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25.10.2011

10:43 Uhr

Walter Direkt

Zeitenwende

VonHerbert Walter

Der Gordische Knoten aus Budgetdisziplin, Schuldenkonsolidierung und schlechten Wachstumsaussichten stellt alle Industrieländer vor gewaltige Herausforderungen.

Herbert Walter

Herbert Walter – Der Finanzlotse. Herbert Walter führte von 2003 bis 2009 die Dresdner Bank.

Wenn man denn eines erkennen kann in diesen turbulenten Zeiten, dann das: Sparen allein hilft auch nicht weiter. Die Griechen können sparen, so viel sie wollen, es würde nicht reichen, um die gigantische Schuldenlast nennenswert zu drücken. Aber dafür stürzt die Wirtschaft ab. Die Briten erfahren gerade, dass die harte Rosskur ihrer Regierung mit Sparmaßnahmen und Budgetkürzungen zwar die Kreditwürdigkeit des Landes bewahrte, aber die Konjunktur massiv abwürgt. Klar ist damit, beide Länder brauchen Wachstumsimpulse, die ihre Wirtschaft möglichst rasch wieder in Fahrt bringen.

Man könnte diese beiden Beispiele für Einzelfälle halten, sie sind es aber nicht. Alle Industriestaaten stehen vor einer Zeitenwende: Eine hohe Jugendarbeitslosigkeit und die älter werdenden Gesellschaften stellen die öffentlichen Haushalte vor gewaltige Schwierigkeiten. Zwangsläufig werden Gesundheits- und Rentenausgaben steigen, die aber von weniger Steuerzahlern für immer mehr Menschen  aufgebracht werden müssen. Das wird den jetzt schon an den Protesten der jungen Menschen erkennbaren Generationenkonflikt weiter anheizen.

Das mit Sicherheit größte Problem für die Politik ist aber, dass das gängige Instrument für eine Wachstumspolitik zur Sicherung unseres Wohlstands nicht mehr genutzt werden kann. Der Griff in den Schuldentopf zur Ankurbelung der Wirtschaft wird so wie bisher nicht länger möglich sein. Dafür sind die Schuldenlasten in allen Industriestaaten viel zu hoch. Auch die bequeme Lösung, einmal eingeführte Regeln wie etwa die 60- Prozent-Schuldenquote von Maastricht einfach außer Kraft zu setzen, wenn sie stören, wird nicht mehr lange funktionieren. Erstens, weil eben schon viele Regeln außer Kraft gesetzt sind, und zweitens, weil diese vermeintliche Lösung der Glaubwürdigkeit der Politik einen schweren Dämpfer verpasst hat. Egal, welche Untersuchungen man zu Rate zieht, das Vertrauen in die Politik hat in den vergangenen Jahren stark gelitten.

Besonders für die jüngeren Menschen ist das alles eine bedrückende Perspektive und vermutlich auch ein Grund für die aktuellen Proteste von Athen über Madrid bis nach New York. Wenn den Politikern in den Industriestaaten nichts dazu einfällt, wie sie den Gordischen Knoten aus Budgetdisziplin, Schuldenkonsolidierung und schlechten Wachstumsaussichten lösen wollen, werden sie die von ihnen regierten Gesellschaften vor eine harte Zerreißprobe stellen.

Herbert Walter, geboren 1953 in Prien am Chiemsee, führte von 2003 bis 2009 die Dresdner Bank. Seine Karriere startete er nach einem Studium der Betriebswirtschaftslehre in München bei der der Deutschen Bank.

Kommentare (1)

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ColeWilliams

29.10.2011, 01:23 Uhr

Jetzt ist aber gut. Der Artikel ist hat meine volle Zustimmung. Aber dafür, dass er auch nicht den Ansatz einer Lösung erkennen lässt war er jetzt lange genug online.

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