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06.02.2014

18:31 Uhr

Was vom Tage bleibt

Alter Chef, aber einmal runderneuert

VonOliver Stock

Dieter Zetsche lenkt Daimler wieder auf die Überholspur. Mario Draghi macht erstmal - nichts. Der ehemalige HRE-Chef kneift vor Gericht. Im Wulff-Prozess platzt dem Richter der Kragen. Der Tagesbericht.

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Was vom Tage bleibt

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Auto-genes Training

Dieter Zetsche ist zurück. Nach dem Tauziehen um seine Vertragsverlängerung galt der Daimler-Chef als angeschlagen. „Einsame Spitze“ lautet sein Spitzname. Doch die Zahlen, die Zetsche für 2013 präsentieren kann, sind besser als erwartet. Der Mann hat erst die Modellpalette runderneuert und dann das Ziel erreicht, selbst runderneuert da zu stehen. In seinem Fall können Experten zu Recht von einer Art auto-genen Training sprechen.

Die Lösung heißt Nichtstun?

Im Januar ist die Jahresteuerung im Euroraum vor allem wegen sinkender Energiepreise auf 0,7 Prozent gefallen. Das klingt vielleicht gut, ist aber in Wirklichkeit schlecht: Wenn Kunden der Meinung sind, Produkte werden eher billiger, kaufen sie nicht. Und wenn Unternehmen das voraussehen, investieren sie nicht. In Fachkreisen heißt das dann Deflation. Gibt es eine Deflation? „Die Antwort ist Nein“, sagte EZB-Chef Mario Draghi. Die EZB sollte heute verkünden, was sie tun wolle, um die Konjunktur im Euroraum weiter zu entfachen. Die schlichte Antwort nach Draghis Deflations-Einschätzung ist: Nichts. Das muss kein Fehler sein. Allerdings kommt es fast nie vor, dass durch Nichtstun etwas besser läuft.

Der Prozess I

Vor dem Münchner Oberlandesgericht platzte heute eine Bombe: Ein britischer Fondsmanager sagte aus, dass der frühere Chef der Immobilienbank Hypo Real Estate, Georg Funke, ihm bei einem Treffen am 11. März 2008 erklärt habe, dass er (Funke) bereits Mitte Dezember 2007 die Öffentlichkeit über die Probleme mit amerikanischen Schrottpapieren habe informieren wollen. Die HRE-Anwälte hätten aber davon abgeraten und das Schicksal nahm seinen Lauf dergestalt, dass die HRE zum Synonym einer Bad Bank wurde, die den Steuerzahler Geld kostete und den Eigentümern Verluste bescherte. Die Aussage war offenbar derart heikel, dass der Mann, um den es ging, prompt auf sein Erscheinen vor Gericht verzichtete. Funke kniff und in diesem Fall ersetzte ihn die Lücke, der er vor Gericht hinterließ, ganz und gar nicht.

Der Prozess II

Der schwelende Streit zwischen Gericht und Staatsanwaltschaft im Korruptionsprozess gegen Ex-Bundespräsident Christian Wulff eskaliert: Der Vorsitzende Richter Frank Rosenow droht damit, das Verfahren auszusetzen. Zuvor hatte er dem Staatsanwalt vorgehalten, dass die Anklage nach und nach neue Beweismittel vorlegt, die dem Gericht bisher unbekannt waren. Der Prozess um Wulff ist ein Trauerspiel. Gewinnen kann ihn keiner mehr.

Die gute Nachricht

Diese Nachricht ist heute beinahe untergegangen: Die italienische Marine hat mehr als 1100 nordafrikanische Flüchtlinge von neun Booten aus dem Mittelmeer gerettet und bringt sie nun in die ostsizilianische Hafenstadt Augusta. Keine Heldentat vermutlich, aber ein menschlicher Umgang und in diesem Fall: ein Fortschritt.

Einen fortschrittlichen Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

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