein sollte.

Daraus kann man nur eine Schlussfolgerung ziehen, Europa steht an einem Scheideweg. Machen wir weiter wie bisher, „retten“ wir uns höchstwahrscheinlich von einer Krise zur nächsten. Oder aber es gelingt uns in Europa, das System vom Kopf auf die Füße zu stellen. Wir müssen vom künstlichen Wachstum auf ein nachhaltiges, stabiles Wachstum umschalten, die sozialen und geopolitischen Risiken überwinden und die Dysfunktionalität der europäischen Politik beseitigen.

Wie auch immer die Politik diese Aufgabe angehen will, offensichtlich ist, was die europäische Finanzindustrie dazu beitragen könnte. So richtig der Satz ist, dass gesunde Banken einen wichtigen Beitrag zu einer wirtschaftlichen Erholung oder gar Runderneuerung liefern können, so richtig ist auch, dass die europäischen Banken weit entfernt davon sind, insgesamt als gesund bezeichnet werden zu können.

Eine Konsequenz der Angst vor einem Auseinanderbrechen der Euro-Zone ist, dass bei den Banken statt eines Aufbruchs nach Europa sogar eine starke Gegenbewegung in Richtung Heimatmarkt entstanden ist – im angelsächsischen Sprachgebrauch Re-Domestication genannt. Gemeint ist damit, dass sich die großen Banken geschäftlich zunehmend hinter ihre nationalen Grenzen zurückziehen.

Kommentare (9)

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Vicario

02.07.2013, 16:03 Uhr

Zitat : Wenn wir Europa und den Euro wirklich wollen, dann brauchen wir auch eine europäische Bankenszene mit einer gesunden Mischung aus lokalen, regionalen und europäischen Instituten.

- ein absolut dämliches Palaver ! Wir wollen kein Europa...wir haben es, wir leben in Europa, H. Walter !!!!

- Und wir wollen den Spaltpilz und Armutstreiber € nicht mehr....er hat versagt und muß wieder verschwinden !

Und wir benötigen auch keine "Europäische Banken", die uns noch mehr aussaugen. Wir haben viel zu viele Banken, die zerschlagen werden müßen und zum Dienstleister der Wirtschaft wieder ihre Aufgaben erfüllen !

Die Zeit der Spekulanten ist vorbei !

Selten so eine dämliche Polemik gelesen.......!

Account gelöscht!

02.07.2013, 16:56 Uhr

Also Herr Walter, so geht's nun wirklich nicht:

"Wenn wir Europa und den Euro wirklich wollen..."

Wer ist WIR? Wer will den Euro und Vereinigte Staaten von Europa Scheiß denn? Niemand außer den Banken und dem dahinter stehenden Bilderberg-Geldadel.

Das deutsche Volk wurde niemals gefragt ob es irgendwas von all dem wirklich will. Es wurde uns undemokratisch aufgezwungen. Und das nennt sich Demokratie.

In der Realität sind WIR ein lächerlicher Scheinstaat mit einer lächerlichen Scheindemokratie. WIR sind unfähig für unsere ureigenen Interessen einzutreten.

"..., dann brauchen wir auch eine europäische Bankenszene mit einer gesunden Mischung aus lokalen, regionalen und europäischen Instituten."

Was WIR als ERSTES brauchen sind ins Nirvana abgewickelte Zombiebanken wie die Deutsche Bank und die Commerzbank. DANN muss dieser Euro abgewickelt werden. DANN braucht ganz Europa einen Schuldenschnitt weil die Staatsschulden in ganz Europa nicht mehr tragbar sind. Nach diesem finanziellem Armageddon kann man vielleicht wieder über einen Wiederaufbau und Wachstum sprechen...

Mit der momentan herrschenden zentralen Planwirtschaft von EZB und EU wird es jedenfalls nichts. Das ist der Weg in die Knechtschaft um mit Hayek zu sprechen.

Lutz

02.07.2013, 17:11 Uhr

Ich kenne keinen der das will.

Größenwahn ist eher eine Sache von Politikern,

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