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13.11.2012

18:41 Uhr

Was vom Tage bleibt

Abtritt eines Schöpfers

VonOliver Stock

Microsoft hat keinen Windows-Chef mehr. Die EU hat keinen Haushalt. Die Frankfurter Rundschau hat dafür einen neuen Chef: den Insolvenzverwalter. Und schließlich: Ein Steueroptimierer räsoniert über den guten Ton.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

In ureigenster Sache

Wir sind ein gutes Paar: Sie und Handelsblatt Online meine ich. Ich komme darauf, weil es in anderen Beziehungen nicht so harmonisch funktioniert. Zwischen der Frankfurter Rundschau und ihren Lesern beispielsweise. Die Rundschau hat heute Insolvenz angemeldet, weil Leser und Anzeigenkunden ausgeblieben sind. Das Stadtmagazin "Prinz" beweint ebenfalls seine letzte Papierausgabe. Die Presseagentur dapd wird bereits von einem Insolvenzverwalter geführt und auch die Financial Times Deutschland ist unterm Kostengesichtspunkt eine Liebhaberei. Bei diesen Paaren ist die Liebe offenbar erkaltet, was dann schnell zum vorzeitigen Hinscheiden eines Partners führt. Mit Ihnen und uns dagegen kann das von mir aus so weiter gehen. Das heißt übrigens nicht, dass wir uns nicht übereinander aufregen. Das wäre ja zum Sterben langweilig und es drohte ein Schicksal wie: siehe oben.

Haushalt adè

Hier ist eine Meldung, die ist den meisten völlig egal: Der Haushalt der EU ist vom Parlament nicht genehmigt worden. Das ist an sich eine gute Nachricht, weil den EU-Haushalt, der vor allem von unserem Steuergeld gefüttert wird, niemand nachvollziehen kann. Ich glaube nur: Am Ende wird er doch genehmigt und ich verstehe ihn immer noch nicht. Wir leiden unter einem Mangel an Demokratie in der EU. Es klemmt beim direkten Einfluss. Es gibt keine Leitwölfe in Brüssel. Diese Union ist so fern von ihren Bürgern, dass sie es denen fast völlig gleichgültig ist, ob sie einen Haushalt beschließt oder nicht. So gesehen ist es doch eine interessante Meldung.

Der gute Ton

Albert Eickhoff sagt, was viele Deutsche denken: "Es gehörte einst zum guten Ton, sein Geld im Ausland anzulegen." Eickhoff ist ein Modezar und seit kurzem einer mit einem Steuerproblem. Der gute Ton ist ihm zum Verhängnis geworden. Er gehört zu denen, bei denen die Staatsanwaltschaft eine Razzia veranlasst hat, weil sie vermutet, dass er Schwarzgeld in der Schweiz bunkert. Richtig wäre: Es gehört zum guten Ton sein Geld im Inland anzulegen. Und das würde jeder auch laut sagen, wenn nicht alle Jahre wieder, Spitzensteuersatz, Vermögensabgabe, Erbschaftssteuer die Themen wären, bei denen zuverlässig etwas geändert wird.

Abtritt eines Schöpfers

Es gibt in der Wirtschaft solche, die verdienen das Wort Schöpfer. So einer ist Steven Sinofsky. Er hat zwar nicht das Betriebssystem dieses Planeten, aber immerhin das neueste von Microsoft entwickelt. Kurz nach dem Start desselben geht er jetzt. Zwei Erklärungen lassen sich vermuten: Apple hat ihn abgeworben, weil Windows 8 wirklich gut ist. Oder: Windows 8 ist wirklich schlecht, was außer Sinofsky aber sonst noch niemand weiß. Im Namen aller Micorsoft-Nutzer hoffen wir auf Variante eins.

Schlag nach bei Shakespeare

Die Kinder der sexuellen Revolution von 1968 sind Puritaner geworden. Sie zerreißen sich so laut den Mund darüber, dass der Irak-General und CIA-Chef David Petraeus eine Affäre mit seiner Biographin hatte, dass der zurücktritt. Dabei wäre Petreaeus ein Feldherr nach Shakespeare' schem Geschmack gewesen. Der Dichter schwärmt geradezu von Heinrich VIII. und seinen sechs Frauen. Früher war alles besser.

Schauen sie doch mal in Ihren Shakespeare heute Abend

Ihr

Oliver Stock

Kommentare (7)

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Justus

13.11.2012, 19:23 Uhr

"Wir sind ein gutes Paar: Sie und Handelsblatt Online..."

Ganz so harmonisch scheint es dann aber doch nicht zu sein, wenn man diesen Artikel sieht: http://www.ftd.de/it-medien/medien-internet/:medien-handelsblatt-schreibt-rote-zahlen/70083098.html

Nichtsdestotrotz hoffe ich als von der Qualität des Handelsblatts überzeugter Leser natürlich, dass sie dauerhaft profitabel arbeiten, damit ihr Magazin uns Lesern noch ein bisschen länger erhalten bleibt.

Mediensterben

13.11.2012, 19:54 Uhr

@ Justus

Das sehe ich genauso wie Sie.
Ich glaube viele Journalisten/innen überschätzen ihre Position und ihren angeblich so „sicheren“ Arbeitsplatz vollkommen.
Es gibt viel zu viele Zeitungen und Zeitschriften auf dem deutschen Markt.
Und das eigentlich Dramatische daran ist, alle schreiben voneinander ab oder übernehmen einfach die Agenturmeldungen.
Warum sollte ich dafür als Leser bezahlen?
Desweiteren liegt es auch daran, dass der Normalverdiener immer weniger Geld in der Tasche hat, welches er/sie dann sicher nicht in ein Zeitschriftenabo investiert. Auch haben die Zeitschriften und Zeitungen durch die (T)euroumstellung massiv im Preis zugelegt. Zu DEM-Zeiten hatte man auch als Normalverdiener eine gute Kaufkraft und hat auch mal die ein oder andere Zeitung/Zeitschrift gekauft. Heute ist das völlig anders - und dass liegt nicht nur am Internet und der freien Verfügbarkeit von Information. Ich glaube auch nicht, dass ein Bezahlsystem die Verlage auf Dauer retten kann. Der Unterhalt der Redaktionen ist dafür einfach zu teuer!

Ich_kritisch

13.11.2012, 20:21 Uhr

wir sind ein gutes Paar ...
ich lese nun seit einiger Zeit regelmäßig das Handelsblatt online. Mir gefällt nicht alles - aber das Meiste. Ich lese nicht alles - aber ich finde immer das was Wichtig ist.
Dafür würde ich auch freiwillig etwas zahlen - denn auch mir ist klar - Qualitätsjournalismus benötigt gute Journalisten - und die benötigen ein anständiges Gehalt.
Nur - ein Abo möchte ich nicht und das ist mir auch zu teuer.
Warum bietet ihr nicht eine Art Sonderservice - für 5 Euro gibt es xx Berichte/Artikel online in einen Zeitraum von z.B. 14 Tagen. Das wäre eine Form von Abo mit dem ich leben könnte - und ihr würdet verdienen.

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