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20.08.2013

11:06 Uhr

Walter direkt

Sekt oder Selters?

VonHerbert Walter

Politiker jubeln über 0,3 Prozent Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal in der Euro-Zone. Ein wirklicher Grund ist das nicht. Dafür stehen noch zu viele ungelöste Aufgaben auf der politischen To-Do-Liste.

Herbert Walter

Herbert Walter – Der Finanzlotse. Herbert Walter führte von 2003 bis 2009 die Dresdner Bank.

Die Freude sei jedem gegönnt, es wäre allerdings besser, wenn wir uns nichts vormachen würden. Gemeint ist damit der allerseits aufbrausende Jubel darüber, dass die Wirtschaftsleistung in der Euro-Zone im Allgemeinen sowie in Deutschland  im Besonderen im zweiten Quartal gewachsen ist.

Ja, die 0,7 Prozent Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal in Deutschland sind der beste Wert seit mehr als einem Jahr. Ja, die Marke von 0,3 Prozent für die Euro-Zone ist erstmals nach sechs Minus-Quartalen positiv. Aber ist damit schon das Ende der längsten Rezession im geeinten Europa eingeleitet?

Darüber kann man kräftig spekulieren, aber nicht zu einer überzeugenden Antwort gelangen – einfach weil unser Blick in die Zukunft doch etwas getrübt ist. Man sollte diese Frage daher anders stellen: Haben wir in der Euro-Zone inzwischen die Voraussetzungen dafür geschaffen, um auf einen nachhaltigen Wachstumskurs gelangen zu können?

Zu einer Antwort können wir nur kommen, wenn wir vergleichen, was wir eigentlich zur Lösung der Krise tun wollten oder sollten und was wir tatsächlich gemacht oder erreicht haben. Das Stereotyp der europäischen Politiker „Wir machen Fortschritte“ ist dafür als Antwort allerdings nicht ausreichend.

Das geht schon damit los, dass bei der entscheidenden Krisenursache, den exorbitant gestiegenen Staatsschulden, noch keine echte Kehrtwende erreicht wurde. Im Gegenteil, die Schulden steigen weiter, in den Krisenstaaten und auch in Deutschland, das sich ebenfalls von den einstigen Maastrichter Schuldenquoten weit entfernt hat.

Es geht weiter mit den mit großem Getöse angekündigten Finanzreformen. Die europäische Bankenunion aus Bankenaufsicht, Einlagensicherung und den Regeln zur Sanierung und Abwicklung von Banken ist auf den Weg gebracht, aber sie ruht viel länger als geplant in einer Art Warteschleife, weil sich die Regierungen bislang nicht über wichtige Details verständigen konnten.

Kommentare (10)

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Account gelöscht!

20.08.2013, 11:44 Uhr

" Kein Land schafft es, auch nur die Ersatzinvestitionen zu finanzieren, um den Status quo bei der Infrastruktur wenigstens zu erhalten. "
Eine Folge fehlender Steuereinnahmen, bzw. starker Steuersenkungen!

TomXXX

20.08.2013, 12:17 Uhr

Ach so... der Berliner Flughafen ist nicht fertig, weil wir noch nicht genügend gezahlt haben... Jetzt verstehe ich das, das war das Problem!

Matthes

20.08.2013, 12:36 Uhr

Weder noch. Denn mit Deutschland gehts bergab. Immer schneller. Von Brüssel ausgenutzt und ausgenommen. Die Finanzwirtschaft schreibt inzwischen Deutschlands Zukunft ab und hofiert die derzeitigen Schuldenländer, denen es mit unserem Geld immer besser heht. Deutschland muss umsteuern und das geht nur mit der AfD.

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