Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.04.2014

18:40 Uhr

Was vom Tage bleibt

Achtung Herzbluten!

VonOliver Stock

Der Abfluss von Daten erschüttert das Vertrauen ins Netz. Merkel sieht sich in Ostdeutschland, ist aber in Griechenland. Schavan hat wieder einen Doktor. Der Tagesbericht.

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Was vom Tage bleibt

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Wunde im System

„Heartbeat“ heißt in der Programmierer-Umgangssprache die Funktion in einer Verschlüsselungssoftware, die beispielsweise Kunden nutzen, wenn sie in ihren Bankkonten unterwegs sind. Da pocht sozusagen ein Herzschlag und hält damit die Verbindung zwischen Bank und Kunde aufrecht. „Haertbleed“ heißt nun ein Fehler in diesem sensiblen System, den ein deutscher Programmierer verbockt hat. Da blutet etwas aus. Da ist ein Leck, Daten fließen heraus. Die kanadischen Finanzbehörden haben wegen „Heartbleed“ jetzt ihre Webseiten geschlossen und damit auch die Möglichkeit unterbunden, Steuererklärungen über das Internet abzugeben. Damit solle „die Integrität der Informationen gesichert werden, die wir aufbewahren“, heißt es in einer Notiz. Auch hierzulande spricht sich langsam herum, dass das wichtigste Verschlüsselungssystem eine klaffende Wunde hat. Die Frage ist: Pflaster auflegen oder amputieren?

Herz in der Hand

Angela Merkel, die Kanzlerin aus Ostdeutschland, fühlt sich an ihren Werdegang erinnert, wenn sie – wie heute – zu Besuch in Athen weilt. Sie selbst habe in Erinnerung an den Ruin Ostdeutschlands eine Vorstellung davon, was in Griechenland „zurzeit an Belastungen herrscht“. Sie könne aber aus eigener Erfahrung sagen, dass viele in Deutschland „ihren Weg gegangen sind, ihr Herz in die Hand genommen haben“. Trotz der „schweren Wegstrecke“ sei sie sicher, dass das auch in Griechenland so sein werde. Damit die Wegstrecke immer besser wird, zahlen die Deutschen bis heute brav ihren Soli. Das aber hat Frau Merkel hoffentlich nicht gemeint.

Deutsche Arbeitsteilung

Ein unverheirateter deutscher Angestellter ohne Kind und mit durchschnittlichem Verdienst bekam im Jahr 2013 genau 50,7 Prozent seines Bruttogehalts ausbezahlt. Die Hälfte also geht in Deutschland für Steuern und Sozialversicherungen drauf. Das ist eine Form von Arbeitsteilung: Einer verdient's, zwei geben's aus.

Ein neuer Doktor für Frau Schavan

Drei Wochen, nachdem Richter den Entzug ihres Doktortitels durch die Universität Düsseldorf wegen Plagiaten und Täuschung bestätigt haben, bekommt Ex-Bildungsministerin Annette Schavan von der Universität Lübeck den Ehrendoktor verliehen. Die Hochschulrektorenkonferenz gibt für die Verleihung einer solchen Würde als unverbindliche Richtlinie vor, dass „der Grad des Dr. h.c. aufgrund wissenschaftlicher Leistungen verliehen“ werden soll. In Lübeck bestand die Leistung von Frau Schavan darin, die Uni vor Sparplänen der Landesregierung zu bewahren. Vielleicht wäre statt des Ehrendoktorhuts ein geschlachtetes Sparschwein heute die passendere Auszeichnung gewesen.

Ein entspanntes Wochenende wünscht Ihnen

Oliver Stock

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×