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26.06.2012

12:11 Uhr

Walter direkt

Zähes Misstrauen

VonHerbert Walter

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) bringt es auf den Punkt: Auch fünf Jahre nach Ausbruch der globalen Finanz- und Schuldenkrise sind wir von einer Lösung weit entfernt.

Herbert Walter

Herbert Walter – Der Finanzlotse. Herbert Walter führte von 2003 bis 2009 die Dresdner Bank.

Jahresberichte von Unternehmen und Organisationen sind höchst selten eine wirklich aufregende Lektüre. Bei dem gerade eben von der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) veröffentlichten Bericht ist das anders. Dort wird nicht um den heißen Brei herum geredet: Seit nunmehr fünf Jahren versuche die Politik, die Erblasten der Finanzkrise zu bewältigen und die Weltwirtschaft aus einem Teufelskreis von unzureichenden Strukturreformen und  monetären sowie finanzpolitischen Risiken herauszuführen.

Trotz aller Anstrengungen und Billionensummen wurde laut BIZ bislang jedoch herzlich wenig erreicht. Die unausgewogene Entwicklung der Weltwirtschaft habe sich verstärkt und die Gefahren seien gewachsen, dass die Probleme der Krisenländer – schrumpfende Wirtschaft, steigende Arbeitslosigkeit und ausufernde Fiskalprobleme – auf andere Staaten übergriffen.

Die BIZ fordert die Politik, insbesondere die Aufsichtsorgane, aber auch die Banken dazu auf, mehr zu tun, damit das Vertrauen wieder zurückkehrt. Die wichtigsten Hebel sind dabei für sie höhere Eigenkapital- und Liquiditätspuffer, mehr Transparenz in den Bankbilanzen und Geschäftsmodelle, die auch ohne Geldspritzen von den Notenbanken tragfähig sind.

Das sind mit Sicherheit notwendige Voraussetzungen, um die krisengetriebenen Interventionen der Notenbanken irgendwann eindämmen zu können. Die Frage ist aber, ob das reicht – und das zielt auf eine Systemfrage.

In der globalen Bankenwelt ist es heute kaum anders als vor vier Jahren nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers. Die Geldleihe zwischen Banken  funktioniert immer noch nicht, viel zu viele Institute hängen in einem fast unverantwortlich hohen Maße am Liquiditäts-Tropf ihrer Notenbanken, weil sie keinen Zugang zu den Märkten finden und das gegenseitige Misstrauen ist nicht weniger geworden.

Ein bedeutender Grund dafür ist die Tatsache, dass Banken, anders als etwa Versicherungen, über das Interbankengeschäft untereinander viel stärker verbandelt sind. Das über lange Zeit unterschätzte Risiko dabei: Hat sich eine Bank vergaloppiert, sind auch andere Banken über die eingeräumten Geldhandelslinien davon betroffen.

Kommentare (4)

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overshoot

26.06.2012, 13:35 Uhr

"Hat sich eine Bank vergaloppiert, sind auch andere Banken über die eingeräumten Geldhandelslinien davon betroffen."

wenn es man NUR um irgendwelche gelghandelslinien etc. gehen würde..


"Und doch müssen Politik, Aufsicht und Banken alles dafür tun, dass das gegenwärtige Misstrauen der institutionellen Investoren und der Banken untereinander nicht dauerhaft zu einem zähen Begleiter des Geschäfts wird."

wie süß! das mit lehman realisierte und manifestierte momentum, dass "das system" ausser stande ist nochmals weitere 40 jahre die systemisch zwar notwendige aber vollkommen perverse geldschöpfüngsillusion der privaten "absichern" zu können, wird sicherlich kein "zäher begleiter des geschäfts" werden. es wird das "ende des geschäfts" werden!

das weiß der autor, das wissen "die märkte" und das wissen - bisher nur minderheiten - der naiv(st)en sparer. und das ist der einzige aufschub, der uns gewährt wird. nicht die zb-billionen..

Account gelöscht!

26.06.2012, 14:09 Uhr

da kann man einfach nur noch lachen, wenn die BIZ auf einmal Sorgen äussert. Man, die BIZ ist die Schaltzentrale, aller Derivate Monster, sie hat das alles zu verantworten, sie ist die Zentralbank der Zentralbanken, sie hat letzendlich die Eurokries eingefädelt, usw.

Verfoge den Weg des Geldes und du kommst zu den Drahtziehern, hello City of London7Basel bekommt ihr endlich kalte Füsse?

gerda.kraewinkel@gmx.de

27.06.2012, 11:07 Uhr

Ihren Beitrag im Handelsblatt finde ich OK. Vielleicht überlegen Sie einmal ob meine (nicht nur meine)
Gedanken und Vordstellungen entsprechend Pupliziert und möglichst der breiten Öffentlichkeit nahegebracht wird.

Ich frage mich,warum NIEMAND den MUMM aufbringt und Tacheles redet (schreibt)

Also für mich steht ausser zweifel,das Europa nur gesundet und zusammenfindet wenn endlich den Regionen und damit der Leistungsfähigkeit rechnunggetragen wird.
Wir brachen ein Europa der zwei Geschwindigkeiten und damit einen SÜD und Nord-Euro.Und es soll mir keiner erzählen das geht nicht.Geht nicht ,gibt es nicht.Es muss endlich
Klargestellt werden,das der Süden,meines erachtens nach inklusieve Frankreich einen SÜD-EURO erhält und der Rest wohl am besten den Euro jetziger Prägung behält.
Damit verbunden wäre eine ca.50% tige Abwewetung für die Südländer und damit wäre der Euro Süd geschaffen,als Europa und den Euro letztendlich vor die Hunde gehen zu lassen.
Klar werden die Südländer Rotz und Galle spucken,aber anders kommen diese Länder nicht auf die Beine.Klar das auch dann ohne klare Regeln den Ländern nicht zu helfen ist.DiE müssten sich mal endlich am
Riemen reissen und nicht von „ Grande Nation „ Fortsetzung folgt.

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