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02.12.2014

18:37 Uhr

Was vom Tage bleibt

Aktionär sein aus Verzweiflung ist schlecht

VonOliver Stock

Warum niemand jubelt, wenn der Dax den Rekord schafft, warum Putin eine russische Gaspipeline lieber doch nicht baut und warum VW Mondpreise berechnet – lesen Sie hier die Themen dieses Tages.

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Was vom Tage bleibt

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Verlegenheits-Investoren

Mal wieder die Schallmauer durchbrochen: Der Dax hat heute zum zweiten Mal in diesem Jahr kurz die Schwelle von 10.000 Punkten überschritten. Jubel? Von mir aus. Tatsächlich investieren die meisten Menschen inzwischen aus Verlegenheit in Aktien und nicht aus Überzeugung. Weil anderswo nichts zu holen ist, geht das Geld an die Börse. Von allen Gründen, sein Geld in Unternehmen zu stecken, ist dies der schlechteste.

Putins „Njet“

Ein kleines Land übernimmt die Rolle des Buhmanns in einem großen Konflikt: Es geht um Bulgarien und das South Stream-Projekt, jene 2380 Kilometer lange Pipeline, die von 2019 an 38 Millionen europäische Haushalte mit russischem Gas versorgen sollte. Russlands Präsident Wladimir Putin sagt nun „Njet“ und will nicht weiterbauen. Er schiebt dem EU-Mitglied Bulgarien die Schuld dafür zu. Bulgarien hat die Vorbereitungen zum Bau seit Juni eingestellt. Putin glaubt, die EU habe Bulgarien dazu gebracht. Ich glaube: Die Bulgaren wollten nicht die zweite Ukraine werden, die am Ende durch billige Gaslieferungen erpressbar werden.

Mondpreise

Die Rabatte auf dem deutschen Automarkt haben im November das höchste Niveau seit mehr als fünf Jahren erreicht. Große Händlergruppen übertreffen sich mit „Jahresendspurtpreisen“, Last-Night-Shopping-Angeboten und weiteren Schnäppchen. Auf einen Polo gibt es so bis zu 34 Prozent Rabatt auf den Listenpreis. Vielleicht wäre in einem zweiten Schritt zu überlegen, das Wort „Listenpreis“ durch eine reellere Bezeichnung zu ersetzen. Wahlweise stehen Phantasie-, Apotheker-, oder Mondpreis zur Verfügung.

Die Rente ist unsicher

125 Jahre Rentenversicherung konnten wir heute feiern. Einer der Teilnehmer am Festakt, der ehemalige „Rente-ist-sicher-Minister“ Norbert Blüm war jedoch nicht in Feierlaune: „Wenn das Rentenniveau weiter so sinkt wie in den letzten Jahren, dann kommt man in die Nähe der Sozialhilfe, was die Rentenversicherung nicht nur um ihren guten Ruf bringt, sondern auch um ihre soziale Sicherungsfunktion“, sagte er. Ein System, aus dem man mit Beiträgen nicht mehr bekomme als ohne, „erledigt sich von selbst“. Blüm war bislang ein Held, der sich in Phantasieromanen hätte tummeln können. Seit heute tritt er in einem Realitätsschocker auf.

Orden für Tugce

Bundespräsident Gauck prüft, ob die getötete Tugce postum das Verdienstkreuz erhalten soll. Die junge Frau hat ihre Zivilcourage mit dem Leben bezahlt. Unterzeichner einer Online-Petition haben Gauck zum Handeln aufgefordert. Wenn die mehr als 100.000 Online-Petiteure sich nicht nur in Sofa-Demokratie üben und klicken würden, sondern sich darüber hinaus an Tugce ein Beispiel nähmen, wäre unser Land noch schöner, als es durch eine weitere Bundesverdienstkreuzträgerin jemals werden kann.

Also: Runter vom Sofa heute Abend, wünscht Ihnen

Oliver Stock

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