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26.03.2013

13:59 Uhr

Walter direkt

Wenn der Schuh drückt

VonHerbert Walter

Die Zypern-Krise hat das Vertrauen in die Sicherheit der Spareinlagen erschüttert, Anleger haben Angst um ihr Geld. Wir brauchen eine europäische Lösung.

Herbert Walter

Herbert Walter – Der Finanzlotse. Herbert Walter führte von 2003 bis 2009 die Dresdner Bank.

Woran denken Deutsche beim Stichwort „Einlagensicherung“? Vor wenigen Tagen hat ein Fernsehsender dazu Menschen befragt. Die Antworten sind sicherlich nicht repräsentativ, aber einige dachten, es ginge darum, die Einlagen in ihren Schuhen zu sichern und sie rutschfest zu machen. Dabei dürfte vielen Anlegern der Schuh drücken, wenn sie an ihr Geld denken. Denn die Zypern-Krise zeigt Wirkung. Laut einer ZDF-Umfrage hat jeder zweite Deutsche inzwischen Angst um sein Erspartes.

Vielen Deutschen ist in diesen Tagen wohl bewusst geworden, dass ihre Bankeinlagen nicht in den Tresor wandern, sondern ein Kredit an die Bank sind, mit dem diese arbeitet. Das Geld ist damit auch Risiken unterworfen, je nach Lage der Bank. Und wohin das führen kann, zeigt ganz aktuell das Beispiel Zypern, wo der Staat nach den Einlagen der Bürger greift.

Dabei sind die Vorgaben der EU eindeutig: Einlagen bis 100.000 Euro sind bei europäischen Banken im Pleitenfall abzusichern. Damit soll verhindert werden, dass im Krisenfall Anleger in langen Schlangen die Banken belagern und ihr Geld abziehen. Bislang ist es jedem Land selbst überlassen, entsprechend der EU-Vorgaben Regelungen aufzustellen.

Banken und Sparkassen in Deutschland haben traditionell unterschiedliche Systeme der Einlagensicherung entwickelt. Die deutschen Privatbanken bedienen gemeinsam einen Fonds, aus dem Sparer entschädigt werden können. Sparkassen und Genossenschaftsbanken haben sich verpflichtet, sich innerhalb des jeweiligen Verbundes gegenseitig zu helfen.

Die Pläne für eine europäische Einlagensicherung kommen jedoch nicht so voran, wie sich das etwa der Internationale Währungsfonds (IWF) wünschen würde. Die entsprechende Richtlinie ist immer noch nicht finalisiert. Gerade Deutschland steht auf der Bremse und verhindert so bislang einen europäischen Sicherungstopf. Und das aus gutem Grund. Denn bis dato geht es in der Diskussion vornehmlich um Lösungen, die eine gesamtschuldnerische Haftung vorsehen.

Kommentare (11)

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Ondoron

26.03.2013, 14:16 Uhr

Ich empfehle den geneigten Lesern, sich genau darüber zu informieren, was eine "Bankenunion" bedeutet. Als Lektüre dazu empfehle ich, nach Prof. Bagus zu googlen und dessen Analyse - wenn man die Bankenunion denn schon vorantreiben will - widerlegt. Das wird aber niemanden gelingen.

Und hier der Link: http://www.mmnews.de/index.php/wirtschaft/12150-bankenunion-es-droht-der-deutsche-volksbankrott

Zur Erklärung noch: Prof. Bagus ist ein "Österreicher".

Account gelöscht!

26.03.2013, 14:27 Uhr

Und wieder einmal sagt uns ein Banker, was wir zu tun haben. Nein, Herr Walter, ich glaube Ihnen bzw. keinem aus Ihrer Branche nichts mehr und traue Ihnen auch nicht mehr über den Weg. Meine Ersparnissse werden jetzt peu a peu heruntergefahren. Zinsen gibt es keine mehr und von "Sicherheit" kann auch keiner mehr sprechen. Das Versprechen gilt nicht mehr. Insofern ist es völlig wurscht, ob ich es bei der Bank als "Versprechen" habe oder physisch bei mir im Safe.

Sparschwein

26.03.2013, 14:46 Uhr

Die bisherige Absicherung der Spareinlagen in Deutschland hat sich jahrzehntelang bestens bewährt und genießt ein hohes Vertrauen bei den Sparern. Es ist überhaupt nicht einzusehen, warum dieses erfolgreiche System durch eine gesamteuropäische Absicherung zu Lasten der deutschen Sparer verwässert werden soll. Man kann sich jetzt schon vorstellen, wie die Meldung einer Sparkassenpleite in Andalusien oder die Schieflage einer Genossenschaftsbank in Palermo die deutschen Sparer in Panik verfallen lässt. Dann muss wahrscheinlich Frau Merkel wöchentlich vor die Kamera treten und sagen: "Liebe gesamteuropäische Sparer, hiermit garantiere ich die Sicherheit aller Spareinlagen auf Sizilien, Sardinien und Helgoland ..."

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