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22.11.2012

18:34 Uhr

Was vom Tage bleibt

Berater balgen sich um Steinbrück

VonOliver Stock

Der Kanzlerkandidat ist derzeit nicht vom Glück verfolgt. Die Deutsche Bahn hat Pech mit Siemens. Der Lehman-Insolvenzverwalter dagegen wittert das ganz große Geschäft. Der Tagesbericht.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Steinbrücks Beraterwettlauf

Peer Steinbrück wollte den Unternehmer Roman Maria Koidl zu seinem Berater machen. Er hat davon Abstand genommen, weil Koidl so etwas wie ein bunter Hund ist. Die Personalie werde ihm „Pech bringen“, schrieb ihm außerdem ein anderer PR-Berater. „Wie können Sie ungeprüft solch einen Mann für sich gewinnen wollen, nachdem Ihnen jüngst schon das ein oder andere Missgeschick passiert ist?“, schrieb der andere PR-Berater, der übrigens Moritz Hunzinger heißt. „So wird man nicht Bundeskanzler“, endet Hunzinger. Hätte Steinbrück also statt Koidl lieber Hunzinger nehmen sollen? Das nun auch wieder nicht. Denn der Herr Hunzinger bringt nicht automatisch jedem Glück. Den Grünen-Politiker Cem Özdemir brachte 2002 ein Darlehen von Hunzinger in Bedrängnis.

Ausschalten - Einschalten - Geht wieder

Siemens muss die Software für die neueste Generation der ICE-Züge überarbeiten. Deswegen werden 16 Züge später an die Bahn ausgeliefert. Damit wird es eng im Winterfahrplan. Aus dem Siemens-Thema wird am Ende ein Bahn-Thema. Denn die Transporteure müssen es aushalten, wenn die Kunden motzen. Das Erstaunliche ist, dass Siemens und die Bahn nicht wie sonst technische Störungen während des laufenden Betriebs beheben. Einer Software, die nicht macht, was sie soll, ist doch meistens mit „Ausschalten - Einschalten - Geht wieder“ geholfen. Und das ist doch nun wirklich ein Vorgang, an den wir Bahnfahrer uns prima gewöhnt haben.

Ruhiger Puls

Den Puls der Euro-Krise fühlen immer diejenigen, die sich für Anleihen krisengeplagter Länder interessieren. Heute war Spanien dran. Und siehe da: Das Land hat sich zu günstigeren Bedingungen als zuletzt am Kapitalmarkt mit frischem Geld eingedeckt. Das als Anwärter auf den Euro-Rettungsschirm gehandelte Land bot den Investoren durch die Bank niedrigere Zinsen als bei den vorangegangenen Versteigerungen. 3,9 Milliarden Euro sammelten die Spanier ein. Für alle Euro-Doktoren heißt das: Der Pulsschlag hat sich beruhigt. Zumindest heute.

Lehman wird zur Chance

Wer beruflich Krisen als Chancen erkennt, dem zollen wir in der Regel Respekt. Bei einem Berufsstand machen wir aber komischerweise immer eine Ausnahme: bei den Insolvenzverwaltern. Sie sollen mit gesenkter Miene und möglichst für lau den Job des Bestatters - oder je nachdem - die Aufgabe des Reanimierers übernehmen. Michael Frege ist da von anderer Natur. Der Insolvenzverwalter der deutschen Lehman-Tochter sieht zumindest für sich die sagenhafte Chance, eine Rekordvergütung von bis zu 800 Millionen Euro für seine Arbeit zu berechnen. Anstatt nun neidisch zu werden, frage ich: Wo werden Sie eigentlich Ihr Geld anlegen?

Einen friedlichen Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Kommentare (4)

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Radiputz

22.11.2012, 19:22 Uhr

Hunzinger und Özdemir, diese Affaire war vor zehn Jahren. Özdemir ging nach Amerika und wurde "young leader".
Heute ist alles vergessen und vergeben.
Vielleicht sollte auch Steinbrück erst mal nach Amerika gehen und "young leader" werden und es in zehn Jahren noch einmal probieren.
Wie alt ist er dann?
Warum soll man in den Siebzigern wenn die Erfahrung gereift ist nicht Kanzler sein?
Gab´s doch schon mal in den glorreichen fünfziger Jahren.
Der Kanzler, das war der Rosenzüchter mit dem Hut.

Account gelöscht!

22.11.2012, 19:34 Uhr

Hallo, Oliver Stock

Steinbrücks Beraterwettlauf

"Die Personalie werde ihm „Pech bringen“, schrieb ihm außerdem ein anderer PR-Berater. „Wie können Sie ungeprüft solch einen Mann für sich gewinnen wollen, nachdem Ihnen jüngst schon das ein oder andere Missgeschick passiert ist?“, schrieb der andere PR-Berater, der übrigens Moritz Hunzinger heißt. „So wird man nicht Bundeskanzler“, endet Hunzinger."

Sie werden ja richtig unparteiisch,Herr Stock.
Wo habt Ihr die Mail her,direkt von Hunziger?
PR Mann eben.
Immer gleich draufhüpfen? DER lohnt das nicht.

Prof._Moritz_Hunzinger

22.11.2012, 19:51 Uhr

Unsinn, Herr Stock.
Ich brachte Özdemir großes Glück, denn ohne mein Darlehen, das ihm mein Mitarbeiter (und sein Freund Altincioglu) vermittelte, wäre er insolvent gegangen. Er war mir zu recht sehr dankbar für die schnelle Hilfe, die ihm seine gut verdienenden grünen Freunde von Joschka Fischer über Künast, Trittin zu Kuhn und Schlauch verwehrten. Nur ich habe pragmatisch geholfen.

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