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24.07.2012

09:45 Uhr

Walter direkt

Vertrauen futsch, Hoffnung kaum

VonHerbert Walter

Eine weltweite Studie belegt einen gewaltigen Vertrauensverlust der Politik und deprimierende Erwartungen über die wirtschaftliche Entwicklung. Glücklicherweise kommt es meistens anders als gedacht.

Herbert Walter

Herbert Walter – Der Finanzlotse. Herbert Walter führte von 2003 bis 2009 die Dresdner Bank.

Man darf seriöse Meinungsumfragen gewiss nicht überschätzen, aber man sollte die Ergebnisse derselben auch nicht mit einem Achselzucken einfach zur Seite legen. Insbesondere wenn diese international angelegt sind, sind sie interessante Momentaufnahmen.

Genau die liefert jetzt eine weltweite Studie des angesehenen Pew Research Centers in Washington, in der im Frühjahr dieses Jahres 26.000 Menschen in 21 Staaten zu ihrer Meinung über die politische und wirtschaftliche Lage befragt wurden. Diese Umfrage macht das von dem Ölmagnaten Joseph Newton Pew gegründete Institut seit mehr als zehn Jahren.

Zwei Ergebnisse der insgesamt sehr umfangreichen Studie sind besonders interessant: Die außerordentlich negative Bewertung der wirtschaftlichen Perspektiven und die grausam schlechten Noten für die Politik.

Im Schnitt aller Länder meint nur jeder Vierte, dass in seinem Land die Dinge in die richtige Richtung laufen. Ganz ähnlich sieht das Urteil über die nationale wirtschaftliche Entwicklung aus. Da hat die Krise bei den Menschen also deutliche Spuren hinterlassen. Was auch deutlich wird: Je schlechter es einem Land nach Einschätzung der Befragten geht, desto größer ist die Kritik an der Politik, am Wirtschaftssystem und umso trüber werden die wirtschaftlichen Perspektiven gesehen.

Für 80 Prozent der Befragten sind die Politiker die Schurken im Spiel. Dann kommen die Banken und dann wir selbst. Alles in allem sagen 31 Prozent, dass die Bürger auch eine gewisse Mitschuld an den Ereignissen hätten – mit einer großen Ausnahme: Deutschland. Selbstkritik ist bei uns fehl am Platze, nur magere neun Prozent weisen den Bundesbürgern eine gewisse Mitschuld zu, so wenige wie in keinem anderen Land.

Vielleicht liegt das aber auch daran, dass die relativ gute wirtschaftliche Entwicklung kein Anlass für Klagen ist. 73 Prozent der Deutschen sind mit der wirtschaftlichen Entwicklung zufrieden, ebenso viele meinen sogar, dass diese in den nächsten zwölf Monaten stabil bleiben oder noch besser werden wird. Das ist vermutlich auch der Grund dafür, dass die Ergebnisse für Deutschland in dieser Umfrage eher mit denen in China, Brasilien und der Türkei vergleichbar sind, als mit denen in den anderen großen Industrieländern.

Kommentare (4)

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Ludwig500

24.07.2012, 10:15 Uhr

Noch ist die Krise in Deutschland nicht angekommen. Deutschland bekommt NOCH billig Kredit. Der Schuldenberg ist da, aber er tut nicht weh, ausser dass wir 40 Milliarden p.a. Zinsen zahlen. Wir exportieren fleissig und lassen uns mit Versprechen bezahlen. Aber schon sehr bald werden wir 80 Milliarden oder mehr abschreiben müssen. Und das ist nur der erste Streich, denn der nächste folgt sogleich...

Account gelöscht!

24.07.2012, 10:45 Uhr

" Sollten wir Bundesbürger von diesen Belastungen für die weitere wirtschaftliche Entwicklung noch nichts mitbekommen haben?"

Ich behaupte, das der Großteil der Deutschen davon tatsächlich noch nicht mit bekommen hat. Das zwangsbezahlte TV, ebenso wie das werbefinanzierte TV und der allergrößte Teil der Presse berichtet doch nur "politisch korrekt".

Fiskalpakt (endlich hört das Schuldenmachen auf) klingt für die breite Masse doch ausgesprochen seriös. Stabilisierungsmechanismus suggeriert: Jetzt wird alles gut.

Wer sich nicht in kritischen Foren, der Auslandspresse oder einigen wenigen deutschen Nichtmaistreammedien informiert, der weiß einfach nicht, was da vor sich geht.

Ein in einfachen Worten gefasster Beschlüsse und Risiken auf dem Titel der B-Zeitung und das Volk wäre auf der Straße!

Mazi

24.07.2012, 13:16 Uhr

Herr Walter sollte einmal das Thema:

"Zerstörung der Altersvorsorge durch die EZB"

auf die Hörner nehmen. Dann sieht jeder persönlich wie stark er von der Politik in Anspruch genommen wurde.

Oder vielleicht besser doch nicht.

Wenn das Thema sachlich gehändelt wird, gepaart mit den jährlichen Pensionserhöhungen der Politiker und Beamten, dann möchte ich kein Politiker sein.

Dann sind sie mit den Bankern dann "die Juden des Dritten Reiches".

Oder ist das Thema für Herrn Walter aufgrund seiner eigenen Vita vielleicht unpassend?

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