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12.01.2015

18:57 Uhr

Was vom Tage bleibt

Auch Mustapha muss dabei sein

VonOliver Stock

In Paris planen die Überlebenden der Charlie-Hebdo-Redaktion die nächste Ausgabe. In Dresden scheiden sich die Geister. Und in Detroit regiert der Größenwahn. Was Sie heute wissen sollten, lesen Sie hier.

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Was vom Tage bleibt

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Ein Lächeln

Tränen vergießen wir aus Trauer oder vor Freude. Weinen und Lachen sind manchmal enger zusammen, als wir uns das vorstellen können. Und das ist gut so: Das Team von Charlie Hebdo, das übrig gebliebene, hat auf einer Redaktionskonferenz über die Inhalte der ersten Ausgabe nach der Katastrophe diskutiert. Wie, das beschreibt eine Reporterin für Handelsblatt Online. Die Leser sollten Charlie wiedererkennen, so meint die Redaktion in Paris. Einige bringen die Idee vor, an den Stellen Lücken zu lassen, an denen die am Mittwoch Getöteten geschrieben oder gezeichnet hätten. Am Ende sind die meisten gegen diesen Vorschlag. „Ich will nicht, dass es Leerstellen gibt“, argumentiert einer. „Sie müssen alle da sein, auf den Seiten. Und auch Mustapha.“ Mustapha Ourrad, der Korrektor, steht auf der langen Liste der bei dem Angriff Getöteten. „Dann lasst meine Fehler drin“, sagt ein anderer – und zum ersten Mal huscht so etwas wie ein Lächeln über die Gesichter der Beteiligten.

Der Islam und Deutschland

Bundeskanzlerin Angela Merkel räumt dem Islam einen festen Platz in der deutschen Gesellschaft ein. Bei einem Besuch des türkischen Ministerpräsidenten Ahmet Davutoglu sagte sie: „Von meiner Seite möchte ich sagen, dass unser früherer Bundespräsident Christian Wulff gesagt hat, der Islam gehört zu Deutschland. Und das ist so, dieser Meinung bin ich auch.“ Allerdings gibt es da parteiintern noch Gesprächsbedarf. Ihr Fraktionsvorsitzender Volker Kauder hat drei Tage zuvor im kleinen Kreis festgestellt: „Der Islam gehört nicht zu Deutschland. Die Muslime aber aber schon.“ Das Thema ist offenbar alles andere als ausdiskutiert. Wenn deswegen heute Abend wieder tausende Menschen in Dresden protestieren, dann lässt sich ihnen immerhin zu Gute halten, dass sie nicht die einzigen sind, die ein Kommunikationsproblem haben.

Wer hat Schuld an der schwarzen Null?

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat schon 2014 die „schwarze Null“ erreicht. Er hatte für 2014 noch mit einer Nettokreditaufnahme in Höhe von 6,2 Milliarden Euro gerechnet, offenbar war das zu hoch gegriffen, was den Minister jetzt natürlich freut. Er kann sich den Erfolg an seine Brust heften, muss sich den Orden aber mit Mario Draghi teilen. Es sind jene Dauertiefzinsen, die Draghi erzeugt, die Schäuble schließlich geholfen haben. Und dass das Leben ohne Zinsen uns alle mehr kostet, das hat Schäuble heute einfach mal weggestrahlt.

Größenwahn

Es gibt Autos, die beworben werden. Das sind solche, die fast keinen Sprit mehr verbrauchen. Solche, die ihren Fahrer und seine Wünsche kennen. Solche, die der Wasserstoff antreibt. Zu besichtigen waren sie alle bis zur vergangenen Woche bei einer Technologiemesse in Las Vegas. Und es gibt Autos, die gekauft werden. Sie werden seit heute Abend auf der größten US-Automesse in Detroit gezeigt. Ein Mercedes SUV schafft zwölf Liter Verbrauch, die von Ford kommen sogar auf 14. In Detroit regiert nicht Nachhaltigkeit, sondern Größenwahn. Bei Mercedes können sie übrigens beides.

Noch ein Gedicht

Wir haben heute innerhalb von vier Stunden mit unserem Online-Angebot 2,7 Millionen Menschen bei Facebook erreicht. Sehr viele von ihnen stolperten über eine Mitteilung, die uns eine Schülerin gesandt hat. Was sie schrieb, möchte ich Ihnen weiterreichen. Zum Nachdenken über Bildung. Naina, so heißt sie, schreibt: „Ich bin fast 18, habe keine Ahnung von Steuern, Miete und Versicherungen. Aber ich kann eine Gedichtsanalyse schreiben. In vier Sprachen.“

Einen dichterischen Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Kommentare (3)

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Frau Ich Kritisch

12.01.2015, 20:05 Uhr

zu "noch ein Gedicht"

Das Leben (Miete, Versicherung, Steuern) lernt man daheim. Dafür hat man Eltern. Die können einem das zeigen, können es erklären - wenn man denn bereit ist zuzuhören und von ihnen etwas zu lernen.

In der Schule erhält man Bildung - die soll einen befähigen zu studieren :-)

Herr Marcus T.

13.01.2015, 07:18 Uhr

So habe ich das auch gelernt...
Aber leider sind diese Zeiten, in denen der gesunde Menschenverstand und Eigeninitiative in unserer Gesellschaft und vor allen unserer Politik noch in nennenswertem Umfang anzutreffen war anscheinend leider vorbei. Heute beschränkt sich unsere durchwegs kranke Gesellschaft darauf, sämtliche Verantwortung und auch Entscheidungen abzuschieben - sei es zum Thema Finanzen/Altersvorsorge, Erziehung, Konflikte, Bildung oder auch Familie/Beziehung. Was sagt uns das? Aller Bürokratie zum trotz: Rechtsanwalt, Steuerberater, Psychologe, Sozialpädagoge/Erzieher oder freier Finanzberater muss man sein - dann hat man im Regelfall einen sicheren Job + einigermaßen gute Karriereaussichten.

Herr Volker Riegel

13.01.2015, 13:09 Uhr

In der Tat. Es erstaunt mich immer wieder wie wenig viele Menschen über Finanzen und Versicherungen Bescheid wissen. Aber es ist nicht so, dass man bspw. als unabhängiger Finanzberater oder Versicherungsmakler deswegen traumhafte Zustände hätte. Es wäre vermutlich so wenn alle wüssten wo man am besten beraten wird und dass das unterm Strich zwar nicht kostenlos, aber doch sinnvoll ist.

Gerade weil viele so wenig wissen funktionieren solche Strukturvertriebe wie bspw. DVAG, AWD (jetzt Swiss select), Bonnfinanz etc.

Wäre das Wissen überall da, gäb es nur noch hoch qualifizierte unabhängige Honorarberater. Aber die könnten sich dann viele wieder gar nicht leisten.

Gar nicht so einfach, das Thema mit der (Finanz)-Bildung.

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