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17.01.2012

11:05 Uhr

Walter direkt

Sprengsatz Jugendarbeitslosigkeit

VonHerbert Walter

Viel zu viele junge Menschen sind in der Europäischen Union ohne Arbeit. Politik und Wirtschaft müssen das Problem lösen, sonst stellt sich die Systemfrage.

Herbert Walter

Herbert Walter – Der Finanzlotse. Herbert Walter führte von 2003 bis 2009 die Dresdner Bank.

Wer – insbesondere als ausländischer Beobachter - in den vergangenen Wochen oder Monaten durch den deutschen Medienwald gewandert ist, hat unweigerlich den Eindruck gewonnen, dass die Menschen in unserem Land ganz wesentlich von zwei Problemen malträtiert werden: einem Bundespräsidenten in Berlin und einem Bahnhof in Stuttgart.

Schön, wenn ein Land anscheinend nur solche Probleme hat. In anderen europäischen Staaten sieht das anders aus. Dort wenden sich die massenhaften Proteste der vorwiegend jungen Menschen gegen das gesellschaftliche System als Ganzes.  Der Kapitalismus oder der Finanzkapitalismus stehen dort am Pranger und mit ihnen die Politik der etablierten Parteien.

Und: Jeder, der will, kann monatlich nachlesen, wie berechtigt dieser Protest der jungen Menschen ist. Das allein beweisen die veröffentlichten Horrorzahlen über die Jugendarbeitslosigkeit in der Europäischen Union. Im November vorigen Jahres war in Spanien jeder zweite junge Mensch zwischen 15 und 25 Jahren arbeitslos. In Griechenland ist es ähnlich. In der Slowakei, in Litauen, Portugal und Italien liegen die Quoten über 30 Prozent und im Schnitt der 27 Staaten der Europäischen Union sind gut 22 Prozent ohne Arbeit, also mehr als jeder Fünfte.

Diese erschreckenden Zahlen finden vermutlich nur deshalb keine große Beachtung in den deutschen Medien, weil unser Land in diesen Statistiken zurzeit mit einer Jugendarbeitslosen-Quote von 8,1 Prozent besser als jedes andere EU-Land abschneidet.

Diese Zahlen sind eine Katastrophe ersten Ranges. Sie sind aus meiner Sicht der größte Sprengsatz für das gesellschaftliche System, in dem wir gegenwärtig leben. Wird dieses Problem in Europa nicht gelöst, werden die bisher auf einige Länder wie Griechenland, Spanien oder Großbritannien  beschränkten Proteste dort unweigerlich zunehmen und auch auf immer mehr Länder ausweiten.

Kommentare (8)

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Horst

17.01.2012, 12:16 Uhr

Gibt es einen Zusammenhang zwischen Jugendarbeitslosigkeit und Staatsverschuldung?

Mitbuerger

17.01.2012, 13:55 Uhr

Auch in Deutschland sieht es nicht gerade gut aus für junge Menschen, die nicht der Kategorie "high potential" zugeordnet werden.

Schauen Sie doch mal auf die Jobbörse der BA, wie viele Stellen es da gibt, die keine mehrjährige Berufserfahrung, einen "überdurchschnittlichen" Abschluss oder Spezialkenntnisse, die man eigentlich nur im Beruf erlernen kann, voraussetzen.

Mitbuerger

17.01.2012, 14:01 Uhr

Ja, ich sehe da einen Zusammenhang:
Durch die ständig wachsende öffentliche Verschuldung (beziehungsweise Umverteilung in die Hände weniger Großkapitalisten) muss den Arbeitern eines Landes zu Bedienung der Zinsen immer mehr abgepresst werden. Junge, unerfahrene, Arbeiter können diese Last oft und immer öfter nicht mehr stemmen und fliegen aus dem System raus beziehungsweise kommen gar nicht erst mehr rein.

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