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19.03.2012

17:44 Uhr

Was vom Tage bleibt

Abteilung Attacke auf dem Vormarsch

VonFlorian Kolf

Angriff ist die beste Verteidigung, sagt sich nicht nur die deutsche Rüstungsindustrie. Auch EU-Kommissar Barnier, Noch-Ministerpräsidentin Kraft und der Paketdienst UPS geben sich kämpferisch. Der Tagesrückblick

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Wunderschönen guten Abend,

Ein todsicheres Geschäft

Nicht nur der syrische Diktator hat sich rechtzeitig mit todbringenden Werkzeugen eingedeckt: Weltweit hat der Waffenhandel in den vergangenen fünf Jahren zugelegt, wie das schwedische Forschungsinstitut Sipri ausgerechnet hat. Davon profitiert Deutschland besonders stark: Deutsche Panzer, U-Boote und elektronische Sicherheitssysteme haben sich zu Exportschlagern entwickelt. Wie sagen da die Börsianer so zynisch: "Kaufen, wenn die Kanonen donnern." Bis zur Friedensdividende ist es wohl immer noch weit.

Angriff auf das Monopol

Eine Attacke ganz anderer Art droht der Deutschen Post. Der US-Konzern UPS kauft den niederländischen Post-Rivalen TNT Express und greift damit im europäischen Markt an. Es ist ein Deal im Wert von über fünf Milliarden Euro. Die Branche dürfte das verändern. Wie sehr der Ex-Monopolist Deutsche Post bereits zittert, zeigt, dass er sofort ein Eingreifen der EU-Kommission fordert.

Aufräumen im Schattenreich

Kämpferisch zeigt sich auch der EU-Kommissare Michel Barnier. Er will im Schattenreich der Finanzindustrie aufräumen. Die sogenannten Schattenbanken, wie etwa Hedge-Fonds, Private-Equity-Firmen, aber auch Zweckgesellschaften, mit denen Banken Risikogeschäfte aus ihrer Bilanz auslagern, sind ihm unheimlich. 46 Billionen Euro setzen sie mittlerweile um, entziehen sich aber zugleich jeder Regulierung. Barniers Vorstoß ist mehr als nachvollziehbar. Schließlich ist nicht einzusehen, dass sich die Finanzinstitute durch Auslagerung ihrer Aktivitäten jeglicher Kontrolle entziehen können. Das Schicksal der Skandalbanken HRE oder IKB sollten da Mahnung genug sein.

Kampfansage in Düsseldorf

Die Gelegenheit ließ sich die Noch-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft nicht entgehen: Ihr Herausforderer Norbert Röttgen hat sich durch sein Beharren auf eine Rückfahrkarte in sein Berliner Ministeramt bereits viele Sympathien verscherzt und die Chancen seiner CDU, die Macht in Nordrhein-Westfalen zu übernehmen, gemindert. Nun haut Kraft noch mal ordentlich drauf und bescheinigt Bundesumweltminister Röttgen Versagen im Amt. Im übrigen, so Kraft, sei es ihr völlig egal wer gegen sie antritt. Und wo sagt sie das? Bei einer Pressekonferenz in Berlin. Keine Frage: Kraft weiß, wie Attacke geht. Und Röttgen weiß jetzt, wer die Hosen anhat.

Reduzierte Kriegskasse

Mit Spannung haben Anleger und Konkurrenten auch darauf gewartet, was Apple mit seiner unglaublichen Kriegskasse von rund 100 Milliarden Dollar. Nun verkündete der Technologieriese eine eher defensive Maßnahme: Er schüttet eine Dividende aus. Doch die Wettbewerber sollten nicht zu früh aufatmen: Bei einer Ausschüttung von 2,65 Dollar pro Aktie und Quartal ist noch genug Reserve übrig, um mit gezielten Zukäufen den Markt in Schach zu halten.

Was fehlt? In Köln ist ein Stück vom Dom abgebrochen und einem Bettler auf den Kopf gefallen und hat ihn leicht verletzt. Es gilt eben nicht immer der Satz von Schiller: "Alles Gute kommt von oben". Dabei kann die katholische Kirche noch froh sein, dass wir nicht in den USA sind. Dort würde ihr nun wohl eine Millionenklage drohen.

Ich wünsche Ihnen einen friedlichen Feierabend,

Florian Kolf

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Kommentare (1)

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mit_gruessen

19.03.2012, 17:53 Uhr

Als Unwort des Jahres schlage ich daher vor: Finanzindustrie: weil es zwar bezeichnet, wie sie wirkt, sie indes wirkliche Produktivität (principia mathematica) nicht hervorzubringen vermag: ich vergaß: stets nach den Kriegen die sie angezettelt hatte.
Sowas nennt man derzeit in Finanzkreisen, auf weichem Flausch abgefedert und blutdurchtränkt: Produktivität.

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