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13.12.2013

19:08 Uhr

Was vom Tage bleibt

Abkehr von der Finanz

VonStefan Menzel

Die ersten Ministerposten sind vergeben, Irland macht Hoffnung, aber Österreich ist nicht ganz sorgenfrei. General Motors hat keine Strategie und am Berliner Flughafen geht es in alter Manier weiter. Der Tagesrückblick.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Machtverzicht

Die ersten Namen für die neue Berliner Regierung tauchen auf, zumindest die Liste der künftigen sozialdemokratischen Kabinettsmitglieder dürfte jetzt fertig sein. Allzu große Überraschungen sind nicht dabei, die meisten Namen waren an den vergangenen Tagen schon das eine oder andere Mal durchgesickert. Interessant ist, dass SPD-Chef Sigmar Gabriel auf das Finanzministerium und damit auf das zweitwichtigste Amt im Kabinett verzichtet. Die gute Nachricht: Wolfgang Schäuble bleibt an der Spitze des Finanzressorts. Das sollte die Garantie für einen einigermaßen geordneten Haushalt sein.

Grüne Hoffnung

An die schlechten Nachrichten aus der Euro-Zone haben wir uns schon lange gewöhnt. Umso schöner ist es, wenn von der Peripherie des gemeinsamen Währungsraums endlich auch einmal positive Nachrichten zu hören sind. Mit Irland hat also jetzt tatsächlich das erste Euro-Land den gemeinsamen Rettungsschirm verlassen (können). Die kleine grüne Insel hatte vor allem unter einer gewaltigen Immobilienblase gelitten. Andere gefährdete Euro-Länder wie etwa Spanien haben dasselbe Problem mit den Immobilien. Irland könnte also nicht das einzige Land bleiben, das auf den Rettungsschirm verzichten kann. Der Anfang ist gemacht, der Wind dreht sich.

Alpen-Sorgen

In der Euro-Zone gibt es auch Staaten, die bislang niemand so recht im Blick hatte und die gemeinhin als wirtschaftlich gesund gelten. Österreich ist solch ein Land. Eigentlich ist dort alles in Ordnung, wenn es nicht die Banken gäbe. Die Skandalbank Hypo Alpe Adria könnte Österreich das Top-Rating kosten. Wenn die frühere BayernLB-Tochter Pleite geht, werden auf einen Schlag an die 15 Milliarden Euro fällig. Ein Betrag, den auch das reiche Österreich nicht mehr so einfach stemmen kann. Zudem sind die österreichischen Banken immer noch ziemlich flächendeckend in Osteuropa vertreten. Man mag sich gar nicht vorstellen, wenn noch einige osteuropäische Länder in große Schwierigkeiten geraten. Die Ukraine ist ein aktuelles und gefährliches Beispiel. Wenn alles ganz schlecht im Osten läuft, wäre vielleicht sogar Österreich auf finanzielle Unterstützung angewiesen.

Auf Wiedersehen

General Motors trennt sich von seiner Beteiligung am französischen Konkurrenten Peugeot-Citroen (PSA). Das ist eigentlich erst einmal eine völlig normale Unternehmensmeldung, Beteiligungen werden immer wieder einmal zurückgegeben. Bei General Motors häufen sich diese Fälle nur leider allzu gern. Alle Jahre wieder ändert die Konzernspitze im Detroit ihre Strategie. Wer erinnert sich noch an die Kooperation mit Fiat? Die mit viel Aufwand erst vor ein paar Jahren nach Europa gebrachte US-Marke Chevrolet wird jetzt wieder zurückgezogen. General Motors würde es wahrscheinlich helfen, wenn sich der Vorstand endlich einmal zu einer klaren Linie durchringen könnte.

Wahnsinn

Nun ist es also tatsächlich dazu gekommen: Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit wird wieder Aufsichtsratschef beim geplanten Berliner Großflughafen. Der Mann, der schon einmal an der Spitze des Kontrollgremiums stand und der deshalb die jahrelangen Verzögerungen samt zusätzlicher Milliardenkosten mit zu verantworten hat. Diese Nachricht macht mich einfach nur noch sprachlos. Wie kann es dazu kommen, dass Scheitern auch noch belohnt wird?

Ich wünsche Ihnen ein schönes Adventswochenende, hoffentlich besinnlich und ohne großen Ärger –Herzlichst Ihr

Stefan Menzel

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