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07.08.2012

09:15 Uhr

Walter direkt

Was erlauben Weidmann!

VonHerbert Walter

EZB-Präsident Mario Draghi macht die Isolation des Bundesbank-Chefs Jens Weidmann im EZB-Direktorium öffentlich. Das hat es in dieser Form noch nie gegeben - und es ist ein gefährliches Signal.

Herbert Walter

Herbert Walter – Der Finanzlotse. Herbert Walter führte von 2003 bis 2009 die Dresdner Bank.

Eigentlich schade, dass italienische Notenbankpräsidenten nicht annähernd so temperamentvoll sind wie italienische Fußballtrainer. Dann nämlich hätte der Präsident der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, auf der Pressekonferenz am vergangenen Donnerstag nicht zurückgerudert, sondern wie weiland Giovanni Trappatoni bei Bayern München eine Wutrede gehalten: Was erlauben Weidmann!

Spaß beiseite: Auf besagter Pressekonferenz musste Draghi sein Ende Juli verkündetes vollmundiges Versprechen korrigieren, ohne wenn und aber alles zu tun, um den Euro zu retten. Das schließt natürlich ein, dass die EZB auch wieder Staatsanleihen der überschuldeten Krisenländer aufkauft. Konkret musste er einräumen: Die EZB werde gerade nicht bedingungslos den Euro retten, sondern sie verlange, dass zunächst einmal die staatlichen Rettungsschirme ihre eigenen Mittel einsetzten, um Turbulenzen an den Finanzmärkten und drastische Zinssteigerungen für Staatsanleihen von Problemländern zu vermeiden. Diese Hilfen gibt es aber nicht ohne harte Bedingungen für die Empfängerländer.

Natürlich war da die Enttäuschung an den Märkten groß. Die Aktienmärkte purzelten, der Kurs des Euros gab nach, die Renditen für spanische und italienische Staatsanleihen stiegen bedrohlich und alle schoben Draghi dafür die Schuld in die Schuhe. Diese Folgen waren absehbar und  der EZB-Präsident wusste das mit Sicherheit schon vor der Pressekonferenz. Wer hat das schon gern?

Doch statt eine Wutrede zu halten,  machte Draghi auf ganz andere Weise seinem Ärger Luft. Zum ersten Mal in der Geschichte der EZB ließ der Präsident vor den versammelten Journalisten durchblicken, dass nur ein Kollege nicht damit einverstanden gewesen sei, bedingungslos den Euro zu retten und ebenso bedingungslos Staatsanleihen der Krisenländer aufzukaufen – Jens Weidmann, der Präsident der Deutschen Bundesbank. Abstimmungsergebnisse des EZB-Direktoriums wurden bislang stets geheim gehalten. Was Draghi damit deutlich machen wollte, war klar. Weidmann, obgleich Repräsentant des größten Anteilseigners der EZB, sei im Direktorium dieser Institution isoliert.

Merkwürdig ist, dass der politisch durchaus versierte Notenbankchef nicht bedacht hat, dass er mit dieser Indiskretion nicht nur Weidmann, sondern auch sich selbst und dem gesamten EZB-Gremium geschadet hat.  Klarer kann man die Politisierung der EZB, die doch eigentlich eher nüchtern und sachlich geldpolitische Entscheidungen im Interesse der Preisniveaustabilität treffen sollte, nicht demonstrieren. Das Motto, wer nicht für meine Politik ist, ist gegen mich, kennt man bislang eher aus anderen Bereichen des öffentlichen Lebens.

Kommentare (30)

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wichtiger_Punkt

07.08.2012, 09:34 Uhr

Passiert es einmal, dann ist das etwas anderes als wenn jeder in Reihe genau dasselbe mitmacht. Somit liegt es nicht an Weidmann, Stark und Weber, sondern an den Arbeitsverhältnissen. Diese sollte man ändern, da man genauestens voraussagen kann, wie das Spiel weitergeht. Produktives Arbeiten ist etwas anderes als implizierter Psychoterror.
Guter Artikel zur Sache.

Otto

07.08.2012, 09:42 Uhr

Herr Weidmann weiter so. Draghi und Monti die Demokratiefeinde bitte zurücktreten. Es wird höchste Zeit, dass die Bundesregierung die EZB abmahnt und Klage androht. Leider ist der Klageweg für Privatpersonen ausgeschlossen worden. Wir dürfen nur für den Draghiunfug bezahlen. Was denken sich die Finnen, Holländer und Österreicher bei den Abstimmungen. Luxemburg mit Superjunker denkt sicher nichts.

Ben-Wa

07.08.2012, 09:45 Uhr

Ich finde nur schäbig, wie die Österreicher, die Finnen und die Niederländer im EZB-Rat abgestimmt haben.

Deutschland muss die Eurozone verlassen. Oder die Schulden der anderen größtenteils übernehmen und den deutschen Bürgern erklären, warum damit der deutsche Staatsbankrott ansteht. Die werden sich noch wundern.

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