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04.06.2012

18:15 Uhr

Was vom Tage bleibt

Bange machen gilt nicht!

VonOliver Stock

Die Stimmung an der Börse ist schlecht, obwohl die Nachrichten nicht schlechter sind als sonst. Die Koalition schließt einen teuren Frieden. Schlecker entfacht den Neid. Der Tagesbericht.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Alles geht den Bach runter

Was ist eigentlich passiert? Griechenland steht so klein und labil da, wie vor vier Wochen. Für Portugal hat die EU heute die nächste Tranche des Rettungspakets freigegeben. Das bedeutet: Das Land erfüllt seine Spar-Hausaufgaben geräuschloser als andere. Spanien will nicht unter den Rettungsschirm, könnte aber. Und dennoch kennen die Börsen nur eine Richtung: nach unten. Den Dax hat es heute sogar zeitweise unter die Marke von 6000 Punkten verschlagen. Liebe Anleger: Wenn keiner gegen den Strom schwimmt, geht irgendwann alles den Bach runter. Wann schwimmt hier mal bitte jemand gegen an?

Ausgabenweltmeister

Deutsche Politik funktioniert so: Wenn der eine sagt, er will das nicht, weil es zu teuer ist, und der andere sagt, er will etwas Anderes nicht, weil es noch teurer ist, dann wird garantiert beides gemacht. So haben sich heute die Spitzen der Regierungskoalition Herr Seehofer, Herr Rösler und Frau Merkel darauf geeinigt, dass Seehofer sein Betreuungsgeld für zu Hause erziehende Eltern und Rösler die finanzielle Förderung privater Pflege-Zusatzversicherungen bekommt. Die beiden wiederum haben der Kanzlerin dann versprochen, fast nie mehr über ihren harten Eurokurs zu meckern. Dass sich die Berechtigung andere zum Sparen zu nötigen, daraus herleitet, selbst kein Ausgabenweltmeister zu sein - das haben die drei heute glatt vergessen.

Ungefiltert bitte!

Mercedes-Fahrer sind nicht ohne. Nun kommt raus: Mercedes-Bauer auch nicht. Die Staatsanwaltschaft Stuttgart bestätigt heute jedenfalls, dass sie gegen Mitarbeiter des Stuttgarter Dax-Konzerns ermittelt, die einem Filterhersteller Aufträge zugespielt und dafür Belohnungen kassiert haben sollen. Uns würde jetzt die ganze Geschichte interessieren. Ungefiltert.

Wer ist Deutschland?

Deutschland vollzieht die Energiewende. In dieser Aussage stecken zwei Unbekannte. Die erste: Wohin wendet sich die Energieversorgung? Und die zweite: Wer ist Deutschland? Der Bundesverband der Deutschen Industrie fängt beim zweiten Punkt an. Er kann nicht erkennen, wer zuständig ist, beklagt Kompetenzwirrwarr und verlangt jetzt, die Energiewende zur Chefsache zu machen. Wer Chef ist, sagt der BDI aber leider auch nicht so genau. Vermutlich Frau Merkel. Als hätte die nicht genug an der Backe.


Was nach der Pleite bleibt

Was bleibt den Schleckers? Die Frage taugt hervorragend für eine Diskussion für alle die, die neidisch sind. Die Antwort ist: Im Vergleich zu dem, was die Familie vor der Pleite besaß, bleibt ihr nur ein Bruchteil. Im Vergleich zu dem, was andere Leute so ihr Eigen nennen, ist es noch immer eine Menge. Ärgerlich? Nein. Von der Idee, dass Unternehmer, die eine Pleite hinlegen, fortan im Büßergewand gehen müssen, sind weltweit nur die Deutschen überzeugt.

Viel Spaß beim Diskutieren der letzten Frage wünscht Ihnen

Oliver Stock

Kommentare (6)

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Geld_regiert_alle_schlafen

04.06.2012, 19:47 Uhr

Wenn keiner gegen den Strom schwimmt, geht irgendwann alles den Bach runter. Wann schwimmt hier mal bitte jemand gegen an?
---
Muhahaha, wacht die seit Jahren [...] schlafende Journalie endlich auf?
Ihr [...] seid doch mitverantwortlich dafür, daß jetzt alles den Bach runter geht.
Seit Jahren immer [...], zu oft die falschen Fragen gestellt und der Regierungskoalition nach dem Mund geschrieben.
Da musste damals in der Bundespressekonferenz bei Westerw[e]ll[e], Merkel und Seehofer erst ein Holländer Rob Savelberg kommen um die schlafende Pressemeute für einen Tag wach zu rütteln.
http://www.youtube.com/watch?v=XaWE8K2nRVs

Danach wieder kollektiver Tiefschlaf der deutschen Medien, zum EFSF zum ESM.
DIE NÄCHSTE FRAGE!
Warum in aller Welt wird nicht über dieses ESM Desaster berichtet. Warum wird nicht recherchiert und veröffentlicht, was es wirklich für Deutschland bedeutet, wenn die Politik tatsächlich gegen den Mehrheitswillen der Deutschen zustimmt?
Lieber Oliver Storck, [...] machen Sie sich nicht mit einer Sache gemein (ESM), der den Ausverkauf Deutschlands und den deutschen Staatsbankrott bedeutet.
[...] schreiben Sie gegen diese EU-Dikt[at]ur an und lassen es nicht zu, das 650 Berliner Bankster- und Wirtschaftslobbyisten über das zukünftige Schicksal von 82 Millionen bestimmen können. So war die parlamentarische Demokratie nicht angedacht!
Kein Wunder das so viele kriminell sind, wenn sie merken, der Staat ist viel krimineller als sie selbst sind.
[+++ Beitrag von der Redaktion editiert +++]




ForzaEURO

04.06.2012, 23:45 Uhr

Über die Familie Schlecker haben wir gestern in unserer Familie in trauter Runde am Kaffetisch gesprochen. Wir fanden in einem gemeinsamen Tenor, dass doch der Herr Schlecker über ziemlich lange Jahre viele Arbeitsplätze geschaffen hat.

So, nun hat die Familie Schlecker und ihre Mitarbeiter mit ihrem Familenunternehmen eine Insolvenz erlitten und wir haben uns schon die Augen gerieben, dass sich jetzt in Deutschland gewisse Leute öffentlich über die Frage auseinandersetzen, wie man dieser Familie auch noch den Rest des Geldes über den Insolvenzverwalter abnehmen könnte.

Es ist schon interessant, welche Sorgen sich deutsche Bürger um das Vermögen anderer machen.

Die Gerichtsvollzieher können ein Lied davon singen, wie sich manche Privatgläubiger aufführen, wenn es um die Durchsetzung ihrer Forderungen geht. Die Menschlichkeit befindet sich dann im Ausnahmezustand. Dies wäre sowieso mal eine spannende Geschichte für das Sommerloch.

Man kann mit Spanien, Irland, Schleckers, Commerzbank, Dexia, HSE, Depfa, Müller und Maier würdevoll umgehen, selbst wenn sie Schuldner sind. Es stünde vielen Deutschen gut zu Gesicht, wenn sie häufiger den Ton zu treffen versuchten. Man muss, nur weil man freundlich bleibt, nicht gleich seine Position aufgeben - siehe England und die Engländer.

In diesem Sinne wünsche ich der Familie Schlecker alles Gute und weiterhin bald wieder viel Erfolg.

Uns Deutschen würde ich wünschen, dass etwas mehr Respekt vor anderen Meinungen, Lebensweisen und Nöten gepflegt würde. Es stünde uns gut zu Gesicht die Freiheit des anderen zu respektieren und nicht immer nur die eigene Freiheit zu meinen.

In diesem Sinne haben wir Europa als Deutsche dringend nötig.

Account gelöscht!

04.06.2012, 23:47 Uhr

Alle Korrespondenzen haben doch was für sich.
Durch die Unvernunft aller Menschen versüßen wir auf Pump unser Leben. Besonders unsere so genannten Eliten schöpfen das Kapital ohne Ende vom Volk ab. Wie sollen durch mehr Schulden (Rettungsschirm) alte Schulden jemals bereinigt werden?
Solange die Banken mit dem Euro milliardenschwere Gewinne erzielen können, ist keine Änderung erwünscht, es sei denn, die Bankmanager werden zum Umdenken gezwungen. Hier müssen alle Medien permanent Druck machen.

Um die europäische wirtschaft anzukurbeln benötigen die Südländer eine –weiche- Währung, z.B. den Südeuro mit einem Wechselkurs von etwa 2:1. Wird keine –weiche- Währung für die Südländer eingeführt, fahren wir die europäische Wirtschaft systematisch an die Wand.
Die Wettbewerbsfähigkeit steigt durch die –weiche- Währung. Erholen sich dadurch Griechenland, Portugal, Spanien, Italien und Frankreich wird automatisch auch die Jugendarbeitslosigkeit sinken. Haben die Bürger in diesen genannten Südländern wieder ein vernünftiges Einkommen, können Produkte aus Deutschland wieder gekauft werden. Bleiben wir bei der harten Währung in den Südländern, bricht die Wirtschaft dort zuerst zusammen, was Deutschland in große Schwierigkeiten bringen wird. In diesen zusammenhängen ist der Irrsinn der Rettungsschirme offensichtlich.

Wirtschaftliche Gesetzmäßigkeiten können nicht durch politischen Starrsinn ausgehebelt werden.

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