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29.08.2013

19:24 Uhr

Was vom Tage bleibt

Ackermanns Verantwortung

VonOliver Stock

Der Rücktritt Ackermanns wirft ein trübes Licht auf den Ausnahmemanager von einst. Die Allianz gegen Syrien nimmt sich Zeit, die sie nicht hat. Und Steinbrück kämpft für Steinbrück. Der Tagesbericht.

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Was vom Tage bleibt

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Der Trouble-Maker

Vor einigen Wochen war Josef Ackermann wieder da. Als Spin-Doktor im Hintergrund spann er im Siemens-Aufsichtsrat Fäden, um die Nachfolge von Vorstandschef Peter Löscher beim Industriekonzern zu regeln. So sehr mischte er sich ein, dass ich den Eindruck hatte, der Ex-Deutsche-Bank-Chef bringe sich selbst in Position, um den Aufsichtsratsvorsitzenden bei Siemens zu machen. War es so? Egal. Die Episode zeigt jedenfalls: Ackermann ist kein Trouble-Shooter sondern ein Trouble-Maker. Sein Ego ist nicht gleichzeitig mit seiner Person in den Ruhestand gegangen. Es ist auf der Suche nach bedeutenden Posten in der Wirtschaft. Dass der 65-Jährige jetzt sein derzeit wichtigstes Amt bei der Zürich-Versicherung aufgibt, ist deswegen ungewöhnlich. Die Umstände, unter denen Ackermann abrupt auf sein Amt verzichtete, sehen so aus: Das Motiv, so sagt er selbst, sei der Selbstmord von Finanzchef Pierre Wauthier gewesen. Dessen unerwarteter Tod habe ihn tief erschüttert. „Ich habe Grund zur Annahme, dass die Familie meint, ich solle meinen Teil der Verantwortung hierfür tragen, ungeachtet dessen, wie unbegründet dies objektiv betrachtet auch sein mag“, sagt Ackermann. Wir Journalisten stehen täglich vor der Frage, was subjektive Erzählung und was objektive Tatsache ist. Unsere Erfahrung: Es gibt sehr viele subjektive Erzählungen. Dass er objektiv nichts mit der Sache zu tun habe, dürfte eine dieser sehr subjektiven Erzählungen sein.

Müde Krieger

Seit Premier David Cameron Anfang der Woche wegen Syrien seinen Urlaub abbrach und mit dem roten Aktenkoffer und entschlossener Miene zur ersten Krisensitzung in die Nummer 10 Downing Street zurückkehrte, geht es mit seiner Syrien-Politik bergab. Cameron wollte die Intervention, aber Cameron scheiterte. Der Widerstand im Land ist zu groß. Allein aber werden die Amerikaner keinen Angriff wagen – weswegen die Welt heute keinen Syrien-Einsatz erlebt hat. Ist es besser so? Ich glaube: Die Welt ist friedlicher ohne ein Regime, das Chemiewaffen gegen die eigenen Untertanen einsetzt. Wir alle verabscheuen diese Waffen. Deswegen müssen wir dafür sorgen, dass sie geächtet bleiben. Wer dieser Meinung ist, muss die unterstützen, die die Täter in Syrien zur Rechenschaft ziehen wollen.

Megadeal der Telekoms

Auf dem US-Telekommunikationsmarkt zeichnet sich ein Mammutdeal ab. Der britische Mobilfunker Vodafone verhandelt mit dem US-Telekomkonzern Verizon über den Verkauf seines Anteils am Gemeinschaftsunternehmen Verizon Wireless. 130 Milliarden Dollar ist er wert. Klappt das Geschäft, hat Vodafone mehr Geld in der Kasse als das Unternehmen gebrauchen kann. Ich hätte eine gute Idee: Vodafone schafft seine Hotlines ab und dafür den Service wieder an. Das wäre wirklich gut angelegtes Geld.

Rentner in 24 Tagen?

Die SPD will bei einer Regierungsübernahme umgehend ein Reformpaket mit Mindestlöhnen und Mietpreisbremsen auf den Weg bringen. Ab zu versteuernden Einkommen von 100.000 Euro soll der Spitzensteuersatz auf 49 Prozent steigen, um mit den Einnahmen Kitas, Schulen und Unis zu stärken. „In 24 Tagen endet der Stillstand in der Bundesrepublik Deutschland“, sagt Kanzlerkandidat Peer Steinbrück, als er jetzt sein Programm für die ersten 100 Tage präsentiert. Es soll keine Drohung sein und er meint damit die noch verbleibende Frist bis zur Wahl. Was auf jeden Fall in 24 Tagen endet, ist Steinbrücks Kandidatur. Ob er dann als Kanzler oder doch als Rentner weitermacht, entscheiden wir, wenn wir wählen. Und egal wie es ausgeht, interessant wird es allemal. Denn wie der 66-jährige Rentner Steinbrück gegen den Stillstand kämpft, das macht doch neugierig, oder?

Bleiben Sie neugierig heute Abend

Oliver Stock

Kommentare (4)

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OleLakshmiMuellerSchabrunski

29.08.2013, 19:50 Uhr

Lieber Olli

die famosen "Rebellen" haben bereits DREI, wiederhole DREI, Angriffe mit Giftgas gefahren und grade eben gab es die Meldung eines VIERTEN.

Wie naiv muss man nach den Brutkasten-Babies und den DabbljuEmDies von Bush eigentlich sein um diese selten dämliche Räuberpistole aus dem Weißen Haus, State Dept. und dem Pentahon so begierig zu schlucken???

Ach ja, wenn wir dabei sind: Wie beurteilen Sie denn die EM-Entwicklung seit ihrem Hitpiece? Totes Kapital???

Ihre "Analysen" und die der restlichen Fachkräfte sind so dermassen farout das man nur noch FASSUNGSLOS den Kopf schütteln kann.

So, "Netiquette" brich los...

Rumor

29.08.2013, 20:19 Uhr

Lieber Herr Stock,


auch ihnen muss man sagen, die größten Angsthasen sind die
eifrigsten Bellizisten.

Wovor haben Sie Angst, wenn Sie Sich hier pro Strafaktion gegen Syrien aussprechen, obwohl es keine tragfähigen Beweise dafür gibt, dass die syrische Regierung die Veantwortung für den Giftgas<einsatz trägt?

Ic vermute mal vor Ihrem Herausgeber.

Account gelöscht!

29.08.2013, 20:23 Uhr

Sehr geehrter Herr Stock,

am Zentrum für Forschung zur Arabischen Welt an der Uni Mainz kommt man aufgrund der vorliegenden Fakten zu anderen Ergebnissen als sie zu 95 Prozent von Medien und Politikern in die Welt getragen werden. Der Leiter des Instituts – Herr Professor Günther Meyer – hat gestern (28.08.2013) in der Sendung „Mittagsecho“ beim Radio-Sender WDR 5 klar dargelegt, warum das Assad-Regime nicht für den Giftgas-Massenmord verantwortlich sein kann – und welche Bürgerkriegsparteien welche Vorteile aus diesem verheerenden Anschlag ziehen wollen.

Ich halte es für unverantwortlich, von internationalen wie deutschen Politikern und Journalisten (auch vom Handelsblatt) derart einseitig “informiert” zu werden, daß zum wiederholten Male von Gleichschaltung der Nachrichten-Systeme gesprochen werden kann. – Sollte da (auch in Ihrer Redaktion) „nur“ mangelndes Interesse vorliegen, sich (und die Leser) umfassend zu informieren oder welche anderen Gründe und Motive gibt es, um wieder einmal die Masse auf einen “totalen Krieg” einzuschwören?!?!

Mit nachdrücklicher Bitte um tiefergehende Berichterstattung und Einbeziehung von ausgewiesenen Fachleuten
K.S.

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