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20.08.2012

18:32 Uhr

Was vom Tage bleibt

Benzin ist noch zu billig

VonOliver Stock

Je stärker, je lieber: Die Deutschen kaufen gerne große Motoren. Je teurer, je schlechter: Die Bundesbank warnt vor der EZB. Der Tagesbericht.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Erfolgloser Protest

Wie drückt sich ein Sprecher aus, wenn sein Chef etwas für schlecht befindet? „Rein abstrakt gesprochen ist solch ein Instrument sicher sehr problembelastet“, sagte Wolfgang Schäubles Sprecher Martin Kotthaus heute und meinte damit den möglichen Anleihekauf der EZB. Die Bundesbank selbst ist da schon deutlicher: Sie halte, schreibt sie in ihrem heute erschienenen Monatsbericht, „an ihrer Auffassung fest, dass insbesondere Staatsanleihenkäufe des Eurosystems kritisch zu bewerten und nicht zuletzt mit erheblichen stabilitätspolitischen Risiken verbunden sind.“ Wenn so viele mit so unterschiedlicher Vehemenz protestieren, wird es spannend, was passiert, wenn die EZB dann doch auf Einkaufstour geht.


Sprit ist zu billig


Die Deutschen leisten sich immer stärkere und damit auch durstigere Motoren. Die durchschnittliche PS-Zahl von Neuwagen in Deutschland hat einen neuen Höchstwert erreicht und lag in den ersten sieben Monaten dieses Jahres bei 138 Pferdestärken, drei mehr als im Vorjahreszeitraum. Abgesehen davon, dass mir niemand erklären kann, warum zum Beispiel zum Kauf von einem Liter Milch, die im Kühlschrank fehlt, durchschnittlich 138 PS in Gang gesetzt werden müssen, soll mir doch bitte jeder dieser Autokäufer, der über den heutigen Rekord beim Spritpreis jammert, gestohlen bleiben.

Obamas Clou

Das erfolgreichste Konjunkturprogramm in den USA legt nicht die Fed durch ihr billiges Geld auf, sondern es hat Präsident Obama mit seiner Gesundheitsreform in Gang gebracht. Da sich die Zahl der versicherten Amerikaner schlagartig erhöhen wird, boomen die Krankenversicherer und werden zu einem heißgeliebten Objekt der Begierde. Ein 7,3 Milliarden Dollar Deal, bei dem der Versicherer Aetna den Rivalen Coventry kauft, ist deswegen alles andere als eine Überraschung. Überraschend ist aber die Vehemenz mit der Obamas Gegenspieler Mitt Romney die Reform bekämpft. Der Deal heute macht klar: Auch als Mann der Wirtschaft könnte Romney der Reform eigentlich etwas abgewinnen.

Achim, bleib doch noch ein bisschen!

Heute haben verschiedene Menschen über „Achim“ geflucht: Weinbauern befürchten, er könnte die empfindliche Haut der Trauben versengen. Pilzsammler glauben, kein einziger Stängel werde wegen Hoch „Achim“ aus dem Boden sprießen. Kapitäne sind unglücklich, weil sie zu wenig Wasser unterm Kiel spüren. Und überhaupt: diese Hitze! Wir aber rufen: „Achim, wir werden Dich vermissen!“ Wenn erst deine Nachfolgerin „Zenja“ den Regen bringt, müssen wir uns wieder beschwichtigen und im Stillen zu uns sagen: Schön, dass es regnet, auch in der kleinsten Pfütze spiegelt sich der Himmel.

Einen kühlen Kopf wünscht Ihnen

Oliver Stock

Kommentare (24)

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Bengel01

20.08.2012, 19:06 Uhr

Lieber Herr Stock,
Ihr Kommentar zum Thema Spritpreise geht gleich in zweifacher Hinsicht an der Sache vorbei: Zum einen behaupten Sie gleich im ersten Satz Ihres "Benzinpreis-Kommentars", dass stärkere Motoren auch immer durstiger seien. Das Gegenteil ist der Fall: Seit Jahren optimieren die Autohersteller die Motorentechnik, senken gleichzeitig das Fahrzeuggewicht und arbeiten an besseren Luftwiderstandswerten. Das Ergebnis ist stets, dass die neuen Modelle spritsparender, GLEICHZEITIG aber auch leistungsstärker werden. Falls Ihnen das noch nicht aufgefallen sein sollte, empfehle ich eine kurze Rücksprache mit Ihrer Auto-Redaktion. Zum anderen kritisieren Sie, dass angeblich gerade die Deutschen PS-starke und damit angeblich spritschluckende Autos kaufen würden. Abgesehen, dass dieser Zusammenhang - wie oben dargelegt - so nicht existiert, sollten Sie besser mal in die USA oder in den asiatischen Raum blicken. Dort greift man tatsächlich eher zu Fahrzeugen mit großem Hubraum, die in der Tat vergleichsweise durstig - aber nicht zwingend leistungsstärker - sind. In Deutschland ist aber gerade ein umgekehrter Trend festzustellen, auf den die Autoindustrie mit dem sog. "downsizing" bereits antwortet. Im Übrigen ist es m.E. reine Privatsache, mit welchem Auto Mann oder Frau einkaufen fährt. Insoweit können Sie mir mit Ihrem "politisch korrekten" Kommentar, der auch noch von unzutreffenden Tatsachen ausgeht, gestohlen bleiben. Einen schönen Abend noch.

Holzkopf

20.08.2012, 19:18 Uhr

@Stock

ich glaube, daß der Spritpreiskommentar ironisch gemeint ist,
ansonsten muß man sich fragen :
welches Auto fahren Sie ?
wie sind Sie zum Chefredakteur geworden, durch verlosen ?
ne, das war ironisch.

flok

20.08.2012, 19:27 Uhr

Lieber Bengel,

dass der technologische Fortschritt Motoren effizienter und den Luftwiderstand geringer gestalten konnte, ist richtig. Dass Fahrzeuge heute jedoch sogar noch weniger verbrauchen könnten, wenn nicht parallel die Leistung angehoben worden wäre, ist aber genauso richtig.

Auch Ihnen einen schönen Abend.

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