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25.01.2012

18:20 Uhr

Was vom Tage bleibt

Allen geht es nur ums Geld

VonOliver Stock

Der Tag war teuer: Obama will die Wohlhabenden schröpfen, Japan verliert an Reichtum, Apple hortet Milliarden. Die Post bekommt eine Milliarden-Strafe.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Obama und die Reichen

Der US-Wahlkampf entwickelt seine eigene Faszination. Heute Nacht durfte Titelverteidiger Barack Obama ran. Seine Rede zur Lage der Nation schauen erfahrungsgemäß an die 50 Millionen Amerikaner. Um so eine Einschaltquote zu erreichen, müsste der mögliche Herausforderer Mitt Romney schon Monica Lewinsky zur Vizepräsidentin machen. Macht er aber nicht, sondern veröffentlichte stattdessen seine Steuerbescheinigung. Er zahlte demnach 2010 knapp 14 Prozent auf ein 21-Millionen-Dollar-Einkommen, das vor allem aus Kapitaleinkünften bestand. Der Durchschnittsverdiener zahlt in den USA 35 Prozent. Obama war das eine Replik wert: Es dürfe nicht sein, dass Wohlhabende „durch Steuerschlupflöcher“ prozentual weniger Steuern zahlten als Menschen mit niedrigeren Einkommen, sagte er. Ob er je etwas von der deutschen Steuer- und Abgabenbelastung gehört hat?

Japan wird ärmer

Japan hat 2011 zum ersten Mal seit 31 Jahren mehr Waren ein- als ausgeführt. Die Regierung begründet das mit den Folgen des Erdbebens. Doch in Wahrheit hat der Niedergang schon viel früher begonnen. Wer spricht heute noch vom Walkman-Erfinder Sony, dem Apple der 80er-Jahre? Was ist mit Hitachi, Japans ehemalige Elektronikikone, die jetzt wegen anhaltend hoher Verluste die Produktion von TV-Geräten stoppen musste? Kann Toyota den Kampf gegen VW gewinnen? Noch hat sich Japan nicht abgemeldet. Aber es hat heute den Beweis geliefert, dass es in der ersten Liga auf die hinteren Plätze zurückgefallen ist.

Ehemaliges Staatsunternehmen (eins)

Die Deutsche Post soll auf Geheiß der EU-Kommission bis zu einer Milliarde Euro Staatshilfen zurückzahlen. Der Bonner Konzern habe zu viel Geld für Briefe kassiert und Subventionen für Beamtenpensionen erhalten, entschieden die Brüsseler Wettbewerbshüter. Post-Chef Frank Appel schäumt: „Die Rückzahlungsentscheidung der EU-Kommission ist nicht nachvollziehbar und entbehrt jeglicher Grundlage.“ Er will gegen die Entscheidung klagen.
Allerdings muss der Konzern das Geld dennoch schon mal an Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble überweisen. Das ganze ist ein bisschen heikel. Die Post gehört noch immer über die Staatsbank KfW zu einem Drittel dem Bund. Da in den Verdacht zu geraten, illegale öffentliche Subventionen kassiert zu haben, liegt nahe - ist aber um so peinlicher.

Ehemaliges Staatsunternehmen (zwei)

In Frankfurt wurde heute vor dem Oberlandesgericht der Fall eines schwäbischen Pensionärs verhandelt, der 1,2 Millionen Euro von der Telekom fordert. Er hatte im Jahr 2000 einen Teil seiner Ersparnisse in die „Volksaktie“ gesteckt. 66,50 Euro kostete eine Aktie zum Höhepunkt des Technologie- und Börsen-Hypes - zwei Jahre später waren die Titel für gerade einmal acht Euro zu haben. Das Urteil kommt voraussichtlich in drei Monaten, womit eines der größten Wirtschaftsverfahren Deutschlands einen großen Schritt weiter wäre. Gut 16.000 Kleinanleger verlangen von der Telekom insgesamt 80 Millionen Euro. Die Richterin stellte heute allerdings klar, dass Anleger auch die Pflicht hätten, sich selbst eingehend zu informieren. Ein Schlag gegen die Aktionärskultur? Eher nicht. Eher eine Entscheidung für mehr Verantwortungsgefühl bei den Aktionären.

Apple durchbricht Rekorde

37 Millionen iPhones hat Apple im letzten Quartal verkauft und damit so viele wie noch nie. Gemeinsam mit der hohen Nachfrage nach iPads betrug der Gewinn im Weihnachtsquartal mehr als 13 Milliarden Dollar. Stellen wir uns vor, die Deutsche Bank hätte das geschafft. Was würde das die Regulierungsdebatte befeuern! Die Apple-Jünger sind da entspannter und feiern ihre Ikone.

Vielleicht feiern Sie mit?

Oliver Stock

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

25.01.2012, 18:32 Uhr

Mir auch !!

holbeinpferdchen

25.01.2012, 23:22 Uhr

Es wäre mehr als eine süffisante Bemerkung wert, als die
(rethorische?)Frage zu stellen, ob Obama je etwas von der deutschen Abgaben- und Steuerbelastung gehört habe.
Ja was denn nun, wie ist denn das Verhältnis der durchschnittlichen Steuerbelastung auf Vermögenseinkommen und auf Arbeitseinkommen?
1970 habe ich für die Regierung an einem Gutachten der Prognos AG zu 'Wachstum und Gesellschaftspolitik' mitgearbeitet.
Nach meiner Erninnerung war die damalige Durchschnittsbelastung der Einkommen aus Unternehmertätigkeit und Vermögen mit unter 10% deutlich niedriger als die der Einkommen aus unselbständiger Arbeit
mit über 15%.
Wie ist es denn heute?
Gibt es denn seither genauere Statistiken????

Account gelöscht!

25.01.2012, 23:33 Uhr

>>Allen geht es nur ums Geld<<

Werter Herr Stock. Es geht mitnichten *allen* nur ums Geld.
Einigen geht es auch um Sex. Aber das darf man hier ja nicht schreiben.
.
(Sollte man mglw. auch nicht.)

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