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14.09.2012

17:51 Uhr

Was vom Tage bleibt

Bernanke macht den Greenspan

VonOliver Stock

Die Geldschleusen sind auf. Spanien schmeißt sich in den Geldfluss. Der deutsche Botschafter im Sudan muss sich verstecken. Japan steigt aus. Und Azubis besingen das Bankenwunderland. Der Tagesbericht.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Oliver Stock ist Chefredakteur von Handelsblatt Online.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Wie ist es Ihnen ergangen, als sie hörten, was der amerikanische Notenbankchef Ben Bernanke letzte Nacht angekündigt hat? Er öffnet die Geldschleusen. Haben sie jetzt Angst um ihr Erspartes? Zu Recht. Die Mär vom Gelddrucken ohne Druck auf den Geldwert zu erzeugen – die glauben wir nämlich jetzt nicht länger. Die US-Notenbank druckt seit Jahren mehr Geld als gut ist. Ihr billiges Geld für den Immobilienmarkt war der Auslöser für die Finanzkrise 2008. Wenn sie jetzt erneut Hypothekenpapiere kauft, begeht sie den gleichen Fehler ein zweites Mal. Sie schürt eine Blase. Kurzfristig hilft das, langfristig platzt dieses Geschäft mit den hinlänglich bekannten Folgen: Bankenkrise, Unternehmenskrise, Wirtschaftskrise. Diesmal können wir Europäer allerdings nicht mit dem Finger auf die US-Notenbank zeigen. Denn wir sind ja in Wahrheit keinen Deut besser. Der einzige Unterschied: Das Geld, das die Europäische Zentralbank druckt, geht nicht in den Hypothekenmarkt, sondern dient ziemlich direkt dazu, Schuldenstaaten über Wasser zu halten. Unterm Strich tragen damit wir Europäer genauso wie die Amerikaner dazu bei, dass die Schulden wachsen und das Geld seinen Wert verliert. Schlimm? Aus Sicht eines Sparers vielleicht schon. Denn so einer denkt in zwei Kategorien. Erstens: Wie kann ich meine Schulden bezahlen? Und zweitens: Wie kann ich mein Vermögen vermehren? Doch das, so müssen wir erkennen, sind die Kategorien des kleinen Mannes. Den richtig großen Jungs geht es längst nicht mehr darum, Schulden zu bezahlen. Sie refinanzieren, wenn es gut geht. Wenn das nicht klappt, drucken sie eben Geld. Willkommen in der Wirklichkeit.

Spanien macht ernst

Karlsruhe hat gesprochen. In Madrid haben sie es gehört. Die spanische Regierung kündigt an, bis Ende des Monats ein Reformpaket zu schnüren, das die Tür für Hilfen aus dem Fonds öffnen soll. Fragt sich, womit es die Spanier ernster meinen: Mit den Reformen oder mit der Hilfe, die sie brauchen.

Demonstranten-Shuttle

Im Sudan haben gewalttätige Demonstranten die deutsche und die britische Botschaft gestürmt, steckten ein Auto in Brand und holten die Flagge vom Dach. Der Botschafter und sein Stab hatten sich vorher rechtzeitig in Sicherheit gebracht. Und nun? Die Demonstranten haben sich nach dem Sturm auf die deutsche Botschaft mit Bussen und Lastwagen auf den Weg zur US-Botschaft gemacht. Offenbar ist die Sache gut organisiert, wenn es sogar einen Busshuttle zur nächsten Botschaftserstürmung gibt. Ganz so spontan bricht der Volkszorn gegen den fernen Westen also selbst im Sudan nicht aus.

Verlierer statt Gewinner

So langsam kommt die Politik in Fahrt. Monatelang konnte Major Tom, wie EADS-Chef Thomas Enders sich nicht ungern nennen lässt, ungestört über eine Fusion mit dem britischen Rüstungsunternehmen BAE verhandeln, ohne dass es in Berlin ein Thema war. Mittwoch musste er raus mit der Sprache, und nun hat auch die Politik ihre Sprache wiedergefunden: Es seien „im höchsten Maße volkswirtschaftliche, technologiepolitische, industriepolitische und sicherheitspolitische Interessen betroffen, die nicht durch die Vorstände entschieden werden können“, sagte der wirtschaftspolitische Sprecher der Unions-Fraktion im Bundestag, Joachim Pfeiffer, Handelsblatt Online. Und: „Deutschland hat hierbei viel zu verlieren.“ Ich hätte mir eine Sicht gewünscht, die mit „Deutschland kann hier viel gewinnen“ endet.

Japan zieht den Stecker

Als in Japan vor anderthalb Jahren eine Flutwelle gegen die Ostküste Japans krachte, zog Merkel den Stecker aus allen deutschen Atomkraftwerken. Jetzt machen das auch die Betroffenen. Bis zum Jahr 2040 will das Land schrittweise aus der Atomenergie aussteigen. Andersherum wäre eigentlich logisch. Aber manchmal überholt eben deutsche Betriebsamkeit japanische Gelassenheit. Ist mir auch lieber so.

Bankenwunderland

„Das Image des Bankers hat stark gelitten, doch der Spaß und die Besonderheit bleibt für uns unumstritten“. – „Schau gut hin, in dem Anzug steckt noch viel mehr drin. Ich nimm dich an die Hand, ich zeig Dir – das Bankenwunderland.“ Die zauberhaften Reime stammen aus einem Video, das Auszubildende der Sparda-Bank gedreht und als Werbung für ihr Unternehmen ins Netz gestellt haben. Ob es beim Londoner Prozessauftakt gegen den UBS-Zocker Adoboli gezeigt wird, der aus Versehen 2,3 Milliarden Dollar versenkte, ist genauso wenig bekannt, wie die Antwort auf die Frage, ob das eine zu harte Strafe wäre.

Tauchen Sie ein ins Wochenende-Wunderland. Das wünscht Ihnen

Oliver Stock

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

14.09.2012, 21:44 Uhr

Die historische Nachricht des Tages war wohl eine andere.

Soll die deutsche Mediative warten bis das Recht auf Leben und Freiheit und dazu die Möglichkeit, Eigentum zu erwerben und zu erlangen eingeschränkt und beraubt ist?!

Aus der Gewalt von Täuschung, fehlendem Liberalismus und Rechtsbeugung ist nie die Natur des Rechts geboren. Natürliches Recht wird durch gesetzlich Recht der angeblich mit Mandat betrauten deutschen Abgeordneten nicht widerlegt.
Den Übergang zwischen Kompromissbereitschaft und unbegrenztem Opportunismus einzuladen ist politischer Opportunismus gegen die Vertragsnorm

so_what

14.09.2012, 22:16 Uhr

Marc Faber:

Der große Denkfehler der US-Geldpolitik ist zu glauben, dass das ganze Geld beim Mann auf der Straße ankommt. Dies wird es nicht.
Ich bin sehr glücklich, dass meine Assets im Preis steigen, aber als verantwortungsvoller Bürger muss ich ganz klar sagen, dass die Fed-Politik die Welt zerstören wird.

Es ist eine irrige Meinung anzunehmen, dass man durch das Drucken von Geld die Arbeitslosenrate beinflussen kann
Das Geld bleibt im Bankensystem und bei den finanziellen Institutionen hängen.

Sebastian

15.09.2012, 12:55 Uhr

Bernanke kann nur so viel Geld drucken weil die Ratingagenturen völlig untätig in dieser Frage sind.Letztes Jahr wagte sich mal kurz "S&P" aus der Deckung, aber das war´s dann auch.Obwohl seitdem die Verschuldung viel weiter gestiegen ist...wie lange soll das gutgehen..?

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