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02.09.2015

18:46 Uhr

Was vom Tage bleibt

Bald fällt der Schlagbaum

VonStefan Menzel

Die EU findet keine Antwort auf den Flüchtlingsansturm, der VW-Chef bleibt länger. Bei der Lufthansa droht Streik, für AKW werden Zwangsrückstellungen fällig und Betrüger tricksen Wikipedia aus. Der Tagesrückblick.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Europa wackelt

Das Elend nimmt kein Ende. Tausende Flüchtlinge sind auf Europas Bahnhöfen gestrandet, wieder sind Menschen im Mittelmeer zwischen der Türkei und Griechenland ertrunken. Europas Regierungen reden zwar darüber, dass etwas gemeinsam unternommen werden soll. Doch außer Spesen nichts gewesen, jedes Land agiert weitestgehend für sich allein. Es wird nicht mehr lange dauern, dann werden an den Grenzen die Schlagbäume aus Verzweiflung heruntergehen. Europa steht vor einem gewaltigen Rückschritt – das freie Schengen-Land dürfte es bald nicht mehr geben.

Spätes Ende

Martin Winterkorn hat die Schlacht gegen seinen früheren Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch erfolgreich geschlagen. Als Belohnung dafür bekommt der VW-Vorstandsvorsitzende gleich noch einen neuen Vertrag – bis zum Jahr 2018 soll Winterkorn jetzt an der Spitze von Europas größtem Automobilkonzern stehen. Das Ganze hat nur einen Schönheitsfehler: Der VW-Chef wird in drei Jahren 71. Andere Unternehmen beginnen deutlich früher mit der Verjüngung der Konzernspitze.

Schon wieder

Bei der Lufthansa steht der nächste Piloten-Streik vor der Tür – und die Konkurrenz lacht sich ins Fäustchen. Jede neue Arbeitsniederlegung dürfte bei Emirates & Co. Freudenstürme auslösen. Die Kunden werden sich ebenfalls bedanken und nach Alternativen suchen. Mit dem Zug geht es gut innerdeutsch voran, gerade wegen der wiedergewonnenen Zuverlässigkeit nach dem Ende der Lokführer-Streiks. Für längere Strecken gibt es zum Glück noch andere Airlines. Eine Lufthansa im Dauer-Streik braucht niemand.

Altes Spiel

Zwischen der Bundesregierung und den deutschen Energiekonzernen herrscht ein gesundes Misstrauen. Auslöser ist natürlich die von der Regierung verordnete Zwangsabschaltung der Atommeiler. Allzu gern hätten Eon & Co. ihre Kernkraftwerke noch länger laufen lassen. Die Politik hat große Zweifel daran, dass die Stromkonzerne die Rückstellungen für den Abriss der AKW tatsächlich aufbringen werden. Völlig zu Recht. Deshalb ist es nur konsequent, dass die Unternehmen jetzt per Gesetz zur Bildung der Rückstellungen verpflichtet werden. Denn wir kennen das Spielchen nur allzu gut: Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren.

Bitte mit Vorsicht

Wikipedia ist aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Der gute alte Brockhaus hat ausgedient, der schnelle Blick ins Netz ist viel komfortabler. Findige Betrüger haben das natürlich schon lange erkannt und manipulieren deshalb Wikipedia-Daten zu ihren Gunsten. Das Wikipedia-Angebot ist trotzdem noch gut. Der jüngste Betrugsskandal um Wikipedia lehrt uns allerdings, dass die Daten im Netz mit einer gewissen Vorsicht zu genießen sind. Und zwar nicht nur bei Wikipedia, sondern überall im Internet.

Einen schönen Abend, ganz ohne Betrügereien, wünscht Ihnen

Stefan Menzel

Kommentare (15)

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Herr C. Falk

02.09.2015, 19:05 Uhr

Na ja, Herr Menzel, aus "Verzweiflung" werden die Grenzbäume nicht niedergehen, sondern aus reinem poltischen Pragmatismus, weil alles andere nicht mehr verantwortbar ist. Verantwortbar ist nicht, dass zugeschweißte Transporter ohne Kontrolle die ostrreichisch-deutsche Grenze passieren und Menschen ihr Leben durch Ersticken einbüßen.

Herr C. Falk

02.09.2015, 19:15 Uhr

Was ist übrigens mit den Kommentaren zur Kolumne von Herrn Alaous passiert?
Absicht oder technische Unregelmäßigkeiten?

Das würde Ihre Leser schon interessieren.

Herr Michael Kirsch

02.09.2015, 19:35 Uhr

Ich denke die Rechtsabteilung des HB hat die Aufforderung meines Anwalts befolgt. Das Risiko einer Klage war denen zu groß. Vom Imageschaden ganz zu schweigen.
Ich meine, wenn ich PI lesen möchte gehe ich auf deren Homepage. Da brauche ich das Handelsblatt nicht für.

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