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27.02.2013

18:01 Uhr

Was vom Tage bleibt

Beleidigte Clowns

VonFlorian Kolf

Steinbrück findet die richtigen Worte – auch wenn es weh tut. Der Bundesrat schützt die Bürger vor dem Staat. Und Deutschlands erfolgreichste Bankerin und der Papst haben etwas gemeinsam. Der Tagesrückblick

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Florian Kolf ist Managing Editor des Handelsblatts.

Wunderschönen guten Abend,

Kein Blatt vorm Mund

Bei aller Diskussion um Fettnäpfchen ist es doch auch immer wieder erfrischend, wenn der SPD-Kanzlerkandidat kein Blatt vor den Mund nimmt. „Bis zu einem gewissen Grad bin ich entsetzt, dass zwei Clowns gewonnen haben“, hatte Peer Steinbrück die Parlamentswahl in Italien kommentiert. Italiens Staatspräsident Giorgio Napolitano fand das gar nicht lustig und sagte jetzt ein geplantes Treffen mit Steinbrück ab. Am Nachmittag gab es dann wenigstens noch ein klärendes Telefongespräch. Napolitano hat recht: Das war nicht lustig, das war leider die bittere Wahrheit. Doch wenn die Italiener von uns erwarten, dass wir ihre demokratische Entscheidung respektieren, dann müssen sie auch ertragen, dass wir Clowns und Populisten beim Namen nennen.

Bürger schützt eure Daten

Wer je die Frage gestellt hat, ob die Zustimmungspflicht des Bundesrates zu zahlreichen Gesetzen eine wichtige demokratische Funktion hat, für den ist das neue Meldegesetz ein Anschauungsbeispiel. In einer Nacht- und Nebel-Aktion, als der Bundestag wegen des Fußballländerspiels gegen Italien fast leer war, hatte das Parlament beschlossen, dass Meldeämter Daten der Bürger ohne zu fragen an Unternehmen verkaufen dürfen. Diese Regelung hat der Bundesrat zum Glück kassiert. In dem jetzt im Vermittlungsausschuss gebilligten Kompromiss heißt es, dass der Bürger der Weitergabe ausdrücklich zustimmen muss. Verbraucherschützer fürchten zwar immer noch Missbrauch. Aber das Schlimmste wurde abgewehrt.

Rückzug der Spitzenbankerin

Die Frauenquote in den Top-Etagen der Banken in Deutschland ist nicht hoch. Um so erstaunlicher ist es, dass ausgerechnet die Frau von Commerzbank-Chef Martin Blessing einen Spitzenjob bei der Investmentbank Goldman Sachs hat. Man muss besser sagen: hatte. Denn die erfolgreiche Bankerin hat jetzt überraschend hingeworfen. Sie will mit 45 Jahren darüber nachdenken, was sie in der zweiten Hälfte ihres Berufslebens machen will, sagt sie. Vielleicht berät sie ja künftig ihren Mann. Der kann bei seiner Performance bei der Commerzbank ja durchaus Unterstützung gebrauchen.

EADS im Höhenflug

War da was? Haarrisse in den Flügeln des Großraumjet A380, Produktionsverzögerung beim Langstreckenflieger A350. Schlechte Nachrichten begleiteten den europäischen Flugzeugbauer in den vergangenen Monaten wie das Amen den Papst. Und nun sollen ausgerechnet Verkaufsrekorde bei Airbus der Muttergesellschaft EADS glänzende Zahlen beschert haben? Das Rätsel lässt sich leicht auflösen. Das Mittelstreckenflugzeug A320, der Bus des Luftverkehrs sozusagen, sorgt für die Hauptlast des Geschäfts. Doch in die Zukunft trägt das nicht, der A320 ist ein altes Flugzeug, dieser Boom ist endlich. Die Zukunftshoffnung ist der A350. Und wenn der nicht gegen den Dreamliner von Boeing die Lufthoheit gewinnt, ist es mit dem Erfolg rasch wieder vorbei.

Was fehlt? Ein Oberhaupt tritt ab, heute absolvierte er seinen letzten öffentlichen Auftritt. In seiner Amtsführung kann man ja durchaus geteilter Meinung über die Leistung von Papst Benedikt XIV. sein. Doch in seinem Rücktritt war er Vorbild für viele Führungskräfte. Er hat seine eigenen Grenzen erkannt und rechtzeitig den Weg frei gemacht für die nächste Generation.

Ich wünsche auch Ihnen diese Weitsicht – nicht nur am Feierabend.

Florian Kolf

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Kommentare (18)

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Wahrheitssucher

27.02.2013, 18:16 Uhr

Lieber Florian Kolf,

Warum schreiben Sie hier nicht mal die Wahrheit, wer eigentlich mit den Milliarden von Euro-Hilfspaketen tatsächlich gerettet wird? Warum recherchieren Sie nicht mal, wer die ganzen Hilfstranchen kassiert, wer bekommt eigentlich das Geld aus den Rettungspaketen?
Das wäre eigentlich ihre Aufgabe als Journalist!!!
Ihr Kollege vom Tagesspiegel Harald Schumann zeigt da wesentlich mehr Biss und journalistischen Ergeiz:

http://www.youtube.com/watch?v=Du7moCxj-Do

Warum ist das beim Holtzbrick-Verlag/Handelsblatt nicht so?
Stehen dort wirtschaftliche Interessenslagen gegen aufklärenden Journalismus und Wahrheitsfindung?
Warum sind Sie eigentliuch überhaupt „Journalist“ geworden, wenn Sie keinerlei Interesse daran zeigen, die tatsächlichen Sachverhalte der Eurokrise dem Leser ihrer Kolumne nahezubringen?

Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Abend.




Sarina

27.02.2013, 18:25 Uhr

Steinbrück findet die richtigen Worte – auch wenn es weh tut.
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Wenn das so ist, werden Sie, Herr Kolf, wohl nichts dagegen haben, wenn ich behaupte, dass Sie aussehen, als seien Sie gerade aus einer Mülltonne gekrochen. Eine so erbärmliche Performance, wie Sie auf dem Foto oben abgeben, ist für das Handelsblatt aus meiner Sicht eine glatte Katastrophe!

Florian_Kolf

27.02.2013, 18:37 Uhr

Wenn Sie so viel Wert auf Äußerlichkeiten legen, schicken Sie doch mal ein Foto von Ihnen, ich veröffentliche es gerne und lasse dann die Leser abstimmen, wer ihnen besser gefällt. Viele Grüße, Florian Kolf

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