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06.07.2015

18:45 Uhr

Was vom Tage bleibt

Athen fliegt nicht aus dem Euro, es verliert ihn

VonOliver Stock

Europa stellt sich auf den Grexit ein. Athen bekommt einen umgänglicheren Finanzminister. China hilft seinen Aktionären. Und ein Bierbrauer leistet sich einen Schaukampf. Was heute geschah, lesen Sie hier.

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Was vom Tage bleibt

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Der Grexit kommt von allein

Was tun sprach Zeus? Niemand in der Eurozone möchte einen Staat länger stützen, in dem das an ihn verliehene Geld einfach versickert. In dem es nach hunderten Milliarden an Krediten nicht einem Menschen besser geht. Würde in den Euroländern am nächsten Sonntag über neue Hilfen für Griechenland abgestimmt, wäre das „Nein“ mit Sicherheit noch überwältigender als das der Griechen. Merkel, Juncker, Draghi und die ganze Riege der Euroretter wissen um diese Stimmung. Sie haben deswegen kein Mandat dafür, den griechischen Staat weiter mit unserem Geld zu versorgen. Einen Staat, der kein eigenes effektives Steuersystem kennt, der seine Militärausgaben hochhält und der seine Infrastruktur vernachlässigt. Diesem System wollen wir unser Geld nicht leihen, weil wir uns sicher sind, dass wir es nie wieder sehen. Griechenland muss nicht aus dem Euro austreten. Es wird ihn schlicht verlieren. Der Grexit kommt von ganz allein.

Der Nachfahre des Mathematikers

Der neue griechische Finanzminister heißt Euklides Tsakalotos. Er trägt keine T-Shirts mit Lederjacke und gilt als ein Mann leiserer Töne. Auf Bitten seines Premiers ist er bereits seit Mai bei den Gesprächen mit den Gläubigern dabei. Euklid: So hieß auch einer der klassischen Griechen, ein Mathematiker. Wenn sein Namensvetter etwas von ihm geerbt hat, dann hoffentlich die Erkenntnis, dass mehr auszugeben als da ist, auf Dauer in die Hose geht.

Begrenztes Risiko

Kapitalismus in China heißt: Alle haben Aktien, aber wenn die mal einbrechen, dann können sich die Chinesen auf ihren Staat verlassen. Um ein knappes Drittel ist der Aktienmarkt in den vergangenen Wochen im Land der Mitte eingebrochen. Heute ging es wieder aufwärts, nachdem sich Investmentfirmen wahrscheinlich nicht zuletzt auf freundliche Bitte der Regierung darauf verständigt hatten, Milliarden Euro in einen Fonds zur Stabilisierung der Finanzmärkte zu stecken. Vorstände von 25 Fondsgesellschaften sagten zu, Aktien zu kaufen und diese mindestens ein Jahr zu halten. Aktionär in China müsste man sein. Das Risiko ist staatlich begrenzt.

Halber Erfolg

Die Alternative für Deutschland steht nach dem Sieg von Frauke Petry gegen Parteigründer Bernd Lucke vor der Spaltung. Zwei Parteien des gleichen Schlages werden nicht den doppelten, sondern eher den halben Erfolg haben. Angesichts von vier bis sechs Prozent, die die AfD in Deutschland einfahren kann, sind solche Rechnungen überlebenskritisch.

Du weißt schon – aus Deutschland

In New York hat der deutsche Bierbrauer Warsteiner eine 15 Stockwerke hohe Anzeigentafel am Times Square gebucht, die verkündet: „Warsteiner. Deutsches Premium-Bier aus, du weißt schon, Deutschland. Mach's richtig“. Das ist ein Seitenhieb auf den Konkurrenten Beck’s. Dessen Mutterkonzern musste vor kurzem einen teuren Vergleich schließen, weil er sein Bier mit Slogans wie „Ursprung aus Bremen, Deutschland“ beworben hatte, der Gerstensaft aber in St. Louis gebraut wird. Angesichts von knapp 30 Grad im Schatten dürfte die New Yorker derzeit allerdings mehr die Temperatur des Bieres als dessen Herkunft interessieren.

Machen Sie's richtig, heute Abend. Das wünscht Ihnen

Oliver Stock

Kommentare (2)

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Herr Renatus Isenberg

06.07.2015, 20:34 Uhr

"die Erkenntnis, dass mehr auszugeben als da ist, auf Dauer in die Hose geht."
Ich bezweifle diesen Ausspruch. So wie Zinsen von Krediten stetig steigende Schulden produzieren, können Währungen ständig gegenüber dem Umfeld abgewertet werden. Das ermöglicht das Überleben der Staaten. Jedenfalls haben wir in Europa blendend und in Frieden damit gelebt verglichen zu heute, bis die unselige EU installiert wurde mit dem Euro.

Die EWG war in einer Zeit , in der viele Einkommen relativ höher waren als heute, in der es keine Massenarbeitslosigkeit der Jugend in den Südstaaten gab. Wer das ignoriert verhält sich stur wie Merkel und Schäuble. Ja, die beiden haben natürlich nicht in erster Linie das Wohl der Menschen in Europa im Auge, sonst wäre die Situation in der EU NIEMALS so eskaliert. Merkel sagt, Tsipras sei sehenden Auges gegen die Wand gefahren. Doch ist es logischer zu sagen: Merkel fährt die Menschen in der EU sehenden Auges gegen die Wand aufgrund "höherer Interessen"...

Account gelöscht!

07.07.2015, 13:48 Uhr

Traurig, so ein langer Kommentar, Abends, währen andere das tolle Wetter draußen geniesen, welch verbrauchte Lebenszeit und dann kommt keine Reaktion.

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