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27.02.2012

18:46 Uhr

Was vom Tage bleibt

Anleger wissen mehr

VonOliver Stock

Egal, was die Anleger sagen - das zweite Rettungspaket für Griechenland ist Gesetz. Zum Gesetz der Serie werden auch Havarien mit Kreuzfahrtschiffen. Und China hat ein neues Autofahrergesetz.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Guten Abend Ihnen allen,

Was Anleger wissen und Politiker nicht

Das Erlebnis, das Anleger heute hatten, ging so: Der Handel mit griechischen Anleihen ist unterbrochen. Kurse werden nicht mehr gestellt. Privatanleger hatten keine Möglichkeit, ihre Papiere loszuwerden. Das Erlebnis, das Abgeordnete heute hatten, ging so: Im Bundestag fand sich letztlich eine Mehrheit dafür, bei der Griechenlandhilfe auf die erste Summe noch eine weitere draufzusatteln. Das Erlebnis, das Banker heute hatten, ging so: Die Europäische Zentralbank teilte ihnen mit, dass sie bislang fast 220 Milliarden Euro in europäische Staatsanleihen gesteckt hat, sich aber jetzt raushält aus diesem Geschäft. Schätzungen zufolge kontrolliert die EZB etwa fünf Prozent des Markts europäischer Staatsanleihen. Gut ein Viertel der Summe steckt ausschließlich in griechischen Staatsanleihen. Wie das zusammenpasst? Griechenland ist ein Fass ohne Boden. Das wissen alle, bis auf eine Mehrheit im Bundestag.

Bilanzkosmetik macht HSBC noch hübscher

Trotz der Turbulenzen an den Kapitalmärkten hat die britische Großbank HSBC im vergangenen Jahr den Gewinn gesteigert. Der Überschuss stieg um 27 Prozent auf 16,8 Milliarden US-Dollar. Für die Mitarbeiter werden 3,4 Milliarden Dollar als Bonuszahlungen beiseite gelegt. In der vergangenen Woche hatten die teilverstaatlichten britischen Großbanken Lloyds und Royal Bank of Scotland deutliche Verluste veröffentlicht. Zu verdanken hat die HSBC den Zuwachs einem Bilanzeffekt durch die Neubewertung der eigenen Verbindlichkeiten. Vielleicht eine Methode für die schwäbische Hausfrau? Wenn es eng wird, bewerte ich das, was ich als Schulden habe, einfach mal niedriger. Natürlich nur mit Segen des Hausherrn.

Die Schatten der Vergangenheit

Es war eine schwere Geburt für die Linkspartei: Nach langwierigen Verhandlungen rang sich die Partei dazu durch, die als Nazi-Jägerin bekannt gewordene Publizisten Beate Klarsfeld für das Bundespräsidentenamt vorzuschlagen. Klarsfeld war durch eine Ohrfeige berühmt geworden war, die sie 1968 dem damaligen Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger verpasst hatte, dem sie dessen Rolle im Dritten Reich vorwarf. Ich meine, der Dame gebührt aller Respekt. Aber das ist Nebensache. Interessanter finde ich, dass es die aus der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands hervorgegangene Linkspartei nicht schafft, mit Joachim Gauck einen Kandidaten zu unterstützen, der sich gegen den Terror, den diese SED einst verbreitete, aufgelehnt hat. Das ist keine sonderlich aufrichtige Form des Umgangs mit der eigenen Vergangenheit.

Kreuzfahrten sind gar nicht langweilig

Mal ehrlich: Eine Kreuzfahrt ist abgesehen von den Landgängen sterbenslangweilig. Sie essen zu viel, flanieren ist auch auf dem größten Schiff endlich, und Sie haben nicht einmal Ihr Auto dabei. Das Unternehmen Costa Crociere allerdings unternimmt einiges, damit das mit der Langeweile nicht so schlimm wird. Anderthalb Monate nach der dramatischen Havarie des Kreuzfahrtschiffs Costa Concordia mit Toten und Verletzten ist auf einem Luxusschiff des Unternehmens ein Brand ausgebrochen. Die Costa Allegra mit rund 1000 Menschen an Bord treibe derzeit vor den Seychellen im Indischen Ozean, teilte die italienische Küstenwache mit. Das Feuer sei aber inzwischen gelöscht, es gebe weder Tote noch Verletzte. Hoffentlich bleibt es dabei. Dann dürfte dieser Programmpunkt immerhin unter „unvergessliches Erlebnis“ in die Fotoalben der Passagiere eingehen.

Chinesen fahren chinesisch

Merkel und Co fahren Audi und Co. Chinesische Funktionäre machen das künftig auch, dass heißt sie fahren genau nicht Audi, sondern einen Wagen heimischer Produktion. Zum Schutz der eigenen Autoindustrie veröffentlichte das Industrieministerium in Peking eine vorläufige Liste mit rund 400 Modellen chinesischer Hersteller, die offizielle Vertreter von Staat und Partei künftig kaufen sollen. Dongfeng ist darunter und First Automotive Works (FAW). Alles keine Weltmarken, aber eben made in China. Bis zum 9. März nimmt das Ministerium öffentliche Kommentare zu der Liste an. Wir bleiben am Ball und versuchen diese Kommentare zu bekommen. Wissen Sie übrigens wie Navi auf chinesisch heißt? „Um-Lei-Tung“.

Einen lustigen Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Kommentare (2)

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Regulator

27.02.2012, 19:42 Uhr

Na, ist zu hoffen, dass Beate K. nicht auch den zukünftigen Bundespräsidenten abwatscht, denn auch dessen Vater war ...

Mazi

27.02.2012, 21:15 Uhr

"Das Erlebnis, das Banker heute hatten, ging so: Die Europäische Zentralbank teilte ihnen mit, dass sie bislang fast 220 Milliarden Euro in europäische Staatsanleihen gesteckt hat, sich aber jetzt raushält aus diesem Geschäft. Schätzungen zufolge kontrolliert die EZB etwa fünf Prozent des Markts europäischer Staatsanleihen. Gut ein Viertel der Summe steckt ausschließlich in griechischen Staatsanleihen. Wie das zusammenpasst? Griechenland ist ein Fass ohne Boden. Das wissen alle, bis auf eine Mehrheit im Bundestag."

Gut geschrieben! Respekt!

Was Sie nicht geschrieben haben, aber bestimmt daran gedacht hatten, war, dass sich die BAFin jetzt Gedanken machen muss, mit wieviel Eigenkapital Staatsanleihen zu unterlegen sind. Ich schätze, dass Staatsanleihen für Finanzinstitute so teuer werden, dass man sie alsbald nicht mehr in den Bilanzen findet.

Erst den Kapitalschnitt, dann die hohen Eigenkapitalunterlegungen. Das war richtig teuer.

Wer gibt den Staaten dann noch Geld?

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