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28.01.2014

18:37 Uhr

Was vom Tage bleibt

Black Box Schufa

VonOliver Stock

Die Kreditauskunftei Schufa darf ihr Geschäftsgeheimnis hüten auch wenn die Ergebnisse irritieren. Siemens verschwindet von der New Yorker Börse. Ein Ex-Deutsch-Banker nimmt sich das Leben. Und Snowden ist kein Held, sagt der Verfassungsschutz. Der Tagesbericht.

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Was vom Tage bleibt

Handelsblatt-Online-Chefredakteur Oliver Stock.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Geschäftsgeheimnis

Die Schufa muss uns nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs keine umfassende Auskunft darüber geben, wie sie unsere Kreditwürdigkeit berechnet. Eine 54-jährige Klägerin wollte wissen, wie die Wirtschaftsauskunftei die Werte für ihre Kreditwürdigkeit berechnet. Sie war stutzig geworden, weil ihr Autohändler eine andere Schufa-Auskunft über sie bekam als die Telekom. Das Geschäftsgeheimnis habe Priorität, meinen die Richter. Der ADAC hütete bei der Wahl des Gelben Engels auch so seine Geschäftsgeheimnisse. Manchmal ist das Wort nur ein Ausdruck dafür, dass die Beteiligten auch nicht so genau wissen, was sie tun.

Ende einer Epoche

Am 12. März 2001, einem Montagmorgen, läutet Siemens-Chef Heinrich von Pierer die Glocke an der New Yorker Börse. Der Konzern hat es geschafft: Seine Aktien sind fortan auch hier gelistet. 13 Jahre später ist die Präsenz auf dem New Yorker Parkett Geschichte. Konzernchef Joe Kaeser kündigt an, dass sich Siemens von der Börse in Übersee verabschieden wird. Lohnt sich nicht, lautet die Begründung. Der Handel werde vor allem in Deutschland und über außerbörsliche elektronische Plattformen abgewickelt. Was Kaeser nicht sagt: Mit dem Abschied von der US-Börse entzieht sich der Konzern ein Stück weit auch dem Zugriff der US-Aufseher. Immerhin bleibt ein Trost: Die Zeit in den USA hat immerhin vier Vorstände lang gedauert. Aus Siemens-Sicht lässt sich also durchaus von einer Epoche sprechen.

Tod eines Bankers

Der ehemalige Deutsche-Bank-Manager William Broeksmit hat Selbstmord begangen. Die Polizei fand den 58-Jährigen tot in seiner Wohnung. Warum die Meldung an diese Stelle gehört, liegt an Folgendem: Broeksmit war der Vertraute von Deutsche-Bank-Chef Anshu Jain. Er scheiterte am Veto der Finanzaufsicht in Deutschland, als Jain ihn vor anderthalb Jahre zum fürs Risiko verantwortlichen Vorstand der Bank machen wollte. Nach dieser Niederlage stieg er aus und gehört seit einem Jahr nicht mehr zur Bank. Jain und Co-Chef Jürgen Fitschen reagierten auf die Nachricht betroffen: Er sei einer der besten Köpfe im Risiko- und Kapitalmanagement gewesen und „vielen von uns ein lieber Freund und Kollege, von dessen Intellekt und Weisheit wir profitiert haben“, schrieben sie in einer internen Mail. Der Rest der Geschichte wäre Spekulation und gehört deswegen nicht hierher.

Der Anti-Snowden

Verfassungsschutz-Präsident Hans-Georg Maaßen war jüngst zu Gast in der Handelsblatt-Redaktion und präsentierte sich smart und beredt. Das Interview mit ihm können Sie auf unseren Bezahlangeboten lesen. Nur so viel zum neugierig machen: Edward Snowden ist für den Verfassungsschützer alles andere als ein Robin Hood. Eher ein „besonders schillernden Typ“. Sein Weg aus den USA über Hongkong nach Russland sei bizarr gewesen. „Dass die Russen ihn nur aus ihrem Werteverständnis für Menschenrechte Asyl gewähren, kann ich nicht glauben“, sagt Maaßen. John le Carré dürfte ihm zustimmen.

Rauflustiger Professor

SPD-Anführer Sigmar Gabriel will Europa gegen „neunmalkluge Professoren“ verteidigen. Angesprochen davon fühlt sich der Chef der Alternative für Deutschland, Bernd Lucke. Er bezieht die Kritik auf sich selbst und auf die Professoren Roland Vaubel und Charles F. Blankart, die dem wissenschaftlichen Beirat des von Gabriel geführten Wirtschaftsministeriums angehören und gleichzeitig die AfD unterstützen. Sie sollen nach dem Willen von SPD-Mitgliedern das Gremium verlassen. „Was nützt ein Beirat, der auf Linientreue getrimmt wird?", fragt Lucke. Er muss so rauflustig sein, weil auf seinem Kernkompetenzgebiet derzeit nicht viel zu holen ist: Der Euro hält sich stabil und damit so gar nicht an Luckes düstere Prognosen.

Einen hellsichtigen Abend wünscht Ihnen

Oliver Stock

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

28.01.2014, 20:59 Uhr

Über den Tod des "Leichtgewichtes" William Broeksmit wird berichtet. Aber das HB berichtet nicht über den Tod des Ökonomen Wilhelm Hankel? Das erinnert an ein Witzblatt.

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