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18.06.2013

12:52 Uhr

Walter direkt

Unstillbarer Wissensdrang

VonHerbert Walter

Die Machenschaften des US-Geheimdienstes NSA zeigen die gigantischen Möglichkeiten der Ausforschung via Internet. Die Wirtschaft muss darauf mit transparenten Regeln für ihre Informationsrecherche reagieren.

Herbert Walter

Herbert Walter – Der Finanzlotse. Herbert Walter führte von 2003 bis 2009 die Dresdner Bank.

So neu und heftig die Aufregung um den Schnüffelskandal des US-Geheimdienstes NSA mit dem allumfassenden Überwachungsprogramm „Prism“ ist, so alt ist das Begehren von Staat und Wirtschaft, möglichst viele Informationen über Bürger oder Kunden zu sammeln und auszuwerten.

Das wirklich Neue an den Enthüllungen des früheren amerikanischen Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden sind das Ausmaß der Überwachung und die technischen Möglichkeiten dazu. Schätzungen gehen dahin, dass 2010 im Internet Informationen im Volumen von einer Trilliarde Bytes vorhanden waren, das ist eine Zahl mit 21 Nullen hinter der Eins. Für 2012 kalkulierte der amerikanische Marktforscher IDC das Volumen der global neu geschaffenen und genutzten Daten schon auf das Dreifache. Solche Mengen und ein so starkes Wachstum sprengen jede menschliche Vorstellungskraft.

Genauso gigantisch müssen dann auch die Programme sein, um aus dieser Datenflut sinnvolle Informationen herausfiltern zu können. Die NSA setzt dafür das Programm „Prism“ ein, die Wirtschaft holt sich bei der Softwareindustrie die entsprechenden Lösungen zur Analyse der Daten.

Gleichgültig, ob der Staat oder die Wirtschaft die elektronischen Daten ausforschen, die Stoßrichtung der Analyse ist in beiden Fällen nicht grundsätzlich verschieden. Der NSA geht es darum, Terroristen aufzuspüren, bevor sie einen Anschlag verüben, die Wirtschaft würde gern heute wissen, wer morgen ein Sofa, eine Versicherung oder eine Immobilie kauft.

Ich erinnere mich noch gut an den Vortrag eines Managers vor rund zwanzig Jahren: Der klagte über die aus seiner Sicht viel zu lückenhafte Auswertung der Kundendaten seines Unternehmens, wodurch ein erhebliches Geschäftspotenzial verschenkt würde. Seine Kritik gipfelte in dem schönen Satz: „Wenn Siemens wüsste, was Siemens alles weiß. . .“

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

18.06.2013, 14:24 Uhr

Der Aspekt der Ausspionierung der Bürger bleibt unbeachtet. Dabei spielt die Möglichlkeit, missliebige, nicht systemkonforme Zeitgenossen auszuschalten bei den USA-Spionageprogrammen sicherlich eine entscheidende Rolle.

In diesem Zusammenhang ist es schon bemerkenswert, mit welchem Zeitdruck Merkel im Auftrag der USA die Freihandelszone mit diesem Spionagemonster USA zum Schaden der Bürger der EU durchpeitschen will.

Dekro

24.06.2013, 19:50 Uhr

Auch Merkel macht nichts zufällig. Ihr Verhalten ist genau kalkuliert und auf mögliche Reaktionen abgestimmt. Die Tatsache, dass sie das Netz als „Neuland“ bezeichnete und damit eine Menge Häme und Spott abbekam, dürfte sie gelassen hinnehmen, denn damit konnte sie rechtfertigen, gegen „Feinde und Gegner der demokratischen Grundordnung“ vorzugehen. Und wenn es sein muss, darf sie dabei auch ein bisschen über die Stränge schlagen, schließlich „kann“ sie Internet noch nicht so gut.

Mazi

25.06.2013, 16:35 Uhr

"Seine Kritik gipfelte in dem schönen Satz: „Wenn Siemens wüsste, was Siemens alles weiß. . .“"

Und wenn er wüsste, was Siemens bzw. die dortige Spezialabteilung über ihn weiß, dann wäre es ihm auch anders zumut. Der Irrtum liegt also da, wo in Siemens schon besagte Spezialabteilung in München geschaffen wurde, bevor er besagten Vortrag hörte, er über einen anderen schmunzelte als er schon lange selbst Opfer war.

Um noch auch die Erklärung der Wertigkeit einer führenden Nummer zurückzukommen. Es ist immer so, dass der Wert einer führenden Nummer durch die nachfolgenden Nullen angegeben wird. Das ist in der Mathematik nicht anders als in der Betriebswirtschaft.

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