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31.08.2012

18:16 Uhr

Was vom Tage bleibt

Auf der Flucht vor der eigenen Regierung

VonFlorian Kolf

Spaniens Sparer nehmen sich die Griechen zum Vorbild, der Skandalbank UBS traut man mittlerweile fast alles zu und fehlender Corpsgeist kann Millionen kosten. Der Tagesrückblick

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Wunderschönen guten Abend,

Spanien im Teufelskreis

Spanien erlebt jetzt, was Griechenland schon seit über einem Jahr massiv schwächt: Sparer verlieren das letzte Vertrauen in die eigene Regierung und bringen ihr Geld massenweise ins Ausland. Insgesamt 219,8 Milliarden Euro wurden in den ersten sechs Monaten des Jahres aus Spanien abgezogen, im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren noch mehr als 20 Millionen Euro ins Land geflossen. Das Land gerät in einen Teufelskreis, denn so verliert es immer mehr Kaufkraft - und für die Regierung wird es noch schwieriger. Statt dessen steigen die Immobilienpreise in Berlin, denn auch mit der Investition in deutsches Betongold haben die Griechen den Weg gewiesen.

UBS kommt nicht aus den Schlagzeilen

Fluchtgeld ganz anderer Art ist jetzt offenbar bei der UBS gelandet. Angeblich soll sie Korruptionsgelder verwaltet haben, die aus der illegalen Abholzung von Regenwäldern in Malaysia stammen. Noch sind es nur Vorwürfe, aber die Staatsanwaltschaft ermittelt bereits wegen Geldwäsche. Doch das schlimmste ist: Der Ruf der einst so stolzen Bank ist durch zahlreiche Skandale so ruiniert, dass man die Vorwürfe sofort glauben möchte. Ob sich der ehemalige Bundesbankchef Axel Weber wirklich im Klaren darüber war, welchen Saustall er ausmisten muss, als er den Vorsitz im Verwaltungsrat der Bank übernahm?

Der "Lufthanseat" ist Geschichte

Ein historischer Konsens ist zerstört: Erstmals haben die Flugbegleiter von Lufthansa tatsächlich gestreikt. Jahrzehntelang wäre dies undenkbar gewesen, der Corpsgeist der "Lufthanseaten" war legendär. Die Piloten haben angefangen ihre Einzelinteressen gegen das Wohl des Unternehmens durchzusetzen, nun sieht auch das Kabinenpersonal nicht mehr ein, aus Solidarität zurückzustecken. Doch auch die Konzernleitung ist an der Entwicklung nicht unschuldig. Wer mit Leiharbeit und Lohndumping liebäugelt, der fördert nicht die Identifikation der Mitarbeiter mit dem Unternehmen. Jetzt zeigt sich: Corpsgeist kann Millionen wert sein.

Bestürzung über den Tod von Norbert Walter

Sonst wird in den Kommentarspalten von Handelsblatt Online gerne mal gepöbelt und einig sind sich die Leser dort nie. Doch heute war einmal alles anders. Der plötzliche Tod von Norbert Walter hat nicht nur allgemein Bestürzung ausgelöst, sondern auch unsere Leser in den Beileidsbekundungen geeint. Alle haben gespürt, dass der ehemalige Chefvolkswirt der Deutschen Bank nicht nur ein streitlustiger und meinungsfreudiger Ökonom war, sondern zugleich auch ein glaubwürdiger Mensch mit einem zutiefst freundlichen Charakter. Es sind solche Persönlichkeiten, die es nicht oft in der deutschen Öffentlichkeit gibt - und die uns bitter fehlen.

Was fehlt? Die Transparenz, die Ergo-Chef Torsten Oletzky bei der Aufklärung der Lustreisenaffäre eigentlich versprochen hatte. Heute hat er dem Handelsblatt per einstweiliger Verfügung verboten, den Revisionsbericht weiter zu zeigen, der detailliert beschreibt wie Vertreter mit käuflichem Sex motiviert werden sollten. So leicht kommt er aber nicht aus den Schlagzeilen.

Ich wünsche Ihnen einen anregenden Feierabend,

Florian Kolf

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Kommentare (2)

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Account gelöscht!

31.08.2012, 18:47 Uhr

Die UBS ist sogar noch krimineller. Sie verkauft sogar ihre eigenen Mitarbeiter, wenn es ums Geld geht,hahahahahaha!!!

PikAs

31.08.2012, 20:15 Uhr

Müssten nicht auch wir auf der Flucht vor der eigenen Regierung sein?

http://www.goldseitenblog.com/peter_boehringer/index.php/2012/08/31/die-direkte-demokratie-senkt-daumen-uebe

aus dem Inhalt:
Wehren wir uns gegen die fatalen und (unsere) Existenz gefährdenden Lügen der Politik. In einem lichten Wahrheitsmoment gab inzwischen schon Carsten Schneider (finanzpolitischer Sprecher SPD-Bundestagsfraktion) zu, dass die mit EFSF und via EZB und Target2 etc. eingegangenen Risiken (= künftigen Verluste) Deutschlands bereits heute nicht bei den offiziell genannten 190 bzw. 310 Mrd EUR liegen, sondern die Billionengrenze schon überschritten haben. Zitiert wurde Schneider übrigens ganz offen und coram elito im Rahmen der oben unter 2. genannten Veranstaltung! Alle Mächtigen wissen, was Wir-das-Plebs partout nicht wissen sollen. Es darf und muss daher Vorsatz unterstellt werden. Die Unwissenheits-Behauptung wird die Parlamentarier später vor Strafe nicht schützen.

Auch lesenswert:
http://www.propagandafront.de/1129620/finanz-armageddon-die-11-phasen-des-system-zusammenbruchs.html

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