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22.01.2010

15:26 Uhr

Warren Buffett

Treffen auf halbem Wege

VonNicholas Paisner

Der legendäre Investor Warren Buffett ist der Meinung, Kraft zahle zu viel für Cadbury. Die britische Versicherung Legal & General hält den Preis für zu niedrig und die Boards beider Unternehmen sagen, der Deal sei genau richtig. Da Cadbury in Kraft aufgehen wird, wird ein abschließendes Urteil nicht einfach zu fällen sein. Aber die Geschichte großer Fusionen spricht für Buffett.

Kraft Foods und Cadbury mögen sich zwar darauf geeinigt haben, dass der britische Süßwarenhersteller von dem US-Nahrungsmittelkonzern übernommen wird. Aber die führenden Investoren beider Unternehmen liegen immer noch miteinander im Streit darüber, wie viel die akquirierte Gesellschaft wert ist.

Der größte Aktionär von Kraft, Investor Warren Buffett, kritisierte die Akquisition in einem Interview mit dem US-Fernsehsender CNBC scharf. "Ein schlechter Deal" sei das, schimpfte er. Der Weise aus Omaha hat zwar keine Gelegenheit mehr, gegen die Übernahme zu stimmen. Doch ist ihm sehr daran gelegen, dass sein Widerstand öffentlich zur Kenntnis genommen wird. Dagegen behauptet der britische Versicherer Legal & General, der Preis sei zu niedrig, der "langfristige Wert der Firma" werde nicht darin widergespiegelt.

Die meisten Aktionäre von Cadbury werden dem Beispiel der beiden Unternehmensboards folgen und den Abschluss unterstützen, der das Unternehmen mit dem 13fachen des Cadbury-Ergebnisses vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen für 2009 bewertet. Und nur wenige Kraft-Aktionäre scheinen sich darüber so zu echauffieren wie Buffett. Aber weder die weitgehende Akzeptanz des Vorhabens noch die Beschwerden sagen etwas darüber aus, ob der Deal tatsächlich gut ist.

Theoretisch wird die Wahrheit in ein paar Jahren ans Licht kommen. Aber wenn Cadbury erst einmal mit dem Kraft-Imperium verschmolzen wurde, wird es nicht mehr möglich sein, die Entwicklung seiner Vermögenswerte zu verfolgen - oder zu wissen, wie sich die Firma auf eigene Faust durchgeschlagen hätte. Aber die Hürde für Kraft ist hoch. Der Nahrungsmittelkonzern muss einen Aufschlag über 50 Prozent gegenüber dem Wert wieder hereinholen, den der Markt Cadbury zuvor beigemessen hatte. Ganz zu schweigen davon, dass die US-Firma genug erwirtschaften muss, um die hohen Gebühren und die unvermeidlichen Kosten für die Störungen abzudecken, die mit einem Kontrollwechsel einhergehen.

Manchmal ist es klar und eindeutig, dass eine große Fusion nicht funktioniert - man denke nur an den katastrophalen Zusammenschluss von Time Warner mit AOL im Jahr 2000. Kraft und Cadbury ähneln sich im Stil und bei den Geschäftsfeldern so sehr, dass ein Scheitern dieser Art nicht wahrscheinlich ist. Aber die meisten wissenschaftlichen Studien über Fusionen zeigen, dass im Wert vollständig ausgereizte Akquisitionen gewöhnlich keine Werte für die Aktionäre der erwerbenden Firma schaffen.

Wenn man dem Glauben schenken kann, dann könnte der Weise von Omaha wahrscheinlich eher Recht haben als die wackeren Abwehrspieler von Legal & General.

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