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06.02.2012

17:45 Uhr

Was vom Tage bleibt

Abklingbecken für Ackermann

VonOliver Stock

Ein Tag der Köpfe: Sarkozy trifft Merkel, Börsenchef Francioni steht allein, und Axel Weber könnte bei der UBS die Expertise von Josef Ackermann eigentlich gut brauchen.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Guten Abend Ihnen allen,

Pleitemachen gilt nicht

Der beste Satz des Interviews, das Angela Merkel und Nicolas Sarkozy heute Abend gemeinsam gegeben haben, und bei dem sie jeglichen Anschein, Merkel betreibe Wahlkampf für Sarkozy peinlich vermieden haben - der beste Satz lautete so: „Wir“, sagte Sarkozy, „wir lehnen eine Pleite Griechenlands ab.“ Klare Worte. Ich lehne übrigens auch eine Pleite von Schlecker ab, würde ich hinzufügen. Eine Pleite von Opel würde ich auch jederzeit ablehnen und damals - ich erinnere mich noch genau - habe ich die Pleite Argentiniens auch strikt abgelehnt. Und dennoch ist es so gekommen. Das liegt meistens daran, dass Pleitekandidaten selbst am meisten dafür tun können, dass aus ihnen am Ende nicht tatsächlich Pleitiers werden. Merkel hat diesen Mechanismus eher verinnerlicht als ihr französischer Freund. Sie sagte heute das, was sie immer sagt: Nun seien die griechischen Parteien in der Pflicht. Die EU-Geldgeber warteten darauf, dass die Parteivorsitzenden und die Regierung in Athen die notwendigen Maßnahmen auch umsetzten. Die beiden sind eben ein eingespieltes Ehepaar. Sarkozy lenkt, Merkel denkt.

Raues Klima

Da war die Kanzlerin noch letzte Woche in China und hätte doch an sich alles klar machen können. Und nun das: China boykottiert die europäische Klimaschutzabgabe für seine Fluggesellschaften. Auf Anweisung der Regierung in Peking untersagte die Luftfahrtbehörde den chinesischen Airlines, die neuen Gebühren zu zahlen. Mit der Weigerung bricht der lange schwelende Streit um die Einbindung des Luftverkehrs in den Emissionshandel nur eine Woche vor dem nächsten Treffen, dem EU-China-Gipfel in Peking, offen aus. Beide Seiten mobilisieren jetzt die Juristen - womit das Klima im Besonderen und im Allgemeinen wieder rauer wird.

Weiterwurschteln verboten

Die Chef der Deutschen Börse Reto Francioni will nach der geplatzten Fusion mit der New Yorker Börse Nyse Euronext um sein Amt kämpfen, meldete heute eine Agentur. Nach Kritik von Aufsichtsrat Johannes Witt und der Deutschen-Bank-Fondstochter DWS machte Francioni deutlich, dass er sich bei den Fusionsbemühungen aus seiner Sicht nichts vorzuwerfen habe. „Das Projekt war richtig, und seine Logik ist unverändert“, wiederholte er. Die wahre Nachricht bei denen, die um etwas kämpfen, ist aber immer, dass sie Angst haben, etwas zu verlieren. Dass es soweit gekommen ist, liegt daran, dass Francioni auf das Scheitern der Fusion ungenügend vorbereitet war. Er hat zu lange seinen Plan als den einzig Seeligmachenden dargestellt, und er hat nicht rechtzeitig ein neues Ziel vorgegeben, auf dass er Aktionäre, Mitarbeiter und Kunden einschwören könnte. Einfach weiterwurschteln ist aber in der Tat zu wenig.

Weber baut auf Ackermann

Die UBS legt morgen ihre Zahlen vor. Niemand erwartet ein Glanzergebnis, aber jeder wartet auf die neuen Gesichter an der Spitze. Neben dem CEO Sergio Ermotti hat auch Axel Weber, der ehemalige deutsche Bundesbankpräsident, seine Arbeit schon aufgenommen. Er steht demnächst an der Spitze des Verwaltungsrats und muss zeigen, dass er nicht nur Banken regulieren kann, sondern auch weiß, wie Banken unter verschärfter Aufsicht profitabel zu führen sind. Zum Glück hat Weber einen Berater, der ihm freundschaftlich verbunden ist. Der heißt Josef Ackermann. Am liebsten würde Weber den Freund und Berater, der bald die Deutsche Bank verlässt, vermutlich sofort in den UBS-Verwaltungsrat holen. Aber er muss warten und noch eine Schamfrist verstreichen lassen. Abklingphase heißt diese Auszeit, die aus der Sprache jener Atomphysiker stammt, die es gewohnt sind, mit Gefahrgütern zu hantieren.

Klingen Sie heute Abend bitte gut ab

Oliver Stock

Kommentare (4)

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bel_ami

06.02.2012, 18:17 Uhr

Ackermann war und ist nicht Plutinoid: sonst hätte er den Job garnicht erlangen können.
Und es war ja auch nicht dieser Mann, seine Person, also er selbst.

Friedrich Krupp hatte Joachim Fest seinerzeit gestanden: Wir konnten ja alle nichts dafür und wir hatten versucht was wir konnten das zu verhindern: wir hatten (unstatthafte Einschiebung: "sogar") Juden gerettet.

Davon geht die Welt nicht unter.

einfacher_dummkopf

06.02.2012, 20:08 Uhr

Und es bleibt die Atombome, die die über Menschen das sagen hat:
Mit Urankernmunition ("panzerknackenden Waffen") auf Hirtenvölker losgehen.
Das ist wahrhaft menschlich.
Kommt: lasset uns anbeten.

btw

06.02.2012, 20:47 Uhr

mehr zur Freiheit: fas.org

und das ist nicht abgeschrieben.

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