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24.09.2013

18:38 Uhr

Was vom Tage bleibt

Achtung: Verlust in Sicht

VonOliver Stock

Das Fondshaus Wölbern könnte Anlegern ein böses Erwachen bescheren. Trittin, Künast, Roth – diejenigen, die die Grünen prägten, geben auf. Steinmeier bleibt, er fühlt sich eben nicht als Verlierer. Die Kommentare zum Tag

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Was vom Tage bleibt

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Verlust in Sicht

Droht ein millionenschwerer Anlegerskandal in Deutschland? Heinrich Maria Schulte, Firmenchef des Hamburger Fondshauses Wölbern Invest, wurde bei einer Razzia verhaftet. Wölbern Invest galt bislang als gute Adresse für Anleger. „Als traditionelles Emissionshaus initiieren wir konservativ kalkulierte geschlossene Fonds in den Assetklassen Real Estate und Private Equity“, warb Wölbern und stieß damit auf Resonanz: Seit 1993 haben die Hamburger 97 Fonds mit einem Investitionsvolumen von rund 3,8 Milliarden Euro unters Volk gebracht. Geschlossene Beteiligungen bieten in der Regel vor allem eins: üppige Vertriebsprovisionen. Bei Privatanlegern dagegen liegt das Risiko. Es heißt: Totalverlust. Die Provisionen sind schon geflossen. Jetzt könnte es auch mit dem Verlust etwas werden.

Verliererperspektive

Erst die FDP, nun die Grünen: Auch Jürgen Trittin zieht die Konsequenz und will sich nicht mehr zur Wahl des Fraktionsvorsitzenden der Partei stellen, Kollegin Künast hatte es vorgemacht, Claudia Roth hat ebenfalls den eigenen Abgang beschlossen. Beide Damen liebäugeln noch mit dem eher bescheidenen Amt der Bundestagsvizepräsidentin. Vielleicht gibt es ja bald eine Vize-Vizepräsidentin. Mit seiner Ankündigung macht Trittin die Runde jedenfalls komplett. Der Verkehrspolitiker Anton Hofreiter verkündete, dass er Trittins Nachfolger werden wolle. Stellen wir uns einen Augenblick vor, die FDP hätte das grüne Wahlergebnis eingefahren. Wahrscheinlich hätten Rösler, Brüderle und Co. die Hälfte der Ministerposten in einer Koalition gefordert – womit deutlich wird: Wer sich zu den Verlierern zählt, ist immer eine Frage der Perspektive.

Die liebe Familie

Unser politisches Spitzenpersonal ist eben wie eine Familie: Merkel ist die gerechte Mutti, Schäuble ist ein strenger Opa. Steinbrück ist der Onkel aus Amerika, der erzählt wie dort alles besser läuft und dann wieder verschwindet. Rösler, das war doch dieser entfernte Cousin. Und ja - Claudia Roth, das ist die schrille Tante, von der keiner weiß, wie er mit ihr verwandt ist. Eine, für die man sich meistens schämt, die aber immerhin hohen Unterhaltungswert besitzt. Das Problem mit manch richtiger Familie ist: Man sieht sich immer wieder, auch wenn man sich nichts zu sagen hat. Genau an diesem Punkt aber sollte sich die Politik von den häuslichen Verhältnissen unterscheiden. Es gibt Politiker, die haben wir gewählt und es gibt solche, die haben wir abgewählt. Die einen müssen sich jetzt ihrer Aufgabe stellen, und zwar mit voller Kraft. Die anderen müssen abtreten, und zwar schnell und vollständig. In diesem Sinne: Tschüss Herr Rösler, tschüss Frau Roth, tschüss Herr Trittin.

Soldat Steinmeier

Die SPD zählt sich nicht zu den Verlierern. Deswegen ist der alte SPD-Fraktionsvorsitzende auch der neue: Frank-Walter Steinmeier. Auf der konstituierenden Sitzung der SPD-Bundestagsfraktion wurde der 57-Jährige erneut gewählt. Wer in der Schlacht in Deckung gegangen ist, gehört hinterher zu den Überlebenden. Die alte Soldatenweisheit hat auch Steinmeier genützt.

Schüsseltechnologie

Für den Angriff auf deutsche Badezimmer hat sich der japanischen Armaturen-Herstellers Toto etwas ganz besonderes ausgedacht: Das erste Washlet-Klo mit Po-Dusche, das sich mit ultraviolettem Licht selbst desinfiziert. Man muss wissen: Japan ist die führende Toilettennation der Welt. Dort wurden schon vor 40 Jahren beheizte Klobrillen populär, die kurz darauf durch Po-Duschen auf die nächste kloturelle Evolutionsstufe gehoben wurden. Inzwischen gibt es regelrechte Roboterklos, die den Deckel selbsttätig öffnen und schließen. Die den Allerwertesten trockenfönen. Die automatisch spülen. Die mit Musik die Geräusche überspielen, die Emission absaugen und den Geruch herausfiltern und auf Wunsch mit Aromen den Abort beduften. Die deutsche Edelmarke Grohe wird nun ein eigenes Washlet-Klo mit Technik von Toto vertreiben. „Powered by Toto“ prangt auf den Grohe-Katalogen. „Made in Germany“ mit Schüsseltechnologie aus Japan – diese Kombination dürfte die Aborttechnologie revolutionieren.

Einen Gruß auch ans stillste Örtchen

Oliver Stock

Kommentare (3)

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imao

24.09.2013, 18:58 Uhr

Zu Verliererperspektive(n):
Man könnte Personalien ja auch als Gewinn verbuchen.
Ob das tatsächlich auch so sein wird, wird sich allerdings erst in Zukunft erweisen können; bei genauerer Besichtigung der Nachfolgersituation.
Das konnte sich Steinmeier ersparen: Macht ist teuer.

Und eine ewigsiegende Kanzlerin hat sich ins Dilemma manövriert: aber das ist natürlich keine Verliererposition.


VICTORKRUGER

24.09.2013, 22:08 Uhr

Frank-Walter Steinmeier gehört zu den Klügeren.

Er hat es rechtzeitig kommen sehen.
Und aus Erfahrungen gelernt.
Gut gemacht, Herr Steinmeier.

nulla_die_sine_linea

24.09.2013, 22:29 Uhr

fein: mit Frank-Walter Steinmeier haben wir es mit einem hingeschriebenen Intellektuellen der Sozialdemokratie zu tun.
Ich will mich garnicht beschweren.
Immerhin ist Frank-Walter Steinmeier bestätigt worden.

Nicht dass das Sorge bereiten könnte oder sollte.

Indes gehört Frank-Walter Steinmeier zu den selbsterklärten Architekten des Untergangs der SPD.

Ob man so etwas fein finden sollte?

Und schon landet man wieder bei Geschmacksfragen.

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