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09.01.2014

18:29 Uhr

Was vom Tage bleibt

Blamage im Finanzsystem

VonStefan Menzel

Die Sepa-Einführung wird verschoben und der chinesische Automarkt wächst nicht unendlich. Frankreich ärgert die Wirtschaft, beim Fleisch hört für manche der Spaß auf und die EZB hat keinen Mut. Der Tag im Rückblick.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Stefan Menzel ist Chef vom Dienst beim Handelsblatt.

Guten Abend liebe Leserinnen und Leser,

Unangenehme Parallele

Was hat der Berliner Flughafen mit dem europäischen Finanzsystem zu tun? Auf den ersten Blick erst einmal gar nichts. Seit heute wissen wir aber, dass es sehr wohl eine Verbindung gibt: Nämlich in der Unfähigkeit, einen einmal angesetzten Starttermin nicht einzuhalten. Geschäftsbanken, EU-Kommission und Europäische Zentralbank leisten sich eine ziemliche Blamage, wenn die Einführung des einheitlichen Zahlungssystems (Sepa) jetzt um sechs Monate verschoben wird. Wenn schon solch eine vergleichsweise simple Umstellung der Computersysteme nicht rechtzeitig gelingt, was geschieht dann erst mit unserem Geld?

China ist nicht alles

Alle setzen auf China. Besonders die deutschen Autohersteller sind nahezu euphorisch, was den chinesischen Markt betrifft. Allen voran Volkswagen hat Milliarden in die Hand genommen, um in China die Nummer eins zu werden. Mittlerweile verkauft der Wolfsburger Autohersteller dort mehr Fahrzeuge als auf dem deutschen Heimatmarkt. Aber Achtung, alles hat seine Grenzen! In China stinkt es in den großen Städten manchmal zum Himmel. Schuld daran sind natürlich auch die stark steigenden Zulassungszahlen bei Autos. Den chinesischen Behörden wird nicht viel anderes übrig bleiben, als den Autoverkehr noch weiter zu beschränken. Und dann ist es mit der deutschen Auto-Herrlichkeit im Reich der Mitte ganz schnell vorbei.

Wundersames Frankreich

Frankreich, besonders unter einem sozialistischen Präsidenten, kennt manchmal überhaupt kein Pardon. Jetzt will die Regierung in Paris dem amerikanischen Amazon-Konzern Rabatte und Gratisbelieferungen mit einem Sondergesetz verbieten. Angeblich sei die kulturelle Vielfalt bedroht. Die Franzosen haben schon ein sehr sonderbares Verständnis von Marktwirtschaft. Sie sollten froh darüber sein, dass Amazon seine Dienste so extrem günstig anbieten kann. Statt dessen zieht Paris die Verbotskarte aus der Schublade. Dieser sonderbare Vorgang um Amazon ist ein Fall für die EU – die der französischen Regierung ganz schnell dieses dirigistische Verhalten untersagen sollte.

Guten Appetit

Die Glaubensritter in Sachen Fleischkonsum sind wieder unterwegs. Vermeintliche Glücksbringer wollen uns einen Verzicht auf den Fleischkonsum nahelegen. Warum eigentlich? Fleisch zu essen, das ist doch Natürlichste von der Welt. Jeder einzelne muss für sich entscheiden, ob Fleischverzehr das Richtige für ihn ist. Wenn dann am Ende herauskommt, dass der durchschnittliche Fleischkonsum dauerhaft zurückgeht, dann ist das auch völlig in Ordnung. Bloß: Es darf niemand dafür verteufelt werden, dass er allzu ungern auf das saftige Steak verzichten möchte.

Mehr Mut

Es ist gekommen, wie es kommen musste: Die Europäische Zentralbank hat den zuvor schon extrem niedrigen Leitzinssatz am Donnerstag unverändert gelassen. Das klassische Instrumentarium der Notenbanken wie etwa Änderungen des Zinssatzes funktioniert nicht mehr. Statt dessen sollten sich die Damen und Herren in der EZB etwas anderes einfallen lassen. Mit speziellen Kreditlinien etwa für Unternehmen ließe sich die Wirtschaft in den Krisenländern der Euro-Südflanke ankurbeln. Etwas mehr Mut zu unkonventionellen Maßnahmen im Frankfurter EZB-Turm wäre also nicht schlecht.

Einen angenehmen Abend wünscht Ihnen

Stefan Menzel

Kommentare (8)

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zensus42

09.01.2014, 20:14 Uhr

Oha, die hier zurecht geforderte grundlegende Kompetenz zu wissen, was man tut, sollte auch für die Redaktion gelten. Weder ist SEPA verschoben, es ist nämlich in wesentlichen Teilen längst eingeführt. Noch ist die Verschiebung der nächsten Stufe beschlossen, es handelt sich aktuell um einen Kommisionsvorschlag Noch ist es "nur eine Computerumstellung", und erst recht ist es nicht simpel. Manche Leute halten alles für simpel, was nicht ihr eigenes Fachgebiet ist. Bitte mehr recherchieren! Diese Ignoranz bei vielen aufgrund der trockenen Materie ist anscheinend Teil des Problems.

veritasaequitas

09.01.2014, 20:30 Uhr

"Wenn schon solch eine vergleichsweise simple Umstellung der Computersysteme nicht rechtzeitig gelingt, was geschieht dann erst mit unserem Geld?" - Es scheitert ganz sicher nicht an der technischen Umsetzung, welche by the way schon lange abgeschlossen worden ist. Auf die Sepa-Infrastruktur kann schon heute zugegriffen werden.
Es geht vielmehr darum, dass die Sepa-Einführung und die damit verbundenen Neuerungen von vielen Bankkunden verschlafen wurden. Jeder Lastschrifteinreicher - vom großen Mobilfunkanbieter bis zum kleinen Sportverein - muss eine Gläubiger-ID beantragen und Mandatsrefernznummern vergeben, welche jedem Kunden mitzuteilen sind. Unter Umständen muss dann noch die Zahlungsverkehrssoftware umgestellt werden, da die alte nicht Sepa-fähig ist. Diese Umstellung haben viele LS-Einreicher verschlafen bzw. den damit verbundenen Arbeitsaufwand unterschätzt. Auf diese Tatsache hat die EU-Kommission bei der Begründung der Verlängerung der Übergangsfrist auch hingewiesen. Aber naja, 99 von 100 Lesern haben jetzt wieder einen Grund sich über die Banken aufzuregen - Applaus!

Account gelöscht!

09.01.2014, 20:33 Uhr

ist trotzdem lächerlich.

Man kann einfach am Zeitplan festhalten...

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