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27.04.2015

18:57 Uhr

Was vom Tage bleibt

Abstimmung mit den Füßen

VonStefan Menzel

Die VW-Aktie ist nach dem Piëch-Rücktritt der Gewinner, die Deutsche Bank speckt ab. Sanktionen gegen Russland werden nicht gelockert, der griechische Finanzminister ist isoliert und BP bleibt britisch. Der Rückblick.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Keine Freunde von Piëch

Viel eindeutiger kann die Stimmungslage unter den Aktionären nicht sein. Die Volkswagen-Aktie hat am Montag mehr als fünf Prozent zugelegt und ist damit der unumstrittene Tagessieger im Dax. Die VW-Aktionäre haben damit ziemlich klar zum Ausdruck gebracht, was sie vom Rücktritt von Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch halten – sehr viel. Offensichtlich herrscht an den Finanzmärkten die Meinung vor, dass der Konzernpatriarch das Unternehmen tendenziell eher blockiert hat. Vielleicht hätte er doch schon etwas früher von seiner Macht abgeben sollen.

Ein Anfang

Der große Befreiungsschlag ist es nicht, den die Deutsche Bank jetzt vorgelegt hat. Deutschlands größtes Geldhaus schrumpft ein wenig, der Verkauf der Postbank macht das Unternehmen ein bisschen kleiner. Aber immerhin: Es ist ein erster Schritt und besser als gar nichts. Der Rückzug von der Postbank setzt Kapital frei, das dem an vielen Fronten kämpfenden Konzern den Rücken stärken wird. Rosige Zeiten werden damit in Frankfurt nicht anbrechen. Es muss noch eine ganze Menge mehr passieren, damit die Deutsche Bank auch dauerhaft aus der Krise herauskommt.

Druck muss bleiben

Die EU wird die Sanktionen gegen Russland auf absehbare Zeit nicht aufheben. Bundeskanzlerin Angela Merkel hat am Montag klargemacht, dass Moskau nicht mit einer Lockerung rechnen kann. Eine richtige Entscheidung, solange der Konflikt in der Ukraine nicht wirklich gelöst ist. Im Donbass sterben unverändert Soldaten, Russland dürfte die Rebellen in den vergangenen Wochen noch einmal zusätzlich unterstützt haben. Es besteht immer noch die Gefahr, dass die militärischen Auseinandersetzungen eskalieren und zum ganz großen Konflikt werden. Der Druck auf Moskau ist deshalb unverzichtbar.

Schadensbegrenzung

Athen lässt sich noch nicht zu 100 Prozent in die Karten sehen. Aber es ist nur allzu offensichtlich, dass Ministerpräsident Alexis Tsipras auf Distanz zu seinem Finanzminister gegangen ist. Aus Rücksichtnahme auf die eigene Partei kann er Yanis Varoufakis zwar nicht sofort entlassen. Aber es gibt noch andere Möglichkeiten, den umstrittenen Finanzminister ein Stück weit zu entmachten. Wie es Tsipras jetzt vormacht – mit einem Aufpasser für Varoufakis. Damit kann der Schaden, den der Finanzminister vor allem auf europäischer Ebene angerichtet hat, nicht noch größer werden.

Falsche Wunderknaben

Die Briten geben sich immer wieder gern als die wahren Gralshüter der Marktwirtschaft. Die Kontinentaleuropäer – besonders Deutsche und Franzosen – bekommen immer wieder ihr Fett weg, wenn sie gegen die Regeln des freien Wettbewerbs verstoßen. Doch, oh Wunder, ganz so konsequent sind auch unsere lieben Briten nicht. Die Gefahr ist größer geworden, dass die nationale Ölikone BP ins Ausland verkauft werden könnte. Die Regierung in London will einen solchen Verkauf mit allen Mitteln verhindern. Zur Not setzen die Briten dann eben auch die Marktwirtschaft außer Kraft.

Hoffentlich hatten Sie einen guten Wochenstart – es grüßt Sie herzlich

Stefan Menzel

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