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30.07.2013

13:18 Uhr

Walter direkt

Sicherheit mit Wenn und Aber

VonHerbert Walter

Im Zuge der geplanten europäischen Bankenunion wird die Sicherheit für Bankeinlagen deutlich komplizierter. Kluge Anleger berücksichtigen das schon jetzt bei ihren finanziellen Entscheidungen.

Herbert Walter

Herbert Walter – Der Finanzlotse. Herbert Walter führte von 2003 bis 2009 die Dresdner Bank.

„Die Spareinlagen sind sicher!“, sagte vor fast fünf Jahren Bundeskanzlerin Angela Merkel. Schlicht, einfach, basta! Ob man es will oder nicht, inzwischen sind die Welt im Allgemeinen und die Eurozone im Besonderen deutlich komplizierter geworden.

Ein wesentlicher Grund dafür sind die Anstrengungen der Politik, den Steuerzahler möglichst aus der Bankenrettung rauszuhalten. So etwas geht in Europa, etwa im Gegensatz zu den USA, nun mal nicht so einfach. Dazu sind die Interessenlagen bei den Gestaltern der europäischen Politik viel zu unterschiedlich.

Das zeigt sich jetzt ganz besonders an einem Vorhaben, das unter dem Stichwort europäische Bankenunion läuft, zu der auch die Finanzierung klammer Banken, die Abwicklung von Pleitebanken und die Sicherung von Bankeinlagen gehören.

Gerade Letzteres ist ein heikles Thema: Einlagen sind die mit Abstand wichtigste Finanzierungsquelle der Kreditinstitute. Allein in Europa haben sie ein Volumen von rund sieben Billionen Euro. Schrumpfen die Einlagen, könnten die betroffenen Institute das kaum ausgleichen, weder durch zusätzlich aufgenommenes Eigenkapital, noch durch thesaurierte Gewinne, noch durch andere Schuldtitel. Dann wäre es auch vorbei mit dem Wachstum in der Finanzindustrie und mit einer angemessenen Kreditversorgung der Wirtschaft.

In der Eurozone haben Bankeinlagen im Schnitt einen Anteil von knapp 60 Prozent an der Bilanzsumme. Sie sind für die Banken preisgünstig und eine scheinbar nie versiegende Quelle. In den Krisenjahren zwischen 2007 und 2011 sind sie in Deutschland sogar deutlich gestiegen.

Aber die Sicherheit der Bankeinlagen wird im Zuge der Bemühungen um die Schonung des Steuerzahlers deutlich komplizierter. Es wird eine Sicherheit mit Wenn und Aber. Bankeinlagen bis 100 000 Euro sind im Pleitefall einer Bank garantiert sicher. Das ist eine komfortable Regelung für die Masse der Sparer. Aber dann?

Kommentare (2)

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WirWarenMalDasVolk

30.07.2013, 21:14 Uhr

Dazu müsste man ja erst mal daran glauben, dass es a) in 2019 den € überhaupt noch gibt und b) sich im Ernstfall irgend ein Politiker an die Grenze von €100.000 hält.

Beides wenig wahrscheinlich...

azaziel

30.07.2013, 21:57 Uhr

Zitat: “… munter auf Zinsjagd gehen. Sie können bei gleicher Sicherheit ihr Geld in Portugal, Irland oder Zypern anlegen, halt immer dort, wo die höchsten Zinsen geboten werden.” Das alleine zeigt doch die Absurditaet solcher Mechanismen. Unterschiedliche Risiken werden per Dekret gleichgemacht, was notwendigerweise zu Fehlallokation fuehren muss.

Aber damit nicht genug. Was berechtigt eigentlich Frau Merkel zu sagen, Einlagen unter 100.000 Euro seien sicher? Wer zahlt den Ausfall? Gibt es dafuer rechtliche Grundlagen? Parlamentarische Beschluesse? Das Geld fuer deutsche Ausfaelle kommt aus einem deutschen Sicherungsfonds. Woher kommt das Geld fuer zyprische oder franzoesische oder sonstige Konten? Von der EZB? Oder dem ESM? Wer hindert einen Grossanleger daran, seine Einlagen auf zig verschiedene Banken zu verteilen? Das macht doch die Garantie dann noch absurder.

Die Bankenunion dient ganz anderen Zwecken. Die Bundesregierung durchschaut das nicht. Das Thema wird genauso dilettantisch behandelt, wie die Energiewende und alles andere auch. Gegen diese Stuemper sind die Schildbuerger Realpolitiker gewesen.

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