Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

30.04.2013

13:21 Uhr

Walter direkt

Staat und Bank entflechten?

VonHerbert Walter

Die Krisen kommen in immer kürzeren Abständen. Deshalb müssen Banken sicherer werden. Mehr Eigenkapital hilft dabei sicher, es ist aber keine Patentlösung. Auch der Staat muss seinen Teil dazu beitragen.

Herbert Walter

Herbert Walter – Der Finanzlotse. Herbert Walter führte von 2003 bis 2009 die Dresdner Bank.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat es gerade wieder thematisiert: Die kompliziert, verschlungene Beziehung von Politik und Geldwirtschaft. Banken dürften Gesellschaft und Wirtschaft nicht „gleichsam als Geisel“ nehmen, die Politik müsse ihre Abhängigkeit von der Finanzindustrie verringern. Wichtigste Voraussetzung dafür sei, dass die Staaten weniger Schulden machten, sagte sie in einem Interview mit dem Handelsblatt.

So ähnlich könnte auch schon Karl V. über sein Verhältnis zu Jakob Fugger gesprochen haben, denn der Augsburger Bankier finanzierte im Jahr 1519 dessen Wahl zum spanischen König. Dafür durfte Fugger dann im weitgespannten Reich des Königs glänzende Geschäfte machen.

Genau genommen hat sich an dieser Symbiose bis heute nichts geändert. Das zeigt sich zum Beispiel ganz deutlich an den seit Jahrzehnten für die Banken geltenden aufsichtsrechtlichen Regeln, die Kredite an Staaten gegenüber Krediten an die Wirtschaft stark begünstigen.

Angela Merkel sagte das eher verklausuliert, indem sie den Banken vorwarf, lieber Staatsanleihen zu kaufen, als Kredite an die Wirtschaft zu vergeben. Aber woran liegt das wohl? Gleichgültig, wie gut oder schlecht es einem Land geht oder wie solide der Staat dort wirtschaftet, die inländischen Banken dürfen Schulden ihrer „Obrigkeit“ kaufen, ohne dafür auch nur einen Cent Eigenkapital aufwenden zu müssen.

Wenn dann noch eine ebenfalls staatliche Notenbank praktisch unbegrenzt Banken Geld fast zum Nulltarif leiht, ist das Rundum-sorglos-Geschäft nahezu perfekt. Das hilft insbesondere den europäischen Krisenstaaten und den dort sitzenden Banken aus der Patsche. Diese Banken bekommen so eine Nettomarge auf das Staatsfinanzierungsgeschäft, die sie bei einer Kreditvergabe an die Wirtschaft nur schwer erzielen können. Zugleich wird damit die weitere Finanzierung der Staatsschulden in diesen Ländern gesichert.

Ein Blick in die Statistik belegt das deutlich: Fast 1600 Milliarden Euro Staatsschulden „ihrer“ Regierungen hatten die Banken in den europäischen Krisenstaaten Ende vergangenen Jahres in den Büchern und hunderte Milliarden sind seit Ausbruch der Schuldenkrise hinzugekommen. Wäre es da nicht von beiden Seiten töricht, dieses Zusammenspiel zu beenden?

Kommentare (6)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

30.04.2013, 14:16 Uhr

Alles viel zu viel Theorie.
Es gibt ein recht einfaches Mittel Staat und Banken zu entflechten. Laßt die Bürger selbst ihre Steuerhöhe und Steuerausgaben bestimmen. Einfach nach der Vorgabe, nur was reinkommt, kann auch ausgegeben werden. Und wofür die Einnahmen ausgegeben werden, kann nach örtlichen, wirtschaftlichen und sozialen Belangen gestaltet werden, anstatt Spenden für eine freiwillige Feuerwehr einzusammeln z. B.
Schon ist da vieles "entflochten". Das fürchten die "Geldgeber" wie der Teufel das Weihwasser, das die Bürger selbst denken und ihren Vertretern einen entsprechenden "Tritt" geben, wenn diese das erarbeitete Geld zum Fenster, bzw. Banken, hinterher werfen, welche genau dieses Geld nicht dorthin zurück investieren, wo es entstanden ist. Das wäre doch mal eine Idee, das würde eine "Globalisierung" so gestalten wie die Menschen vor Ort, in jedem Land und auf jedem Kontinent es wollen. Und nicht wie eine weltweite Finanzkaste das wollte.
Da würden schon ein paar gute Beispiele genügen, und der Demokratie würde das Aufschwung verleihen.
Naja, nur mal so eine Idee. Ökonomen und "Geldgeber" werden da genug Gegenargumente liefern, sonst ist die Masse schlecht lenkbar. Das geht auf alle Fälle mal nicht.

Matze

30.04.2013, 17:36 Uhr

@ netshad..: ich denke es gibt viel zu wenig breite gesellschaftliche diskussion über grundlegendes - wirtschaftsmodel wie geldmonopol zurück zum staat oder vollegeld oder andere regulierung im reserve system usw. usf. einfache regel - früher habe de bürger immer viele gesetz gewollet, da so so sicherer vor de obrigkeit wurde. aber einfache regeln lasse sich konsequenter....
habe aber selbst den standpunkt: es muss ein neues gleichgewicht in unserem system gefunden werden, d.h. - konsequent gedacht - wie de banke di ita.. anno dazumale. aber nich auf jewig wie obige (nerved ja wohl die nulle ständig wegzunehme - könne euch die brasilianer ne lied von singe). deshalb reforme .gedet nich - > ökonimische gesetze wieder mit anjepasste optimale währungsraum.

jo, und für de linke lifestyledenke nochmal zur klaro: die soziale fraje is zure zeite nich hab ich ne paar mehr geld digits auf de gehaltszettel oder so, sondern wie die regeln in zukunft im weltwirtschaftsystem sind!!!!! drume geht es scho um die grosse sache - gerade.

schönen tanz in den mai!

azaziel

30.04.2013, 18:42 Uhr

Zwei ganz einfache Regeln wuerden staatlicher Ueberschuldung stark entgegen wirken:

1) Keine Staatsfinanzierung durch Zentralbanken, weder direkt noch indirekt.
2) Vollstaendige Glaeubigerhaftung

Man muss nicht einmal eine Kapitalunterlegung vorschreiben. Der Markt sollte dafuer sorgen, dass Banken mit zu duenner Kapitaluntelegung weniger guenstige Refinanzierungen erhalten. Sie sind riskanter fuer Einleger.

Bei vollstaendiger Glaeubigerhaftung sollte man erwarten, dass der Kreditfluss in Laender zum erliegen kommt, bei denen das Ausfallrisko staendig steigt. Vorraussetzung ist allerdings, dass die Aktionaere ihren Bankmanagern auf die Finger hauen koennen, wenn die sich ihre Boni selbst dedfinieren und das Vermoegen der Aktionaere in hochriskanten Anlagen verspielen, um ihre Boni zu erhoehen.

Marktwirtschaft funktioniert! Man muss sie nur lassen!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×