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11.08.2015

19:35 Uhr

Was vom Tage bleibt

Angst vor China

VonStefan Menzel

Die Yuan-Abwertung lässt den Dax abstürzen, der Ölpreis ist im freien Fall. Google verpasst sich eine neue Struktur, Griechenland bekommt Geld und der Fußball ist zu einem Wirtschaftszweig geworden. Der Tagesrückblick.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Abwertung als Rettung?

Nein, nicht Griechenland ist für diesen rabenschwarzen Tag an der Börse verantwortlich. Ein Minus von mehr als 300 Punkten beim Dax, das hat es schon länger nicht gegeben. Die Ursache für die Misere liegt in China. Die Regierung dort hat die Landeswährung Yuan zwangsabgewertet. Aus der Angst heraus, dass der chinesischen Wirtschaft der ganz große Absturz droht. Die Abwertung soll die Exporte ankurbeln – wenn es schon nicht mehr zu Hause läuft, dann wenigstens im Ausland. Doch der Rest der Welt kann nicht unendlich chinesische Produkte kaufen. Irgendwann ist Schluss.

Iranische Flut

Nicht nur an den Börsen geht die Angst vor einem China-Crash um. Betroffen sind auch die meisten Rohstoffmärkte, dort wächst die Furcht vor einem rapiden Preisverfall. Das Öl wird auf jeden Fall betroffen sein. Für die Abnehmerländer dürften rosarote Zeiten anbrechen: Ein weiterer Preisverfall von 20 bis 30 Prozent ist möglich. Allerdings liegt das nicht nur an China. Der Iran ist vielmehr der große Angstmacher beim Öl. Wenn die Sanktionen nach dem Inkrafttreten des Atomabkommens fallen, werden die iranischen Ölquellen nur so sprudeln. Europa und Deutschland dürfen sich freuen.

Völlig beweglich

Eigentlich ist gar nicht viel passiert. Demnächst gibt es keine Google-Aktien mehr an der Börse zu kaufen, die Papiere lauten künftig einfach auf Alphabet. Trotzdem ist die Entscheidung der Google-Gründer Page und Brin extrem bedeutend. Sie geben ihrem Unternehmen mit der neuen Holding-Struktur ein Gesicht für die Zukunft. Sie wollen damit sicherstellen, dass der milliardenschwere Großkonzern Google auch in den nächsten Jahrzehnten beweglich bleibt. Endlich einmal ein Elefant, der nicht stillsteht.

Nummer drei und vier

Am dritten Hilfspaket für Griechenland ist nicht mehr viel zu rütteln. Die Regierung in Athen hat sich mit den wichtigsten Gläubigern auf einen Rahmen für das Programm verständigt. Jetzt fehlt eigentlich nur noch das „Go“ von der Politik – und das dürfte zum Ende der Woche von den Euro-Finanzministern kommen. Machen wir uns aber nichts vor: Griechenland bleibt noch auf Jahre der große Wackelkandidat in Europa. Und ein viertes Hilfspaket ist extrem wahrscheinlich.

Inzwischen ganz groß

Fußball ist zu einem immens wichtigen Wirtschaftszweig geworden. 110.000 Arbeitsplätze hängen inzwischen in Deutschland davon ab, das Wachstum ist größer als in der Industrie. Die Milliarden an Fernsehgeldern haben diesen gewaltigen Aufschwung überhaupt erst möglich gemacht. Deutschland hat dabei jetzt einen gewissen Deckel erreicht: Den öffentlich-rechtlichen Sendern geht das Geld aus, sie können nur noch begrenzt mitbieten. Wenn es mit den Fernsehgeldern weiter aufwärts gehen sollte, werden die Senderechte am Ende allein bei den Privaten liegen. ARD und ZDF schauen dann in die Röhre.

Der heutige Abend ist fußballfrei. Ich wünsche Ihnen erholsame Stunden zu Hause. Es grüßt Sie herzlich

Stefan Menzel

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